Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 29 D1EÄELT 881 Sonnabend. Einige Fabrikbesitzer fanden schon seit längerer Zeit an diesem Zustande kein Gefallen und erschwerten in jeder Weise die Arbeitsbedingungen derjenigen jüdischen Arbeiter, die die Sabbathruhe beobachteten. Nunmehr entschlossen sich die Fabrikbesitzer zu einem radikalen Mittel. Sämtliche jüdischen Arbeiter mußten sich schriftlich verpflichten, auf die Sabbatruhe zu verzichten und mit ihren christlichen Kollegen am Sonntag zu feiern. Wer die Erklärung nicht unterschrieb, wurde einfach an die Luft gesetzt. Unter diesen Umständen sehen sich zahlreiche jüdische Arbeiter genötigt, dem Machtgebot ihrer Brotherren zufolge und sehr gegen ihren Willen den Sabbat zu entweihen. Man befürchtet, daß das böse Beispiel der jüdischen Schuhfabrikanten auch in anderen Industrien, z. B. der Kleiderkonfektion, die gleichfalls zum großen Teile in jüdischen Händen ist, Nachahmung finden wird. Persönliches Budapest. Unser Gg., Herr Jakob Lindenbaum aus Drohobycz, verschied hier am 27. Juni. Der Verstorbene ließ sich erst vor einigen Monaten im Kreise seiner hier ansässigen hochangesehenen Familie nieder, doch war es ihm nicht vergönnt, seinen Lebensabend mit den Seinen zu verleben. Unsere Bewegung verliert in ihm eine bewährte Stütze. Seine Söhne ehrten sein Andenken durch Zuwendung namhafter Beträge für den J. N.-F. irs^ flgo^ SPRECHSAAL ^gj Wir erhalten folgende Zuschrift: Kos so w 12. Juli 1912. In der letzten Zeit ist in unserer Presse viel von den Jemeniten die Rede gewesen. Es ist nicht lange her, daß arme Juden aus dem Jemen nach Palästina einzuwandern und als schlichte Tagelöhner dem neuen Jischub sich anzugliedern begannen. Dieser weitab in das südarabische Gallith versprengte Volkssplitter ist nach seiner ,,Entdeckung'' von allen Autoritäten des neuen Jischub in der kürzesten Zeit als sehr wertvolles Kolonisationselement anerkannt worden, und heute ist der Ruf der Jemeniten als eines wichtigen Faktors unseres Kolonisationswerkes weit über die Grenzen Palästinas hinausgedrungen. Die jemenitischen Juden sind es ausschließlich, die unserem Jischub die Unterschicht der einfachen, jegliche Arbeit verrichtenden Arbeiter liefern und somit die Grundlage für die Bildung einer kompakten Arbeiter m a s s e schaffen, womit eine Lücke ausgefüllt wird, welche sozusagen als „Konstruktionsfehler" dem neuen Jischub bisher anhaftete. Nun erfahren wir durch Jehoschua F e 1 d m a n n wieder *), daß die Lage unserer Brüder im Jemen unhaltbar geworden ist, und daß sie sich alle zu einem Massenauszug aus ihrem bisherigen Gallith vorbereiten, um nach Erez Israel Üngt es, sie in Palästina anzusiedeln, jungen Jischub die ihm so notwendige hinüberzuziehen. Gedann wird unserem Arbeitermasse zuge- *) S. "„Welt", Nr. 27. führt und unsere Position dort um mehrere tausend Familien produktiver Bürget verstärkt. Aber eine noch viel höhere, weil symptomatische Bedeutung wird dieses Ereignis für den Zionismus haben: Die Heimfindung der Gesamtheit der jemenitischen Judenheit nach Erez Israel wird für diese gleichsam eine Lösung ihrer partiellen Judenfrage bedeuten! Nun steht aber der Mangel an Wohnhäusern für diese Einwanderer diesem Werke hindernd im Wege. Der N.-F., der zu diesem Zwecke bedeutende Mittel bewilligt hat, ist hierbei bis an die Grenze der Möglichkeit gegangen. Diese Mittel müssen jedoch beschafft werden, wenn dieser Volksteil der Nation nicht wieder verloren gehen soll. Die jüngste Zeit hat im zionistischen Leben manche merkwürdige Erscheinung gezeitigt. Ein Wettstreit um die größere Leistung ist zwischen den Ländern entstanden, und diese „Kin'ath Sofrim" kommt immer einem anderen Arbeitsgebiete zugute. So will z. B. Galizien, von einem Manne mit Energie bearbeitet, dem Jerusalemer Gymnasium, das zurzeit mit finanziellen Schwierigkeiten kämpft, durch