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Die Welt · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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D!E3q£| ELT 905 Nr. 30 die Linie auf 150 km eine Sandwüste, die nur geringen Lokalverkehr und ganz unbedeutenden Export hat. Den Hauptvorteil erhofft die englische Gesellschaft, die den Bau vornehmen will, von dem Durchgangsverkehr Paläst i n a—A egypten. Es wird darauf hingewiesen, daß der Fremdenverkehr des Heiligen Landes an Pilgern und Touristen sich gegenwärtig auf 15 000 bis 18 000 Personen beziffert, und daß der größere Teil davon jetzt schon über Aegypten kommt. Man hofft, daß, wenn erst die Bahn gebaut ist, jeder Aegyptenreisende auch Palästina besucht, während bisher wegen der Seereise und der mißlichen Landungsverhältnisse in Jaffa Palästina vom Hauptstrom des Touristenverkehrs unberührt geblieben ist. Ob sich diese Berechnung als richtig erweist, wird die Zeit lehren. Gewisse Bedenken müssen aber jetzt schon geäußert werden. Eine Seefahrt Port Said—Jaffa zählt in Sturmzeiten sicher nicht zu den Annehmlichkeiten. Dasselbe gilt jedoch auch von einer 300 km langen Bahnfahrt Port Said—Jaffa oder Port Said- Jerusalem, die in glühender Sommerhitze bei 30 bis 400 C. im Schatten auszuführen ist. Heute beträgt die Fahrtdauer Jaffa—Port Said ungefähr 12 Stunden. Man verläßt den ägyptischen Hafen gegen Abend und kommt, wenn das Wetter nicht allzu ungünstig war, am anderen Morgen, durch den Schlaf und die frische Seeluft gestärkt, in Jaffa an. Die Landung wird in Zukunft keine Schwierigkeiten mehr bieten, da der Hafen in wenig Jahren gebaut sein wird. Rechnet man eine Geschwindigkeit von 30 km per Stunde, dann sind auch für die Bahnstrecke Jaffa—Port Said 10 Stunden notwendig. Die Zeitersparnis ist also gering, die Passagiere kommen aber durch die lange Fahrt im Waggon recht abgespannt in Jerusalem an. Zu Schiff werden von Port Said nach Jaffa in der zweiten Klasse gewöhnlich 23, in der ersten Klasse 38 Franken gezahlt. Pilger, die ihr eigenes Schiff haben, werden natürlich stets billiger mit diesem selbst fahren. Aber auch ohne das bedarf es keiner besonderen Rechenkünste, um nachzuweisen, daß die Fahrt zu Bahn im besten Fall nicht billiger als die per Schiff zu stehen kommt. Alles in allem: die Bedeutung der Bahn für den Pilger- und Touristenverkehr des Landes ist vorerst noch recht imaginärer Natur. An einen Frachtverkehr Jaffa—Port Said ist schon wegen der hohen Kosten nicht zu denken. Höchstens daß die Post durch die Bahn etwas gewinnt. Aber auch dann gilt als sehr wahrscheinlich, daß die Schiffahrtslinien den Konkurrenzkampf aufnehmen und durch die Einstellung moderner und schneller Dampfer ihre Aussichten noch mehr erhöhen. Erheblich komplizierter gestalten sich die Aussichten der Bahn, wienn man sie unter politischen Gesichtspunkten betrachtet. Als im Jahre 1906 die türkische Regierung die benachbarte .Mekka-Pilgerbahn bei Akaba am Roten Meer ausmünden lassen wollte, wurde sie daran durch die Proteste Englands gehindert, das in der Bahn eine Bedrohung der Sonderstellung des Suezkanals und mehr noch der englischen Okkupation Aegyptens sah. Man argumentierte, daß von Akaba nach Suez nur noch 200 km zurückzulegen seien, und daß ein mit der Bahn nach Akaba geschafftes türkisches Heer diese Strecke in wenigen Tagen zurücklegen könne. Der Konflikt endete damals mit einer Verschiebung der ägyptischen Grenze auf Kosten des türkischen Reiches nach Norden. Und heute? Stellt der Bahnbau Jaffa—Port Said nicht eine noch größere Gefahr für England-Aegypten dar? Auch Gaza ist nur 200 km vom Suezkanal entfernt, und neben Akaba kommt es als zweite Basis eines gegen Aegypten operierenden Heeres in Betracht. Das sind ernste Dinge, die man in Kairo schon oft überdacht hat und noch oft überdenken wird. Häuserbau in Kafr-Saba In