Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 31 (2.8.1912)
- Date
- 1912-08-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 DIEE&ELT und seine 300 Turner dürfen sich neben den besten Kräften anderer Turnerschaften wohl sehen lassen. Auch der „Nouveau Club", ein großer Verein angesehener hiesiger Kaufleute und Industrieller vertritt nationaljüdische Interessen und ist überall am Platze, wo es gilt, für positives Judentum zu arbeiten. Da zu seinen Mitgliedern sehr einflußreiche Personen gehören, so bildet 931 er einen überaus wichtigen Faktor auch in rein politischer Hinsicht, der von der Regierung* wohl beachtet wird. In aller Erinnerung ist noch die Rede, die vor zwei Jahren der damalige Großvesir im Nouveau Club hielt. So ist zu hoffen, daß Saloniki mit der Zeit noch das wird, was hier so außerordentlich nottut: ein jüdisch-nationales Zentrum! PALÄSTINA-RUNDSCHAU (Von unserem Berichterstatter.) Die „Agudath Israel" in Palästina Die Gründungder orthodoxen Organisation „Agudath Israel" mit all ihren Begleiterscheinungen hat begreiflicherweise unter den palästinensischen Orthodoxen großes Interesse wachgerufen. Anfangs hat die bekannte Breuersche Rede verstimmend gewinkt und ein sephardischer Chacham, Jakob Mose Toledano in Tiberias, hat im „Hacheruth" gegen die intoleranten Tendenzen der Kattowitzer Konferenz Stellung genommen. Allmählich überwand man jedoch die Verstimmung, und man sagte sich, daß man durch ein tätiges Eingreifen die junge Generation in nützliche Bahnen lenken könnte. Besonders verspricht man sich durch eifriges Mittun palästinensischer Kreise die Palästina-Arbeit der „Agudath Israel" auf ein solches Ausmaß zu bringen, welches sie auch vom jrthodoxen Standpunkt beanspruchen darf. Den Anfang machte wieder einmal Jaffa. Etwa 80 Personen folgten am 6. Juli der Einladung zur Gründung einer ■ )rtsgruppe. Die Referenten L i p s c h i t z und Chabas erauterten die Ziele der neuen Organisation, und meinten, daß -ie sich in gar keinem Gegensatz zur zionistischen Organisation befinde. Kolonist Schachewitz aus G e d e r a h Katra) verlangte, daß man in der „Agudath Israel'' doch mit rößerem Nachdruck das palästinensische Element betone. Viel Zeit nahmen die Ausführungen und Mitteilungen des Dr. L e w i n aus Pethach-Tikwah in Anspruch, die in hebräischer Sprache gehalten wurden. Auch er versicherte, daß die Palästina-Arbeit die Haupttätigkeit der „Agudath Israel" bilden werde. Diese Arbeit werde sich nach zwei Richtungen erstrecken: einerseits wird man das religiöse Leben in den Kolonien zu stärken suchen und besonders Schulen nach dem Muster der Talmud-Thora in Pethach-Tikwah einteilten, andererseits wird man bestrebt sein, die Chaluka allmählich umzugestalten und den alten Jischub durch Ueberlührung zur landwirtschaftlichen Tätigkeit materiell zu kräftigen. Interessant war Dr. Lewins Stellungnahme zu der Breuerchen Rede. Er machte es ungefähr wie in der bekannten leineschen Anekdote: Erstens, sagte er, glaube er den bösen Leitungen nicht. Die haben ja schon oft falsch berichtet. Zweitens könne niemand verlangen, daß ein Rabbiner einer großen Gemeinde aus seinem Herzen eine Mördergrube mache md seine Meinung nicht rückhaltlos ausspreche. Drittens sei Jakob Rosenheim und nicht Breuer der Spiritus rect o r der „Agudath Israel*' und deshalb seien weitere Entgleisungen nicht mehr zu befürchten. Nach einer weiteren Ansprache von Jakob Gold mann wurde die neue Ortsgruppe begründet, und beschlossen, weitere Gruppen in den anderen Städten und Kolonien zu gründen. Aus den Städten Jerusalem, Mitte Juli. Die hiesige jüdische Bevölkerung beginnt sich mit dem seit Einführung der Konstitution vorgeschriebenen Militärdienst abzufinden. Hier hat sich ein Verein „Machsikei Anschei Chajil*' gebildet, der sich zur Aufgabe stellt, denjenigen Familien zu Hilfe zu kommen, die durch die Einberufung ihrer Angehörigen zum Militärdienst zu leiden haben. Die Begründer dieses Vereins sind sephardische Juden. Der monatliche Beitrag ist 40 Cts. Als Zahlstelle fungiert die Filiale der Anglo-Palestine Company. Die Beamten der hiesigen Schulbehörde besuchen jetzt sämtliche Schulen Jerusalems, verzeichnen die Namen der Lehrer und Schüler sowie Lehrplan und Unterrichtsgegenstände. Unter anderem haben sie auch die Alliance-Schule und den „BezaleF4 besucht. Jaffa, 14. Juli. Heute abends begann die Generalversammlung des hiesigen hebräischen Gymnasiums. Anwesend waren sämtliche Lehrer, mehrere Eltern (diese hatten bereits gestern eine besondere Besprechung) und Gäste, sowie eine kleine Anzahl von Mitgliedern der „Agudath Hagymnasia". Herr S ch e i nk i n eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er auf das stetige Wachstum der Anstalt und die daraus resultierenden Pflichten und Aufgaben hinwies. Er sagte u. a.: ,,Bis jetzt hat das Gymnasium vieles der nichtpalästinensischen Judenheit zu danken gehabt. Nun ist bereits die Zeit gekommen, in der das Gymnasium durch die Aufnahme der vielen Schüler aus dem Auslande seinen Dank abstatten kann. Das Gymnasium hat viele Freunde gewonnen und hat Mitglieder in den folgenden Ländern: Palästina. Rußland, Deutschland, Oesterreich, Holland, Rumänien, Argentinien und Italien. Auch in Amerika und England hat man größere Beträge aufgebracht. Jedoch überragt Herr Jakob M o s e r in Bradford alle andern Freunde der Anstalt nicht bloß bezüglich der Höhe der Spenden (er hat bereits über 170 ODO Frcs. für das Gymnasium gespendet), sondern auch durch die warme, liebevolle Teilnahme, mit der er an dem Gymnasium hängt." -- Ueber den Rechenschaftsbericht und die Beschlüsse der Generalversammlung werde ich in einem späteren Brief berichten. Jaffa, 14. Juli. Die hiesigen Jemeniten veranstalteten heute, am Erew Rosch-Chodesch, eine große Versammlung mit einer reichen Tagesordnung. Eröffnet wurde die Versammlung mit einem ,,E1 mole Rachamim" für Dr. H e r z 1. Hierauf hielt Chacham Said eine längere Rede über die Lage der jemenitischen Juden, besprach verschiedene religiöse und wirtschaftliche Institutionen, die von den Jemeniten einzurichten sind und schloß mit einem eigens für die Versammlung verfaßten Gebet für die Rettung der jetzt schwer bedrängten Juden im Jemen. Während des Gebets erhoben sich alle Anwesenden, und so mancher, der im Jemen nahe Verwandte und Freunde hat, weinte mit. Herr Papper erklärte, daß falls die Jemeniten, wie in der Versammlung verlangt wurde, eine Talmud-Thora gründen werden, er unentgeltlich einige Stunden Unterricht im Rechnen usw. erteilen werde. J, F e 1 d - mann sprach noch über Herzl und sein Wirken. Sodann