Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 31 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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934 DIE] Wie alljährlich, veranstalten auch heuer die hier weilenden gesinnungsgenössischen Kurgäste zionistische Vortragsabende. Der erste Abend wurde durch einen Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisen grün aus Wien „Ueber die Lage des Zionismus in der Gegenwart" eingeleitet. Am verflossenen Mittwoch hielt Herr Kantor Blitz aus Berlin einen Vortrag über Palästina. An der Diskussion beteiligten sich unter anderem die Gesinnungsgenossen Dr. Heymann aus Berlin, Münz aus Ostrau, Frl. Samuel aus Libau, Dr. B e n d e r s k y aus Kiew und Frau Dora Stand aus Lemberg. Eine Sammlung für den Nationalfonds ergab einen namhaften Betrag. Weitere Vorträge haben angekündigt: Dr. H e v m a n n , Dr. Bendersk y und nochmals Kantor Blitz. Auch an der Diskussion in der von Herrn Oriinbaum (Nürnberg) veranstalteten Versammlung der Agudath Israel nahmen mehrere Gesinnungsgenossen Anteil und vertraten in wirkungsvoller Weise den zionistischen Standpunkt. Konferenz der Bulgarischen Zionistischen Organisation (Von unserem Berichterstatter.) P h i 1 i p p o p e 1. Die achte ordentliche Konferenz der bulgarischen Zionisten in Sofia wurde am 14. d. M. eröffnet. Alle zionistischen Vereine Bulgariens waren durch ihre Delegierten, 39 an der Zahl, vertreten. Fast alle Tageszeitungen hatten ihre Vertreter entsandt. Die Konferenz gewann besondere Bedeutung durch das Erscheinen des Mitgliedes des Engeren Actions-Comites Dr. Jacobson, der einen Tag vor der Eröffnung nach Sofia kam und auch an den Beratungen der Vorkonferenz teilnahm. Bei der Eröffnung der Konferenz wurde Herr Dr. Jacobson Gegenstand begeisterter Ovationen seitens der Delegierten und des zahlreichen Publikums. Herr Persiado Romano, Vorsitzender des L.-K., eröffnete die Sitzung mit einer kurzen hebräischen Ansprache und schilderte dann, bulgarisch fortsetzend, die Grundzüge des zionistischen Gedankens und den gegenwärtigen Stand der Bewegung, die materiellen und kulturellen Fortschritte in Palästina und die Rückwirkung derselben auf das Judentum in der Diaspora. Dann besprach er die Lage der bulgarischen Organisation, indem er eine Parallele zwischen dieser und anderen Landesorganisationen zog, und kam zu dem Schlüsse, daß die bulgarische Organisation in mancher Hinsicht, wie z. B. in der Behandlung theoretischer und wissenschaftlicher Fragen des Judentums, nicht genügend fortgeschritten sei, dagegen in der Frage der politischen Betätigung im jüdischen Gemeindeleben einen entschieden aktiven Charakter besitze. Darauf nahm Herr Dr. Jacobson das Wort. Er begann in hebräischer und fuhr dann in französischer Sprache fort. Seine Ausführungen bezogen sich im wesentlichen auf den von dem jetzigen Actions-Comite eingeschlagenen Kurs. Er hob das Bemühen desselben hervor, die Bewegung durch Fühlungnahme der einzelnen Mitglieder des A. C. mit den Landesorganisationen zu demokratisieren, um der Bewegung weitere Schichten und insbesondere die Jugend zuzuführen. Darauf wurde zur Wahl des Bureaus geschritten. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde Dr. Marco Romano, zu Vizepräsidenten die Herren Nissim Daniel und Kapitän M o s c h o n o f f gewählt. Das Bureau entsandte Begrüßungstelegramme an den König unu an das Actions-Comite. Am nächsten Tage lief ein Danktelegramm des Königs an die Konferenz ein. Die Antwort des Vorsitzenden des A. C, Prof. W a r b u rg, lautete: ,,Das A. C. dankt Ihrer Konferenz herzlichst für die freundlichen Begrüßungsworte. Es erblickt eine seiner ersten Pflichten in der Befestigung der Beziehungen zwischen den Landesorganisationen und der Zentrale, wird insbesondere auch Ihre Or- £ELT Nr. 31 ganisation in jeder Weise unterstützen und wünscht Ihren Beratungen den allerbesten Erfolg." Dem Rechenschaftsbericht des L.