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Die Welt · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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036 DIESöKELT: erwähnten Artikel 371 projektierte Gewährung des Besteuern n^srecht es mit Exekutive an die Schulkomitees würden die Kultusgemeinden Bulgariens die Abnormität von zwei mit einander konkurrierenden Verwaltungskörpern aufweisen, von denen die einen, die Kultusvorstände, für das Gesamtbudget der Gemeinde, in dem auch das Schulbudget inbegriffen ist, das Exekutivrecht nicht besitzen, während die anderen, die Schulkomitees, für ihr Defizit dieses Recht hätten. Es isc klar, daß bei der Konkurrenz der beiden Komitees die Kultusvorstände den Kürzeren ziehen würden, daß somit die geplante Neueinführung indem sie die Eintreibung der freiw i I I i g e n Kukusbeiträge erschweren würde, eine ernste Gefahr für den Fortbestand der Kultusinstitutionen, einseht i e ß lieh der Schul e n, bedeutete. Lediglich diese Erwägungen veranlagten das Konsistorium, im Einvernehmen mit den Kultusgemeinden des Königreichs, gegen diese Novelle Stellung zu nehmen. Wir wären schlechte Hüter der Gesamtinteressen des bulgarischen Judentums, wenn wir diese drohende Gefahr nicht abgewehrt hätten. Daß aus diesem Anlaß meine Person Gegenstand maßlos heftiger Angriffe war, während es sich doch um eine Aktion handelt, die nicht meiner p e r s ö n 1 i c h e n Initiative, sondern der des Gesamtkonsistoriums und der Kultusvorstände entsprang, beweist neuerdings, wie sehr persönlicher Haß diesen ganzen Kampf bestimmt. 5. Hie Behauptung, daß ich stets auf Seiten der Alliance r.>:anden und „die nationale Schule bekämpft'*, ist eine böswillige Verdrehung der Wahrheit. Ich habe allezeit und bei jeder Gelegenheit meine grundsätzlichen Forderungen in betreff der nationalen Erziehung, Forderungen, von denen ich mich nie und durch niemanden auch nur um Haaresbreite abdrängen ließ, gegenüber der Alliance und ihren Repräsentanten in der nachdrücklichsten und unnachgiebigsten Weise vertreten: meine darauf bezüglichen Referate, Zirkulare und offiziellen Alemoranden, die zu zitieren ich mir hier aus Raumgründen versagen muß, sind sämtlich im Druck erschienen und meinen Widersachern wohl bekannt. Es ist unglaublich, daß man jetzt den traurigen Mut aufbringt, öffentlich das Gegenteil zu behaupten. Daß ich, der ich mein Lebenlang für die nationale Erziehung kämpfe, jenseits von Zaribrod ein Feind dieser Erziehung geworden sein sollte, das wird wohl, auch ohne Gegenbeweise, Herrn Dr. Rimalovskv niemand glauben. ö. Ueberhatipt besteht die Methode dieser Herren darin, Dinge, die sie durch Provokationen und Unbesonnenheiten verursachten und vor denen ich rechtzeitig gewarnt, jetzt, da sie eintreten, mir in die Schuhe zu schieben und mich für ihre eigenen Sünden verantwortlich zu machen. Nicht ich habe die Landesorganisation bekämpft, sondern sie mich und zwar mit Mitteln und Formen, die einzig dastehen in der Geschichte der Kultusgerneinden. Ich. befinde mich seit zehn Jahren unausgesetzt im Zustande der Notwehr, i c h h a b e nie angegriffen. Nicht ich habe die Gegenbewegung gegen die Leiter des bulgarischen Zionismus organisiert, sondern ihre eigene provokatorische und zweckwidrige Taktik. Ich habe dies seit einem Jahrzehnt vorausgesehen und vorausgesagt, man Nr. 31 beantwortete meine wohlgemeinten Ratschläge stets mit Verunglimpfungen und Verdächtigungen. Ein Beispiel, das mir sehr illustrativ scheint: Als ich im Jahre 1901 von der geplanten Veranstaltung eines zionistischen Demonstrationsumzuges vor dem rumänischen Konsulate in Sofia dringend abriet und zuletzt mich gezwungen sah, die Intervention Herzls anzurufen, der sich meiner Stellungnahme anschloß, da telegraphierten die zionistischen Leiter an Herzl, ich sei Antizionist und hätte überhaupt die ganze Sache erfunden. Dieser Zwischenfall bildet den Anfang der Feindseligkeiten, welche in gleicher Weise in den letzten zehn Jahren fortgesetzt wurden. Als nun die Folgen dieser Arbeitsmethode zutage traten, als» viele, die vorher nie grundsätzliche Gegner des. Zionismus oder gar des Hebräischen waren, in ihrer Gereiztheit sich gegen alles auflehnten, was von seiten der Landesorganisation kommt (ä la guerre, com me ä la guerre!), da drehte man den Spieß um und sagte: Das hat Dr. Ehrenpreis gemacht. Aber nein, meine Herren, das haben Sie gemacht, Sie ernten Sturm, weil Sie jahrelang Wind gesäet. 