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Die Welt · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 31 DIEE&ELT 935 und systematisch bemüht hat, die Tätigkeit der bulgarischen zionistischen Organisation zur Nationalisierung der Gemeinden und speziell unserer Schulen durch geheime und offene Parteinahme zu paralysieren, und daß er durch Mißbrauch seiner Macht und seines Einflusses während der Wahlen die Eroberung dieser Institutionen durch die Zionisten zu verhindern oder sie aus denselben zu entfernen sich bemüht hat, nachdem ihnen fast die Eroberung gelungen war; daß derselbe sich ferner stets den Bemühungen der Zionisten, die materielle Lage der Schulen sicherzustellen, widersetzt hat, diejenigen unserer Volkslehrer, welche zionistische Tendenzen zeigten, verfolgte und überhaupt eine Reihe von Schwierigkeiten schaffte, um ihre nationale Tätigkeit zu verhindern; daß er mit allen ihm in seiner Würde zur Verfügung stehenden Mitteln jederzeit die Initiative, die allgemein die Nationalisierung der jüdischen Bevölkerung zum Ziel hatte, bekämpft hat; daß ihm auch in anderer Hinsicht die Schuld zufällt, eine Reihe von Amtsverletzungen begangen zu haben; er brachte Demoralisation in den öffentlichen Kampf; richtete alle seine Bemühungen darauf, das bulgarische judentum zu desorganisieren, mit dem einzigen Zwecke, das Zustandekommen eines jüdischen Gemeindekongresses zu verhindern, und zwar aus Furcht, die Zionisten könnten als Gemeindemitglieder von ihm Rechenschaft verlangen und ihn bloßstellen; daß er nicht nur die auf ihn gesetzten Hoffnungen des bulgarischen Judentums nicht rechtfertigte, sondern für die Interessen desselben schon seit langem schädlich geworden ist. Nach alledem ist die Konferenz der' Ansicht, daß die Interessen des bulgarischen Judentums sowohl vom zionistischen wie auch vom allgemeinen Standpunkte es erfordern, den Rücktritt des Dr. Ehrenpreis von dem Posten des Großrabbiners zu verlangen und daß der gegen ihn verhängte Boykott vollkommen gerechtfertigt ist. Bis auf den von uns im Druck hervorgehobenen Schlußsatz wurde die Resolution bei namentlicher Abstimmung einstimmig von der Konferenz angenommen. Ein Delegierter (aus Karnobat) wollte sich über die Boykottfrage nicht äußern, da er der Debatte nicht beigewohnt habe; einer der sechs Delegierten aus Rustschuk (Asseoff) sprach sich dagegen aus, bemerkte aber dabei, daß dies seine persönliche Anschauung und nicht die der Gesinnungsgenossen in Rustschuk wäre, und einer der drei Delegierten aus Philippopel (Moschonoff) stimmte ohne Angabe des Grundes dagegen. Darauf wurde über eine Hilfsaktion zu gunsten der Familie des verstorbenen vielverdienten Gesinnungsgenossen Beruf A z a r i a beraten. Die Angelegenheit wurde einer Kommission übergeben mit der Weisung, eine Summe zusammenzubringen, vor welcher wenigstens ein Kind des Verstorbenen in Palästina erzogen werden könnte. Ferner wurden einige Abänderungen der Organisationsstatuten beschlossen und nach Genehmigung des Budgets wurde die Wahl der Funktionäre für die nächste Periode vorgenommen, welche folgende Resultate ergab: Das Landeskomitee wird von Philippopel nach Rustschuk verlegt und besteht aus folgenden Mitgliedern: Sigmund Rintel, Dr. Ascher, Nessim Daniel, Isaac A s r i e 1 und Isaac S e m o. Der Vorsitzende soll aus ihrer Mitte gewählt werden. Außerdem sind 6 ständige Beiräte dem L.-K. aus ganz Bulgarien zugewiesen. Für das Zentralkomitee der Weltorganisation wurde Herr Dr. Marco Romano wiedergewählt. In die Kommission für Bank und N.-F. wurden die Herren jaco Maschiach, Mosche B i n u n und Moni S e m o , sämtlich in Rustschuk, gewählt; für die Literaturkommission die Herren Albert Romano, Dr. Rimalovsky und Ascher Ehrlich, sämtlich in Philippopel. Das Parteiorgan „Haschofar" wird nunmehr in Rustschuk erscheinen. Die Konferenz wurde um 5 Uhr morgens geschlossen Der Gemeindekonflikt in Bulgarien Herr Dr. Ehrenpreis sendet uns folgende Zuschrift: Die Gegenerklärungen Dr. R i m a 1 o v s k y s in Nr. 26 der „Welt" zwingen mich neuerdings zu einigen tatsächlichen Feststellungen, womit ich für meinen Teil diese Auseinandersetzungen abschließen möchte. Diese Gegenerklärungen, von demselben Geiste persönlicher Gehässigkeit und Rechthaberei diktiert, der leider seit Jahre i diese Angelegenheit nicht zur Klärung kommen läßt, sind in allen Teilen unwahr oder entstellt. Ich werde mich auf die Richtigstellung des Wesentlichen beschränken. 