-K. ist zu entnehmen, daß die Zahl der organisierten Schekelzahler im letzten Jahre 1013 und der nicht organisierten 46S betrug. Im allgemeinen ist die Zahl der organisierten, wie auch der nichtorganisierten Schekelzahler gestiegen. Die normale Entwicklung der bulgarischen zionistischen Organisation wurde durch den Widerstand der Notabein mit dem Großrabbiner Dr. Ehrenpreis an der Spitze sehr gestört, da die Kräfte der Organisation für den Kampf um die Wahrung der Rechte der jüdischen Bevölkerung in Anspruch genommen werden mußten. Nach kurzer Debatte wurde dem L.-K. seitens der Konferenz das Absolutorium einstimmig votiert. Gleichzeitig wurde der Rechenschaftsbericht der Kommission für Bank und Nationalfonds genehmigt. Die Einnahmen für die letzten 2 Jahre betragen rund 9000 Frcs. Die Konferenz sprach der Kommission ihren Dank aus. Am Abend des ersten Tages wurde im Stadtkasino zu Ehren des Herrn Dr. Jacobson ein Bankett veranstaltet, das einen sehr animierten Verlauf nahm und bis spät in die Nacht dauerte. Den nächsten Tag besprach Herr Dr. Jacobson in einer geschlossenen Sitzung die Frage des Zentralfonds. Die darauf folgende Subskription läßt erwarten, das für das laufende Geschäftsjahr ungefähr 3000 Frcs. eingehen werden. Die von den Delegierten an Ort und Stelle gezeichneten Beiträge beliefen sich auf rund 800 Frcs. Um 12 Uhr verabschiedete sich Herr Dr. Jacobson von der Konferenz mit einer kurzen Ansprache, in welcher er der bulgarischen zionistischen Organisation eine weitere ersprießliche und ruhige Tätigkeit wünschte. Linter begeisterten Hedadrufen und dem Hatikwah-Gesange der Delegierten entfernte er sich, um die Reise nach Konstantinopel anzutreten. Ein Teil der folgenden Nachmittagssitzung wurde dem Referate des Herrn N. Lew über „Die Grundlagen des Judentums" gewidmet. Der zweite Tag schloß mit der Erörterung einer inneren wirtschaftlichen Angelegenheit des Parteiorgans „Haschofar". Die Debatte darüber wurde erst am nächsten Tage geschlossen. Die Frage der weiteren Ausgestaltung des „Haschofar' in materieller wie auch in redaktioneller Hinsicht bildete den Kernpunkt der Verhandlungen des dritten Tages. Neben der Frage eines Parteisekretärs ist die Pressefrage von besonderer Wichtigkeit für die bulgarische Organisation. Ungeachtet der großen materiellen Opfer, welche die Sache fordert, hat sich die Konferenz unbedingt für Schaffung einer Sekretärstelle geäußert, während die Redakteurfrage für „Haschofar44 unter gewissen Bedingungen gelöst wurde. Die Konferenz war ursprünglich nur für drei Tage berechnet, wurde aber um einen Tag verlängert. Am Vormittag des vierten Tages kam die von -einer Kommission vorbereitete Resolution in der Frage Ehrenpreis zur Verhandlung. Es entwickelte sich eine eingehende Debatte, in welcher den Gegnern der Resolution unbeschränkte Redezeit, den für die Resolution stimmenden ein Hauptredner gewährt wurde. Die von der Konferenz angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die VIII. Konferenz der Zionisten Bulgariens faßt, nachdem alle Umstände, welche die Frage des Dr. Ehrenpreis berühren, genau erörtert wurden, und nach Kenntnisnahme des diesbezüglichen Berichtes des Landeskomitees folgende Resolution: Die Konferenz ist der Ansicht, daß der jetzt als Großrabbiner Bulgariens amtierende Dr. Ehrenpreis sich fortwährend