7. Dr. R. erhebt noch gegen mich die sonderbare Beschuldigung, ich hätte während meiner Amtszeit in Bulgarien nichts Zionistisches veröffentlicht. Das ist nicht wahr. Ich habe in diesem Zeiträume einige zionistische Flugschriften in spaniolischer und bulgarischer Sprache erscheinen lassen,, von denen eine Dr. Rimalovskv selbst zum Uebersetzer hatte. Ich habe überdies in den fünf Jahrgängen der Wochenschrift ,,Luz" (1907—1 QU) so viele zionistische Artikel und Studien veröffentlicht, daß die bulgarische Landesorganisation, wenn sie sie zu Propagandazwecken gebrauchen wollte, eine ganze* Serie von zionistischen Flugschriften mit ihnen füllen könnte. Daß nicht mehr geschehen ist, lag nicht an mir. Auch hier werde ich für die Sünden anderer verantwortlich gemacht.. Zum Schlüsse noch ein Wort: Ich bitte alle meine Freunde., versichert zu sein, daß ich nie etwas unternomme n,. was mit dem Zionismus inkompatibel wäre. Die zionistischen Leiter in Bulgarien, gegen die ich einen A b w e h r kämpf zu führen gezwungen bin, sind nicht berechtigt, sich mit dem Zionismus zu identifizieren; sie können sich nicht einmal auf die Billigung aller Zionisten in Bulgarien stützen. Und auch diesen Äbwehrkampf, den ich nur mit dem größten Widerwillen und betrübten Herzens rühre> werde ich nicht einen Augenblick länger fortsetzen, als mich die Verhältnisse dazu zwingen. z. Z. Bursztyn (Galizien), Juli 1Q12. Dr. M. Ehrenpreis. * Aus dem Bericht über die Landeskonferenz in Bulgarien, wie aus der Erklärung des Herrn Dr. Ehrenpreis geht hervor, daß der Konflikt, über den wir bereits mehrfach berichteten, nichts an Schärte verloren hat. Es wäre doch zu wünschen, daß die Angelegenheit den obersten Partei-Instanzen zur endgültigen Klärung unterbreitet würde. S3= (Haibri Hechadasch.) Ein Sammelbuch für Literatur, Kunst und Leben. I. Band. Redigiert von Dr. Jakob Kah an. Warschau 1Q12. Rbl. 1.23. (Hebräisch.) Im Verlage „Tuschijalr; ist nun der seit langer Zeit angesagte erste Hand dieses Jahrbuchs erschienen. Es enthält eine ganze Anzahl schöner Abhandlungen und dichterischer Werke, aber nichts, was den neuartigen, revolutionären Charakter verriete, den der Herausgeber — der bekannte Dichter Jakob K a h a n für die Publikation in Anspruch nimmt. „Ein neues Leben," sagt er in der Einleitung, ,,durchweht uns; wer wollte es nicht fühlen? Wie ein Frühlingsengel streicht der neue Hauch über die erstarrten Felder Israels, den gesunden Samen wird er beleben und alles Faule und Welke ausjäten/' Solche große Worte sollte man nicht in den Mund nehmen, ehe das Große getan ist. Mit Programmen, zumal wenn sie mehr schöne Worte als klare Gedanken enthalten, ist wenig getan. Besser als die hochtrabende Einleitung des Herausgebers ist sein theoretischer Artikel über „die jüdische Revolution'4. Er weist auf den innigen Zusammenhang hin, den jede Renaissancebewegung mit der Umwälzung des Bestehenden hat, und kommt zu der scharfen Formulierung: „Keine Renaissance ohne Revolution!1' Zu dieser Revolution hatten aber gerade wir am wenigsten Kraft und so sieht Kahan in der inneren Schwäche dieses angeblich so hartnäckigen Volkes die Wurzel aller unserer Fragen. Das ist ein tiefer Blick in das jüdische Wesen, um dessentwillen man dem Autor die hochtönenden Worte der Vorrede gern verzeiht. Er ist ja ein Dichter. (Das F^uch bringt auch ein stimmungsvolles Märchen „Der tote Stern" von ihm.) Von theoretischen Arbeiten erwähne ich noch einen Artikel des allzeit mutigen S. J. Hurwitz, der mit der Religionsphilosophie Jehuda Halevis scharf ins Gericht geht. Der Verfasser des Kusari scheint ihm im Gegensatz zu dem immer in die Weite strebenden Maimonides der Konservative zu sein, der ganz eingeschlossen blieb in den Anschauungen seiner Zeitgenossen, lieber Halevi als nationalen Dichter schreibt J. N. S i m c h o n i. Jizchak Epstein nimmt die Frage des Hebräischredens zum Anlaß, um eine ausführliche psychologische Analyse des Gedächtnisses zu geben. Bei der Unklarheit und Unsicherheit, die bezüglich der hebräischen Terminologie für psychologische Begriffe noch herrscht, ist

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