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Die Welt · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 DIE3aEELT 927 denen Arbeits- und Kulturstätte rühmliches Zeugnis zu geben, aber auch den eminent jüdisch-sozialen Bestrebungen des Bezalel wirksame Förderung angedeihen zu lassen. Die Festrede hielt der Karlsbader Rabbiner Herr Dr. Ziegler, der in kurzen Zügen die Entstehungsgeschichte und das Aufblühen der Schule zeichnete; eine große Bedeutung habe es, daß der Bezalel, der ja seinen Namen aus der Bibel herleitet, in ihrem Sinne durch Gewährung von Arbeit statt durch herabwürdigende Almosen Werke der Wohltätigkeit übe. Redner erwähnt die Bedeutung des jüdischen Handwerkes, und weist auf die großen Erfolge hin, die die Ausstellungen des Lezalel anderwärts erzielt haben. Er forden alle Juden zur werktätigen Unterstützung des Bezalel auf, der, als zionistische Gründung, heute schon Gemeingut des Judentums geworden sei. - Der Eröffnung wohnten u. a. auch der Bürgermeister von Karlsbad, Herr Dr. Pfeifer, und in Vertretung der Bezirkshauptmannschaft Bezirkskommissär Dr. Uhlig bei, welche, wie alle andern Gäste, ihrem unverhohlenen Erstaunen und ihrer Bewunderung über die ausgestellten Gegenstände Ausdruck gaben. Auch der materielle Erfolg der Ausstellung, die im Etablissement ,,Sanssouci'4 hübsch und vornehm arrangiert ist, verspricht sehr gut zu werden, da schon in der ersten Woche sehr viel verkauft wurde. Die jüdische Emigrationsfrage in Galizien (Von unserem Berichterstatter.) W i e n. Im Frühjahre tagte bekanntlich in Wien eine von der Regierung veranstaltete Enquete über die österreichische Emigrationsfrage, in welcher sich mehrere Experten auch über die jüdische Emigration äußerten. Die Enquete hat insofern einen guten Erfolg gezeitigt, als sie die gaüzische Judenheit an ihre Pflichten gegenüber den jüdischen Auswanderern dieses Landes mahnte. Es ist ein „Landesverband für jüdische Statistik u n d Emigrationswesen in Galizien" ins Leben getreten, der seinen Sitz in Krakau hat. Der Verband will statistische Daten über das gesamte jüdische kulturelle, soziale und wirtschaftliche Leben in Galizien sammeln und in einer periodischen Durckschrift publizieren. In den wichtigsten Städten des Landes sollen Emigrationsbureaus gegründet werden. Vor allem will aber der neue Verein für den so dringend nötigen Rechtsschutz der Emigranten sorgen und sie gegen Aus Wucherung und menschenunwürdige Behandlung schützen, denen sie gegenwärtig nur allzu häufig ausgesetzt sind. Der Schulstreit in der Bukowina Wien. In der Bukowina tobt gegenwärtig ein Schulstreit, der von ernster Bedeutung ist. Der Czernowitzer Stadtschulrat hat folgenden Beschluß gefaßt: „In die Klassen mit deutscher Unterrichtssprache an den kommunalen Volksschulen in . . . (folgen die Namen der Gassen) sind die christlichen Kinder wegen Schwierigkeiten in der Erteilung des Religionsunterrichtes von Beginn des neuen Schuljahrs nicht einzuschulen." Unter dem fadenscheinigen Vorwande zweckmäßigerer Verteilung werden also die jüdischen Kinder von den christlichen reinlich geschieden. An diesem Beispiele zeigt sich wieder, wie unglücklich die politische Zwangsehe zwischen Deutschen und Juden im Buchenlande ist und wie sehr sich jene jüdischen assimilatorischen Faktoren aus Wien und Lemberg gegen das Recht und die Würde des jüdischen Volkes in der Bukowina vergingen, als sie ihren ganzen Einfluß daran setzten, um die jüdische Kurie, die im Landtagswahlreformentwurfe des Jahres 1909 vorgesehen war, zu hintertreiben, und durch häßliche Hintertreppenpolitik bei der Regierung tatsächlich die Streichung der Kurie aus dem Entwürfe durchsetzten. Hätten die 100 000 Juden der Bukowina ihre nationale Kurie ebenso wie die Polen, Ruthenen und Rumänen dieser Provinz, dann würden sie ihre eigenen Schulen haben und sie allein erhalten. So aber soll die jüdische Schule innerhalb des Deutscht u ms der Buk o w i n a a u f dem demütigenden Wege der Absonderung entstehe n. In dieser Form und mit diesen Mitteln kann natürlich die zwangsweise Separierung der jüdischen Kinder nicht ruhig hingenom m e ni w erden. Die Führer der Oesterreichischen Israelitischen Union, die zeterten, die selbständige jüdische Kurie bedeute den „unsichtbaren gelben Fleck", müssen nun zusehen, wie man innerhalb des bukowinensischen Deutschtums bereits dem sechsjährigen Kinde den gelben Fleck anheftet. Wenn der Beschluß des Landesschulrates zur Ausführung kommt, erhält die ganze unmoralische, zusammengekuppelte deutsch-jüdische Kurie ein tüchtiges Loch und muß früher oder später in die Brüche gehen. Das wäre im Interesse der beiden künstlich zusammengeschweißten Nationen und im Interesse des Friedens in diesem Lande, weiches fünf Volksstämme bewohnen, nur von Vorteil. Vielleicht entsinnt sich dann die Regierung eines denkwürdigen Beschlusses, den der Bukowinaer Permanenzausschuß, in dem Vertreter aller Volksstämme saßen, nach Beseitigung der jüdischen Kurie dem Landtage vom Standpunkte der Gerechtigkeit und im Interesse der Gesamtheit einhellig faßte und dem Landtage unterbreitete. Er lautete: „Bei den gegebenen Verhältnissen der Bukowina hält der Landtag dafür, daß die Juden eine eigene nationale Individualität bilden, weshalb ihnen eine eigene Kurie gebührt.'4 Zur Lage der Juden in Jemen J e r u s a 1 e m. Alle Zeitungsberichte über die schrecklichen Verfolgungen, unter denen die Juden im Jemen zu leiden haben, verblassen gegenüber der Wirklichkeit. Die Lebensbedingungen der Juden in dieser Provinz sind bis zum Aeußersten unerträglich geworden. Es ist wahr — die Juden haben zu allen Zeiten viel erdulden müssen von seiten der mohammedanischen Bevölkerung, aber die jetzige Lage ist unhaltbarer als je. Eine der Bedingungen des zwischen Izzet Pascha, dem Befehlshaber der ottomanischen Truppen im Jemen, und dem Imam Jachja geschlossenen Friedens lautete dahin, daß das Gerichtswesen in diesem Lande reformiert werden müsse, und daß unparteiische Richter an die Spitze der Gerichtshöfe zu berufen seien. Dies ist aber nur scheinbar geschehen. Viele Juden, Männer und Frauen, wurden in letzter Zeit verhaftet und in ganz ungerechtfertigter Weise eingekerkert. Um die Willkür zu kennzeichnen, mit der man bei der Festnahme der Juden verfährt, sei folgender Fall angeführt: Ein jüdischer Drechsler wurde auf Befehl des Gerichtes von C h e r i unter der Anklage verhaftet, er gebe sich mit Zauberkünsten und mit Umtrieben gegen die mohammedanische Religion ab. Das Gericht verurteilte ihn zu einer längeren

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