1. Die mehrfach zitierte spaniolische Wochenschrift „Luz4, ist seit April 1. j. nicht mehr mein Organ, ich habe nunmehr auf dieselbe keinerlei Einfluß und bin für ihren Inhalt nicht verantwortlich. 2. Es ist unwahr, daß der Konflikt zionistische Interessen betrifft. Die Art der Einberufung eines Gemeindekongresses ist keine zionistische, sondern eine örtliche Gemeindefrage. Das Baseler Programm bestimmt nicht, ob Delegierte zu Gemeindekongressen von den Kultusvorständen oder den Gemeindemitgliedern zu wählen sind. Das aber ist es, worum seit Jahren und auch gegenwärtig ausschließlich gekämpft wird; nicht die Frage der Alliance, da doch letztere sich seit Jahren von den bulgarischen Schulen zurückgezogen hat. 3. Die Nationalisierung unserer Schulen ist in Bulgarien von Anbeginn auf keinen ernsten Widerstand gestoßen, und es war eine verhängnisvolle Verirrurig der Leiter der Landesorganisation, daß sie für etwas kämpfen zu müssen glaubten, was ohne Kampf rascher und sicherer zu erreichen war. Als ich im Jahre 1902 auf Grund der Beschlüsse einer von mir einberufenen Lehrerkonferenz ein Normalprogramm für den Hebräischunterricht in unseren Schulen unter Zugrundelegung der Methode Ibrith b'Ibrith einführte, als ich an unseren Lehrkörper Instruktionen erließ, die wesentlich dasselbe enthielten, was ich in meinen Kongreßreteraten in Basel und im Haag mit Bezug auf die nationale Erziehung gefordert, da begegnete ich von keiner Seite irgendwelchen Schwierigkeiten. Seither wiederholte ich meine Instruktionen alljährlich, veranstaltete hebräische Ferienkurse für die Lehrerschaft, normierte die Prüfungsordnung für Lehramtskandidaten — bei alledem merkte ich nichts von Assimilation oder Antihebraismus, ich sah nirgends den „Feind". Erst die Leiter der Landesorganisation haben ihn erfunden, um ihn zu bekämpfen. In Bulgarien ist der Kampf um die Schule kein Kampf für die Schule. Die Schule und das Hebräische sind parteitaktische Vorwände für lokale Machtfragen. Das ist die Wahrheit. 4. Dasselbe gilt vom Artikel 371 des Schulgesetzes. Dieser Artikel, der von den Leitern der Landesorganisation ohne vorherige Befragung der kompetenten Zentralstelle und der Kultusvorstände heimlicherweise in das Gesetz eingeschmuggelt werden sollte, war durchaus nicht bestimmt, den nationalen Geist in unseren Schulen zu siehern, so lange es keine Möglichkeit gibt, im Gesetzeswege gleichzeitig die Wahl von Zionisten in die Schulkomitees zu sichern. Die exekutive Eintreibung von Schulzulagen, die heute einem zionistischen Komitee zur Sicherung der nationalen Erziehung dient, würde morgen einem allianzistischen oder sozialistischen Schulkomitee zur Vernichtung der nationalen Erziehung dienen. Dieser Gesetzesartikel, ein parteitaktisches Gelegenheitsgesetz für Augenblickszwecke, involvierte ernste Gefahren für den Fortbestand unserer Gemeindeorganisation in Bulgarien. Er betrifft nicht, wie die ausländische jüdische Presse fälschlich informiert wurde, die Schulsteuern, sondern nur das Schuldefizit — „falls das Einkommen der Gemeindeliegenschaften zur Erhaltung einer Schule nicht ausreicht". Nun werden unsere Schulen nicht vom Immobiliareinkommen erhalten (dies gilt bloß von den muselmanischen Gemeinden, welche sich Von den Einnahmen der Vakufs erhalten), sondern von freiwilligen Beiträgen an die Kultusgemeinden, welche ihrerseits den Schulkomitees die erforderlichen Budgets zur Verfügung stellen. Für diese Kultusbeiträge verweigert jedoch die bulgarische Regierung die exekutive Eintreibung. Durch die im

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