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Die Welt · 1912-07-19 · 29 (19.7.1912) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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880 DIE2&ELT Nr. 29 Ungarn Sitzung des Landeskomitees (Von unserem Berichterstatter.) Budapest. Das Landeskomitee der Ungarländischen zionistischen Organisation hielt am 23. Juni eine Sitzung. Die in budapest woiinenden Mitglieder des Komitees waren ausnahmslos erschienen, die in der Provinz wohnenden Mitglieder ließen ihr FernbieiDen größtenteils entschuldigen. Herr Emanuel Widder erstattete den Geschäftsbericht, in welchem betont wird, daß die Arbeit der Zentralleitung in erster Reihe dadurch erschwert ist, daß aus Mangel an geeigneten ständigen Arbeitskräften kein dauernder Kontakt zwischen dem LandesKomitee und den im ganzen Lande zerstreut lebenden Zionisten hergestellt werden konnte. Der Präsident der Landesorganisation, Herr Ingenieur B. Beregi, ergänzte diese Ausfüllungen mit dem Hinweise, daß die zionistische Ideenwelt in der Judenschaft Ungarns stetig Fortschritte macht, wie dies die Geschehnisse des jüdischen öffentlichen Lebens im letzten Jahre bezeugen. Die äußere Lage der Bewegung in Ungarn kann daher ais günstig bezeichnet werden, um so bedauerlicher ist es jedoch, daß die innere Erstarkung der Landesorganisation mit der Ausbreitung des zionistischen Gedankens keinen Schritt hält. Ueber den Bericht entwickelte sich eine eingehende Debatte, in welcher die Mitglieder des engeren Landeskoniitees noch verschiedene Aufklärungen erteilten. Der Präsident Herr B. Beregi stellte im Namen des Engeren Landeskomitees den Antrag, einen ständigen Parteisekretär anzustellen. Das Landeskomitee nahm diesen Antrag an und beauftragte die Herren vom Engeren Landeskomitee, die Schaffung des Sekretariates sofort nach Ankunft des Parteisekretärs der Weltorganisation, Herrn Dr. Philipp Korngrün, in Angriff zu nehmen. Dr. Eugen Sipos stellte den Antrag, den Mitgliedsbeitrag der in der Landesorganisation organisierten Zionisten auf jährlich 12 Kronen zu erhöhen. In diesem Betrage wären — ähnlich dem 12-Mark-S) stein in Deutschland — Schekel, Landesparteisteuer und Abonnementspreis des offiziellen Organes, „Zsidö Szemle" enthalten. Einige Herren äußerten gegen die Durchführbarkeit des Projektes Bedenken, welche jedoch zerstreut wurden, so daß schließlich beschlossen wurde, diesen Antrag als denjenigen des ganzen Landeskomitees auf die Tagesordnung der nächsten Landeskonferenz zu stellen. Der Termin der Landeskonferenz wurde vorläufig noch nicht festgestellt, doch wurde in Vorschlag gebracht, dieselbe im Oktober oder November d. J. abzuhalten. Dr. Korngrün in Budapest Herr Dr. Philipp Korngrün, Sekretär des E. A. C, langte am 26. Juni abends in Budapest an. Bereits am 27. Juni fand die erste Beratung des Herrn Dr. Korngrün mit den Herren des Landeskomitees statt, hierauf folgten Beratungen am 29. Juni und 1. Juli und in der Folge fast täglich. Dr. Korngrün ließ sich über den Stand der Bewegung in Ungarn gründlich informieren und besprach im Laufe der Beratungen, zu welchen späterhin fast sämtliche aktive Zionisten zugezogen wurden, die Maßnahmen und Wege, mittels welcher die Konsolidierung und Neugestaltung unserer Landesorganisation vor sich gehen könnte. Es wurde festgestellt, daß die Schaffung eines Landesparteisekretariats eine unumgängliche und unaufschiebbare Notwendigkeit ist. Aufgabe des Sekretärs und des einzurichtenden Bureaus wäre es dann, Organisation und Propaganda rege zu halten, einheitlich zu leiten und zu überwachen. Es wurde auch notwendig, eine größere Anzahl von Gesinnungsgenossen, welche früher in unserer Bewegung tätig waren, persönlich zu besuchen, und auf Grund einer gründlichen Aussprache mit ihnen die Mittel der Reorganisation festzustellen. Dr. Korngrün besuchte eine stattliche Reihe von Gesinnungsgenossen, welche er überzeugte, daß die Kosten der Reorganisation aus Landesmitteln zu bestreiten sind. Seine Bemühungen waren auch von Erfolg gekrönt, indem mehrere Gesinnungsgenossen einmalige Beträge