eine starke Kraftanstrengung auf die Beine helfen; die Bukowina hinwiederum will eine eigene Landeskolonie erstehen lassen. Diese „Spezialisierung" verspricht ein lebhafteres Tempo in unsere Arbeit zu bringen. Nunmehr sollten nach den Ländern auch die Städte an die Reihe kommen. Von berufener Stelle wurde mitgeteilt, daß für ein Jemenitenhaus mit Garten 1000 Frcs. nötig sind. Die e i n-z eine n Städte sol Iten demn ac h „H ä u s e r" zeichnen, für die der Betrag .binnen einem Jahre einzuzahlen wäre, und zwar sollten die kleineren Städte je ein, die größeren mehrere Häuser zeichnen. Die Häuser sollen Eigentum des Jüdischen Nationalfonds sein, aber bei demselben auf die Namen der Stifter, in unserem Falle der stiftenden Städte, eingetragen werden. Außerdem soll für jedes voll eingezahlte' Haus ein Diplom, ähnlich den Diplomen des „Goldenen Buches", ausgefertigt werden. Eine gestiftete Häusergruppe, bestehend aus zehn Häusern, bildet eine den Namen der stiftenden Stadt führende „Schechunah" oder Gasse. Die so geschaffene ,, H ä u s e r s p e n d e " — mit 1000 Francs als Einheit — könnte gleich der Oelbaum- oder Landspende, als Institution dem Nationalfonds angegliedert werden. Nach den anderwärts gemachten Erfahrungen darf erwartet werden, daß sich gleich eine beträchtliche Anzahl kleinerer und größerer Städte meldet, welche Häuser resp. Häusergruppen stiften. Die Häuserfrage für die jemenitischen Juden wird innerhalb Jahresfrist gelöst sein können, und dem N.-F. werden die nun für diesen Spezialzweck reichlicher fließenden Beiträge zu bedeutend gesteigerten Einnahmen verhelfen. Schon jetzt aber wird der N.-F. für sofort notwendig zu erbauende Jemenitenhäuser größere, über seine früheren Bewilligungen hinausgehende Summen vorschießen können, welche ihm dann die Fläuserspende zurückzahlen wird. Nicht zu unterschätzen ist der Wert der näheren, unmittelbaren Beziehungen, in welche die „eigenen'' Häuser oder gar Schechunoth die betreffenden Städte zu Erez Israel bringen. S. H o r o w i t z. LITERARISCHE RUNDSCHAU n^irj Monatschrift für die reifere Jugend, herausgegeben mit Unterstützung des Verlages „Koheleth" vom Verbände der Lehrer in Palästina. I. Jahrgang, Heft 1 bis 12, Jaffa 5671-2 (hebräisch). Das segensreiche Wirken des Lehrerverbandes in Palästina beschränkt sich nicht auf den engen Kreis der Berufsintcressen. Neben dem vorzüglichen Organe für Lehrer und Eltern, das an dieser Stelle öfter besprochen wurde, verdanken wir dem unermüdlichen Fleiße der Verbandsmitglieder auch eine Zeitschrift für die reifere Jugend, deren erster Jahrgang uns in zwei Bänden abgeschlossen vorliegt. Das ist eine literarische Leistung, die einem allgemeinen tiefempfundenen Bedürfnisse Rechnung trägt. Die Jugend, im Alter von 13 bis 17 Jahren, soll, wenn sie der Bildungsstufe der Kinderliteratur, die wohl in den letzten Jahren ziemlich sorgfältig gepflegt wurde, entwachsen ist, nicht ohne hebräische Lektüre bleiben; ihr Drang nach Wissen, ihre Sehnsucht nach allem, was Geist und Gemüt belebt und erhebt, soll nicht dem Zufall überlassen, sondern von kundigen Händen gelenkt werden. Die reifere Jugend soll der hebräischen Literaturals Lesepublikum erhalten werden! Dieses hohe Ziel haben sich die Herausgeber gesteckt, und was sie in ihren Ankündigungen versprochen, haben sie trotz mannigfacher Schwierigkeiten treulich gehalten. Belletristik, Geschichte und Kulturgeschichte (allgemeinen und jüdischen Inhalts), Naturwissenschaftliches und Wissenwertes über Leben, Kunst und Literatur, füllen die je fünf Bogen umfassenden Hefte in reichem Maße und angemessener Verteilung aus und der Geist, von dem besonders die spezifisch jüdischen Beiträge beseelt sind, ist so echt jungjüdisch, neupalästinisch, daß er den Titel der Zeitschrift „Moledeth" — „Vaterland" vollkommen rechtfertigt. Ein frischer, heimatlicher Hauch weht uns