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Die Welt · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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908 D1E3^ELT: Nr. 3d °Vpy~ („Die Zukunft"). Hebräische Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft des Judentums. Verlag Sinai. Bd. IV. Berlin 1912. (Preis M. 3.—.) Der soeben zur Ausgabe gelangte vierte Band des „Heathid" wird wegen seines originellen und leider wieder einseitigen Inhalts ein wichtiges literarisches Dokument bleiben und zukünftigen jüdischen Historikern wertvolles Material zur Beurteilung des Zeitgeistes und der Zeitstimmung im Judentum der Gegenwart bieten. In diesem Bande des „Heathid" haben sich die besten Köpfe der modernen hebräischen Literatur über die Zukunft des jüdischen Volkes ausgesprochen und bei dieser Gelegenheit allem, was sie als Juden bewegt, machtvollen Ausdruck gegeben. Wie anders nimmt sich dieses hebräische, von Herrn Hurwitz veranstaltete Symposion über die Zukunft der Juden aus, als die von Landsberger und S o m b a r t herausgegebene Sammlung! In der hebräischen Sammelschrift Gedankentiefe und historisches Verständnis, in der deutschen seichte und widersinnige professorale Floskeln, dort gründliche Kenntnis des Judentums, hier bemitleidenswerte Unkenntnis, dort Herz und Gemüt, hier Herzlosigkeit und brutaler Utilitarismus. Schon um dieser Gegendemonstration willen sind wir Herrn Hurwitz zu aufrichtigem Dank verpflichtet. Von den hebräischen und jüdischen Schriftstellern, die sich zu der Frage über die Zukunft der Juden und des Judentums in diesem Band des „Heathid" äußern, sind zu nennen: ßcrdyczewski, B e n - J e h u d a , B u b e r, Birnbaum, Bar-Tobia, üubnow, H o r o d e z k y , J. Thon, Neumark, S o k o 1 o w, Frisch mann, Kaminka, C o r a I - n i k und Schiller; auch Max N o r d a u und Ludwig Stein haben die Rundfrage der Redaktion beantwortet. Außerdem enthält dieser Band noch drei größere wissenschaftliche Arbeiten, nämlich einen 53 Seiten starken Aufsatz von A. S. Herschberg über Schönheit und Schönheitsmittel der Frau in der talmudischen Zeit nebst Bemerkungen von Prof. S. K r a u ß, das erste Kapitel einer jüdischen Geschichtsphilosophie von mir und eine Abhandlung über den Propheten Ezechiel von J. N. Samchoni. Herr Hurwitz selbst hat sich in diesem Band nur mit einer weiteren Erörterung der Frage „Zur Erweiterung der Grenzen des Judentums" eingestellt. Auf die drei allgemeinen wissenschaftlichen Abhandlungen hier einzugehen, kann nicht meine Absicht sein. Mögen sich Fachgelehrte über diese Arbeiten äußern. Sie bieten Stoff genug zur Diskussion. Hier mögen nur einige Bemerkungen zu dem Symposion über die Zukunft der Juden und des Judentums Platz finden. Was zunächst in die Augen fällt, ist der unverwüstliche Optimismus der hier zu Worte kommenden jüdischen Denker. Alle erkennen die gegenwärtige Lage als schlecht und traurig an, ohne daß ihnen Grund zum Verzweifeln gegeben scheint. Sie heben ausnahmslos hervor, das Judentum stehe nicht vor dem Untergang, wie uns kurzsichtige Statistiker und engherzige, weltfremde Professoren glauben machen wollen. Selbst ein Skeptiker wie Frischmann wird furchtbar ernst und gläubig, zukunftsfroh und selbstbewußt, wenn er auf die ihm vorgelegte Frage zu sprechen kommt. Nahum Sokolow hat in bekannter literarischer Meisterschaft diesem Optimismus Ausdruck gegeben. Aber er motiviert seinen starken Glauben an die Zukunft des Judentums nicht ethisch, wie Frischm a n n , theologisch wie K a n i n k a , oder philosophisch und logisch wie Ludwig Stein, sondern soziologisch und historisch. Ob wir wollen oder nicht — das Leben und die historischen Mächte treiben uns dem vom Zionismus angestrebten Ziel entgegen. Die Frage ist nicht, o b wir existieren werden, sondern wie wir existieren werden! Auf diese Frage gibt uns der Zionismus eine Antwort. So Nahum Sokolow. Frischmann hingegen ist unter die Moralisten gegangen. Das Judentum sei eine ewige Idee, die ewige Sittlichkeit und Gerechtigkeit, und könne nicht untergehen, solange die Naturgesetze bestehen. Im Munde des großen Skeptikers nimmt sich dieser jeremianische Gedanke merkwürdig genug aus. Noch sonderbarer aber ist es, daß Frischmann unter die jüdischen Spiritualisten gegangen ist. „Wir