Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316544--56274-3350147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
906 DIETOELT: Nr. 30 (alten und neueren Datums) zu besuchen gedenkt und einige Aniiielduuoen zur Teilnahme noch LMitgegenziinchmen bereit ist. Diu eh die Gesellschaftsreise ist es möglich, erhebliche Vorteile zu gewinnen. Hie Anmeldungen müssen aber möglichst umgehend erfolgen. Die Paläsiina-Reisc-Gesellschaft e. V. in Hamburg (Adresse: Dr. Chwolles, Hamburg-M a h r e n - feld) ist bereit, kostenlos die Einschreibung und Vermittlung zu übernehmen." die aktuellen religiösen Fragen des orientalischen Judentums beraten und eine Rabbinerorganisation mit dem Sitze in J c - rusalem schaffen soll. Auch ist die Gründung einer neuen großen Jcschibah in Jerusalem geplant, die speziell für den Orient geeignete Rabbiner ausbilden soll. h\it der Vorbereitung der Rabbinerkonferenz beschäftigt sich ein besonderes Komitee, das auch die materiellen Mittel für die Durchführung der ganzen Aktion aufbringen will. Die neue Untersuchung im BeiHs-Prozeß Die neue Untersuchung im Heilis-Prozef) nahm Montag, den 22. Juli, ihren Anfang. B r a s u I H r u s c h k o w s k y , der auf der Halbinsel Krim zur Erholung weilte, ist nach Kiew zurückgekehrt, um vorn Staatsanwalt M a s c h k e w i t s c h vernommen zu werden. Vera T s c h e b e r i a k o w a verbreitet die Nachricht, sie sei von Brasul und dein früheren Verteidiger von Beilis, dem Advokaten Margolin, bestochen worden. Brasul äußert sich über diese nichtswürdigen Ausstreuungen im Tone höchster Entrüstung. Ihm sei allerdings bekannt, daß die Tscheberiakowa bestochen wurde, aber natürlich von Seiten der schwarzen Hundertschaften4'. Im übrigen spricht sich Brasul über den voraussichtlichen Ausgang djr neuen Untersuchung wenig zuversichtlich aus. Es seien viele dunkle Mächte am Werke, die in völlig skrupelloser Weise darauf hinarbeiten, den Sieg der Wahrheit zu vereiteln, und denen es nur darum zu tun ist, um jeden Preis die Juden als die Mörder des Knaben Justschinski hinzustellen. Eine Konferenz orientalischer Rabbiner Der Rabbiner der asehkenasisclien Gemeinde in Kairo, Herr M. Cohen, ist bemüht, eine Konferenz sämtlicher Rabbiner und Chachanum des Orients einzuberufen, die über Vortrag des Bürgermeisters von New York in einer nationaljüdischen Schule Jüngst besuchte der Bürgermeister der Stadt New York, Mr. G a y nor, die nationaljüdische Schule in Madison Street und äußerte sich hochbefriedigt über die Leistungen der Anstalt. Die Leitung der Schule richtete nun an Mr. Gaynor, der ein gründlicher Kenner der Bibel ist, die Bitte, in den Schulräumen einen Vortrag über die Propheten Israels zu halten, dessen Reinertrag der Anstalt gewidmet sein soll. Mr. Gaynor erklärte sich mit Vergnügen bereit, dieser Einladung demnächst Folge zu leisten. Organisation für hebräische Sprache und Kultur Bei den Besprechungen des deutschen Landeskomitees der Hebr. Organisation mit verschiedenen Mitgliedern und Gästen des Posener Zion. Delcgiertentages wurde von Einzelpersonen aus der Provinz mehrfach der Wunsch geäußert, daß wir ihnen für die Ferienzeit hebr. Privatlehrer aus Palästina empfehlen möchten. Wir bitten daher diejenigen, d i e Ii e b r. Ii n t e r r i c h t w ü n s c h e n, sowie diejenigen P a Iä s t i - n e u s e r, die hebr. Unterricht erteilen wollen, uns gefl. b i s zum 30. Juli davon schriftlich Mitteilung machen und die Bedingungen angeben zu wollen. Organisation für hebr. Sprache und Kultur, Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 03. §c □□□□□□ o O VS- FEUILLETON o □□□□□□] O JJ Aramäisch sprechende Juden Von A. Z. Idelsohn, Jerusalem Es wird wohl wenigen bekannt sein, daß es noch gegenwärtig Juden gibt, die einen aramäischen Dialekt sprechen einen Ueberrest der babylonisch-aramäischen Sprache, welche den babylonischen Juden etwa vierzehn Jahrhunderte hindurch als Umgangssprache gedient bat und in welcher das für das Judentum grundlegende Werk, der Talmud, geschrieben ist. Die aramäische Sprache durchdrang den alten Orient zur Zeit der Zerstörumg des ersten Tempels, und da sie mit dem Hebräischen eng verwandt ist, so war es den hebräisch sprechenden Juden leicht, sie sich anzueignen, so daß der hebräischen Sprache die Gefahr drohte, in Vergessenheit zu geraten. Lind in der Tat hat die aramäische Sprache innerhalb ganz kurzer Zeit das hebräische Sprachidiom vollständig verdrängt. Denn während zur Zeit des Königs Hiskijahu das Volk in Judäa noch keine Ahnung vom Aramäischen hatte, wie aus dem 2. Buch der Könige 18, 26 ff. zu ersehen ist, hat diese Sprache sich während der kurzen Periode des babylonischen Exils im jüdischen Volke vollständig eingebürgert und blieb auch fernerhin, trotz der eifrigen Bemühungen der Soferim und Tanaiten, die hebräische Sprache im Volke wieder zu beleben, die Umgangssprache der Massen. Allmählich wurde das Aramäische die eigentliche Volkssprache der Juden, so daß die Tanaiten sich gezwungen sahen, die Bibel ins Aramäische zu übersetzen, damit sie dem Volke zugänglicher gemacht würde. Später, im talmudischen Zeitalter, wurden auch Gebete, hauptsächlich in Babylonien, aramäisch abgefaßt und schließlich die beiden Talmude in zwei verschiedenen Dialekten des Aramäischen, Dadurch gewann die aramäische Sprache bei den Juden eine gewisse Heiligkeit, denn die Vorschrift, daß man den Wochenabschnitt nicht nur in der hebräischen Ursprache, sondern zum besseren Verständnis auch Aramäisch lesen und der Gemeinde vorlesen soll, wurde auch von denjenigen Juden der Diaspora befolgt, deren Umgangssprache das Spanische, Italienische, Deutsche usw. war. Die aramäische Sprache wurde also von allen Juden verstanden und gepflegt. Und dennoch genügte ein starker Ansturm seitens einer anderen Sprache, um die dem Volke in Fleisch und Blut übergegangene aramäische Sprache vollständig zu verdrängen und sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Das Arabische, die Sprache des Islam, verdrängte im Orient die aramäische Sprache bis auf einen kleinen entlegenen Winkel und nahm deren Stellung als jüdische Umgangssprache ein. Freilich ist es beiden Sprachen, dem Aramäischen und Arabischen, obwohl sie mit dem Hebräischen nahe verwandt sind, nicht gelungen, die überragende Stellung der heiligen Nationalsprache im Herzen des jüdischen Volkes zu erringen. In einem entlegenen Erdenwinkel, fern vom Weltverkehr und Weltgetriebe, fristet ein Ueberbleibsel der