der Kolonie Kafr-Saba bei Pethach-Tikwa wird am 15. Ab (29. Juli) d. J. die Grundsteinlegung von 12 neuen Häusern festlich begangen werden. Die Verwaltung der Kolonie bemühte sich schon seit längerer Zeit um die Erlangung der Bauerlaubnis, die endlich dieser Tage aus Konstantinopel eingetroffen ist. Der Bau der neuen Häuser dürfte von überaus günstiger Wirkung für die Entwicklung der jungen Kolonie sein, in der es bisher an geeigneten Wohnräumen für die Bodenbesitzer und Landarbeiter fehlte. Sämtliche Bauarbeiten werden von jüdischen Arbeitskräften ausgeführt werden. In Kafr-Saba werden hauptsächlich M a n d c 1 n gepflanzt, da der dortige Boden sich für diese Kultur besonders eignet. Interessant ist, daß auch einige junge Leute aus Chalukakreisen in Jerusalem, z. T. Jeschibajünger, kleine Mandelpflanzungen in Kafr-Saba besitzen und die Absicht haben, sich mit der Zeit dauernd in der Kolonie als Pflanzer niederzulassen. Organisation der jüdischen Mittelschullehrer in Palästina Eine Anzahl von Lehrern der hebräischen Gymnasien in Jaffa und Jerusalem, des jüdischen Lehrer- und Rabbinerseminars sowie der höheren Handelsschule in Jerusalem haben einen Aufruf versandt, in dem sämtliche Lehrer an den höheren jüdischen Schulen Palästinas aufgefordert werden, eine Fachorganisation der jüdischen Mittclschullehrer zu begründen. Die neue Organisation soll einen den Bedürfnissen der verschiedenen Mittelschultypen angepaßten allgemeinen Lchrplan entwerfen, die fachliche Weiterbildung der Mittelschullehrer durch Veranstaltung von Ferienkursen, Lehrertagen und Diskussionsabenden fördern, geeignete Lehrmittel schaffen usw. Auch die Lehrerschaft der demnächst zu begründenden Realschule in Haifa sowie späterhin des Technikums soll in die neue Organisation einbezogen werden. Eröffnung eines jüdischen Lehrerinnenseminars in Jaffa Das Odessaer Palästinakomitee der Chowewc-Zion hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, Anfang Marcheschwan (Mitte Oktober) d. J. die erste Klasse eines vierstufigen Lehrerinnenseminars in Jaffa zu eröffnen. In die neue Anstalt werden Absolventinnen der höheren hebräischen Mädchenschule (Hcth- Sepher Lebanoth) in Jaffa sowie entsprechend vorgebildete Mädchen aus anderen Schulanstalten aufgenommen werden. Die Zahl der Schülerinnen in den einzelnen Klassen soll nicht mehr als 40 betragen. Das Schulgeld ist aid 100 Frcs. jährlich festgesetzt worden. Das Palästinakomitee bewilligte für den Bau der Anstalt 20 000 Frcs., für Möbei und Lehrmittel der ersten Klasse 1850 Frcs., für Lehrergehälter, Anstellung eines Sekretärs, Einrichtung einer Schulbücherei usw. 10 000 Frcs. Von der Auswanderung russischer Juden nach Palästina Wie das Informationsbureau des Odessaer Palästinakomitees mitteilt, sind durch seine Vermittlung im Juni d. j. 300 jüdische Emigranten nach Palästina ausgewandert, und zwar 1()9 männliche und 131 weibliche Personen. Von den Auswanderern waren 73 noch nicht 15 Jahre alt, 90 befanden sich im Alter von 15—30, 77 im Alter von 30 -50 und 51 im Alter von mehr als 50 Jahren. Als Reise z w eck bezeichneten 35 Personen die Erlangung landwirtschaftlicher Beschäftigung, 25 die Niederlassung als Kolonisten, 26 verschiedene Studien, 104 Besuch ihrer Angehörigen, 36 unternahmen die Fahrt als Vergnügungsreisende und Touristen. 84 Auswanderer stammen aus Südrußland, 60 aus Littauen, 19 aus Polen, 7 aus Buchara, 4 aus dem Kaukasus und 14 aus den inneren Gouvernements. Palästina-Reise-Gesellschaft Herr Dr. Chwolles in Hamburg sendet uns folgende Zuschrift: „Aus bester Quelle habe ich erfahren, daß Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald, Wien XV, Mariahilferstr. 167, Anfang Oktober in kleinerer Reisegesellschaft — bis zu 20 Personen — die dem jüdischen Interesse näherliegenden Stätten Palästinas

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