und auch Jahresbeiträge zeichneten, wodurch wir in die Lage versetzt sind, einen Parteisekretär sofort anzustellen und solcherart unsere 10. (Jubi- Iäums-)Landeskonferenz entsprechend vorzubereiten. Herr Dr. Korngrün besucht von den Provinzstädten vorläufig nur Preßburg in Oberungarn und Temesvär in Südungarn. Da wir sein Versprechen haben, im Herbst sechs Wochen in Ungarn zu reisen, wollen wir hoffen, daß es ihm auch in den Provinzstädten gelingen wird, die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit der Zionisten zu entflammen und diese zur Zeichnung von ständigen Jahresbeiträgen zu bewegen, da nur dadurch unser Landesparteisekretariat und damit der Fortschritt unserer Bewegung in Ungarn gesichert werden kann. Als Parteisekretär ist unser altbewährter Gg. Dr. Josef Schönfeld ausersehen, welcher seit zwei Monaten auch als Redakteur der „Zsidö Szemle" zeichnet. Herzlfeier Der „Budapester Zionistenverein Dr. Theodor Herzl" ehrte am 4. Juli das Andenken unseres Führers durch eine würdige Gedenkfeier. Der Festsaal der Kultusgemeinde, in welchem die Feier stattfand, war gut besucht, der Eindruck, welchen die Feier auf die zum Teil aus Nichtzionisten bestehenden Zuhörer machte, war ein erhebender. Der Präsident der Budapester zionistischen Vereinigung, Herr Rechtsanwalt Dr. Leopold Ostern, eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache. Der Oberkantor der Kultusgemeinde, Prof. Lazarus, rezitierte in künstlerisch ergreifender Weise das ,,E1 mole rachamim". Rabbiner Dr. Emanuel Liebermann hielt die Gedenkrede. Nach ihm ergriff der Sekretär des E. A. C., Herr Dr. Philipp Korngrün, das Wort. In seiner gewinnenden Art sprach er über die Persönlichkeit Herzls, was er uns schuf, was wir seinem Andenken schulden. Die formell wie inhaltlich gleich ausgezeichnete Rede übte auf das Auditorium einen tiefen Eindruck aus. Es war dies zum erstenmal, daß wir bei einer Herzlfeier einen Vertreter des E. A. C. in unserer Mitte begrüßen konnten. Es geschah ferner auch zum ersten Male, daß diese Feier im Festsaale der Kultusgemeinde stattfand, welcher uns vom Gemeindesekretariate in liebenswürdiger Weise überlassen wurde. Türkei Herzlfeier in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) Vorigen Sonnabend fand im Klublokal des „Maccabi" eine zahlreich besuchte Herzl-Gedenkfeier statt. Herr Aron Pardo hielt eine Gedenkrede, und erklärte, daß die Ideen Herzls sich unter der jüngeren Generation immer mehr ausbreiten. Herr Joseph Usiel Redakteur der Zeitung „Avenir", sprach in begeisternder Weise über Herzls Werk. Herr Abraham Rec a n a t i beklagte den Mangel an Idealismus unter der jüdischen Jugend Salonikis, und wünschte, daß der Geist Herzls diese Jugend beseelen möchte. Die würdige Feier machte auf alle Anwesenden tiefen Eindruck. Eine Aufführung von „Uriel Acosta" in hebräischer Sprache Die Homeler Ortsgruppe der Gesellschaft „Chobebe Sephath Eber" veranstaltete dieser Tage unter Mitwirkung der Lodzer hebräischen Liebhaberbühne eine Aufführung von Gutzkows „Uriel Acosta" in hebräischer Sprache. Die Autführung fand im Stadttheater vor ausverkauftem Hause statt. Es herrschte ungeheure Begeisterung, und das Publikum konnte sich an Ovationen und Hervorrufen der Darsteller nicht genug tun. Es ist beabsichtigt, die Aufführung hebräischer Dramen durch künstlerisch geschulte Kräfte zu einer dauernden Einrichtung in Hornel zu machen. Der dortige hebräische Sprachverein hat auf den Namen der Mitglieder der Lodzei hebräischen Liebhaberbühne eine größere Anzahl Von Oelbäumen im Herzlwald gestiftet. Am 13. Juli fand auch in Wilna eine hebräische Aufführung von Uriel Acosta" im Philharmoniesaale durch die selben Darsteller statt. Ein Gewissenszwang gegen jüdische Arbeiter Große Empörung hat in Warschau das Vorgehen einiger jüdischer Fabrikbesitzer hervorgerufen. In den großen Schuhfabriken Warschaus, deren Eigentümer Juden sind, werden christliche und jüdische Arbeiter beschäftigt. Bisher feierten nun die christlichen Arbeiter am Sonntag und die jüdischen am

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