hatten schon einen Staat, jetzt wollen wir aber nur warten und hoffen, bis alle Völker werden wie wir." Und der zum Propheten der reinen Geistigkeit gewordene Spötter Frischmann belehrt uns weiter mit ernster Miene, daß das Judentum im Gegensatz zu Rom und Griechen land deshalb geblieben sei, weil es staatlos gelebt hat Neumark und K a m i n k a schlagen ähnliche Töne ar aber sie sind doch nicht solche Allerweltskannegießer, wi der Feuilletonist Frischmann. Das jüdische Volk, ob politisci selbständig oder nicht, wird weiter existieren und ebenso di Menschheitsgeschichte bestimmend beeinflussen, wie in d*. Vergangenheit. Daran glaubt auch Ludwig Stein, der de jüdischen Monotheismus logisch faßt — als den logische Weltengrund . . . Max Nordau verteidigt seinen alten Satz: Das Judentum wird zionistisch sein, oder es wird nicht seil. „Unsere unmittelbare Zukunft ist Amerika, unsere mitte - bare, wirkliche ist Palästina." Die Arbeiten von Schiller, Coralnik, Dubno\ und Bar-Tobia zeichnen sich sowohl durch ihren phihsophischen Ideengehalt, wie durch ihre praktischen Motiv aus. Keiner findet einen pessimistischen Ton. Die Paroi lautet vielmehr; Arbeitet, und verzweifelt nicht. Im einzelne] gehen die Ansichten auseinander. So betonen die einen mel r die nationale Organisation im Golus (Dubnow), während d , andern den Schwerpunkt auf den realisierten Zionismus v«. legen. Im zionistisch-positiven Sinne beantwortet auch Mart i B u b e r die ihm vorgelegte Frage — aber Buber geht, w überall, auch hier seine eigenen Wege. Der Erneuerung d Judenheit muß die Erneuerung des Judentums vorausgehen eine religiöse Erneuerung muß Platz greifen, soll auf de Boden des alten Judäa eine neue jüdische Kultur entstehe Diese Enquete zeugt von der Gedankenfülle und de n historischen Weitblick unserer modernen hebräischen Schri steller, und darf als ein bedeutsames Dokument unserer nati - nalen Literatur bezeichnet werden. Für den nächsten Band kündigt Herr Hurwitz eine zweit Sammlung von Aeußerungen der hervorragendsten jüdisch n Schriftsteller und Denker über das Judentum und seine Z ikunft, ferner die Publikation einer hebräischen Literati rgeschichte der neueren Zeit von Nahum Sokolow, endli h die Fortsetzung der Jesus-Biographie von Dr. Joseph Klau - n e r an. London. Dr. S. M. Melamed Jüdische Skizzen. Von Felix P e r I e s. Leipzig, Gust Engel, 1912. Eine Arbeit von Perkes würde auch ohne jede Inhal angäbe ihre Genießer finden. Man wird daher dem Verfas den neckisch-geheimnisvollen Titel nicht übelnehmen, den der obigen Sammlung von Vorträgen und Aufsätzen gegeh hat, deren Bedeutung eine mehrsagende Ueberschrift verdh hätte. In der Tat handelt es sich dabei im wesentlichen i die Beiträge zur jüdischen Geschichte und Volkskunde, L. ratur- und Religionswissenschaft, die Perles bisher in eh Menge inländischer und ausländischer Zeitschriften und 7 tungen, darunter auch in der „Welt", veröffentlicht hat, und jeder in Buchform mit Vergnügen begrüßen wird, der Meisterschaft des Verfassers auf diesen Gebieten kennt, i I der weiß, wieviel verdienstvolle, gemeinverständliche Arbei der Kenntnis der breiten Oeffentlichkeit dadurch eritzo: werden, daß sie in irgendeiner Fachzeitschrift oder irgenfjehi Schulprogramm erschienen sind. Und gerade Perles hat i ganz eigene Art darin, ein Thema mit dem ganzen Reicht seines Wissens methodisch und kritisch zu behandeln und Darstellung dennoch einen volkstümlichen und aktuellen C rakter zu verleihen, durch den sie unmittelbar wirkt. Er vor allem aufklären und belehren. Dieses Bestreben zeigt : nicht nur da, wo er für das eigene Lager „Jüdische Charak köpfe" (Maimonides, Zacharias Frankel, Abr. Geiger, A Grünbaum) zeichnet, oder über „Entstehung und Bedeut des Talmuds", „Das Judentum, eine Religion der Sehn „Das Gebet im Judentum", „Soziale Gerechtigkeit im a. Judentum", „Judentum und Griechentum in ihren gegen tigen Beziehungen", „Die Poesie der Juden im Mittelalt spricht, sondern auch in Gelegenheitsschriften, die gegen i Entstellung und Herabsetzung des Judentums sich wem. mit denen die Wellhausen, Schürer und Harna usw. Schule gemacht haben. Mit der vornehmen Ruhe i Vorurteilslosigkeit, die wissenschaftlicher Beweisführung -

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