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Die Welt · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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DIE3q£ELT: Nr. 28 850 Rasse nur sei schaffensfähig, und die modernen Völker werden in ihre Grundelemente chemisch zerlegt. An anderen Stellen wird an der Hand eines reichen historischen Materials die Behauptung auf ihr Nichts zurückgeführt, der Kontakt der europäischen Völker mit den Semiten und speziell mit den Juden hätte immer destruktiv gewirkt. Der Autor zwingt sich zum objektiven Ton — es geht nicht. Den leichtfertig übermütigen Behauptungen ä la Chamberlain entgegen klingt es wie eine Kriegserklärung. „Das Betonen des Ariertums in der europäischen Kultur ist sinnlos. Die europäische Kultur ist eine komplizierte, vielrassige Zusammensetzung wie die Bevölkerung Europas/' „Die Sprache bedeutet nichts." „Nicht der Feder und dem Meißel, den Gedankenblitzen und Gefühlsströmen, sondern dem Schwerte und der Lanze, der wilden Energie und Urroheit verdanken die Sprachen ihre Herrschaft/' „Ein Unsinn ist die Unterscheidung zwischen Europa und Asien." „So oft Europa mit den Semiten in Berührung kam, ging ein belebender Strom durch die europäischen Völker. Das semitische Element war stets das Stimulans, das die schlafenden Keime zu sonnigem Schaffen erweckte." „Das destruktive Wesen des jüdischen Elementes ist eine konventionelle Lüge." Die Menge der historischen Beweise rüttelt gerade an den von der Chamberlainschen Schule verherrlichten Epochen. Vielleicht beweisen beide nichts. Aus dem Munde des Engländers spricht aber der auf die Schwert- und Geldkraft pochende Beherrscher der Schwächeren, der zur faktischen Macht noch die scheinheilige Theorie zynisch erfindet, der Jude verteidigt das Recht des Verhöhnten und Bedrückten. Die Uebertreibungen sind beim ersten eitel Uebermut, beim zweiten berechtigte Notwehr. Der Engländer endigt mit Ausrottung, der Jude mit den Worten Paulus': ,,Einst wird kommen die Zeit, wo es keine Griechen geben wird, keine Juden, Skythen und Barbaren." Es iot ein gutes Buch, und soll durch seine Uebertragung vom Untergang bewahrt werden. Dr. Philipp Korngrün. * J. Münz, Moses ben Maimon (Maimonides). Sein Leben und «seine Werke. 1912. J. Kauffmann, Frankfurt a. M. Trotzdem vielfach die Religionsphilosophie, Ethik, Psychologie, Erkenntnistheorie, ferner die Halacha und Bibelexegese des Maimonides eingehend behandelt worden sind, trotzdem auch verschiedene Abhandlungen und Aufsätze über das Leben und Wirken Maimunis erschienen sind, fehlte es bisher an einer umfassenden Darstellung des ganzen Bildes der Persönlichkeit und des Charakters, des Denkens und Schaffens dieses großen Lehrers in Israel, an einer erschöpfenden Maimonidcs-Biographie. Das war eine tatsächliche Lücke in unserer Literatur, und es sei gleich von vornherein gesagt, daß Münz mit großem Geschick und mit gediegener Wissenschaftlichkeit dieses Bedürfnis befriedigt hat. In kurzen Strichen werden wir in der Einleitung mit den Zuständen der Geburtsstätte (Spanien) des M. zu Anfang des 12. Jahrhunderts bekannt gemacht, um Verständnis zu gewinnen für die äußeren LebenssclikJvsale des M. und die Art seiner ersten Wirksamkeit. Wir sehen den jungen Maimonides heranwachsen unter dem Einflüsse jüdischen und weltlichen Wissens, wie wenige seiner Zeit. Vermöge seiner phänomenalen geistigen Begabung ist er befähigt, in gleicher Weise beiden Seiten des Lebens gerecht zu werden, ohne auch nur die leiseste Spur jener Oberflächlichkeit aufzuweisen, die sonst bei solch vielseitigem Interesse fast unvermeidlich ist. Maimonides hat frühzeitig jene tiefe erste Konzentration in sich vollzogen, aus der heraus er alle Fragen des Lebens sicher und fest umrissen durchdachte — so war ihm kein Problem, das an ihn herantrat, neu; er war imstande, sich sofort und gründlich damit auseinanderzusetzen. Es ist mehr gewesen als nur „in sich selber den Zwiespalt auszugleichen, wie er ihn ausglich, aussprach und damit Führer ward für alle in gleichem Kampfe Begriffenen". (Hirsch, IQ Briefe, IS. Brief, S. 97 ff.) Es ist jene sieghafte Intuition, wie sie nur wenigen Sterblichen vergönnt ist — und so erscheint uns Maimonides, trotz aller Versuche, ihn „zwiespältig" zu zeichnen oder gar nach der Weise der Scholastik als den Mann der „doppelten Wahrheit", als eine Persönlichkeit von fast beispielloser Geschlossenheit und Einheitlichkeit. Freilich ist er beeinflußt von „fremden" Kulturelementen; er hat sie aber organisch seinem jüdischen Bewußtsein assimiliert, das jüdische Denken und Fühlen war ihm das Medium für die Aufnahme aller Kultur. Das ist wahre innere Harmonie eines Juden. Mochte sich das Weltbild im Laufe der Zeiten wandeln, so galt es nur, dem Rechnung zu tragen und neue Apperzeptionen zu vollziehen. Unverrückbar blieb ihm aber der Lehrinhalt des Judentums. In diesem Sinne behandelt Münz den Mischnah-Kommentar, die Mischne-Thora und den More-Nebuchim. (2.-5. Kapitel.) Mustergültig ist die Klarheit, mit der Münz die schwierigsten Probleme darzustellen versteht, so daß sie sowohl dem „Wissenden" als auch dem „Lernenden" Nutzen bringen. Die Kunst der Popularisierung („das Zerschlagen der ,großen Münze4' in Kleingeld") ist dem Buche durchweg eigen, ohne daß es dadurch etwas an Wissenschaftlichkeit einbüßt. Mit der größten Akribie ist bei jedem Problem die gesamte Literatur angeführt. Das 6. Kapitel behandelt Maimonides als Arzt und medizinischen Schriftsteller. Mit einem Gefühle tiefer Ergriffenheit erfüllt uns das letzte Kapitel, das den Charakter, das Familienleben und den Heimgang des Meisters behandelt. Es ist nicht möglich, in einer kurzen Anzeige Einzelfragen des Buches einer näheren kritischen Besprechung zu unterziehen. Zum Schlüsse soll nur das eine noch betont werden: Der Verfasser hat sich freigehalten von unangebrachtem Ueberschwang und von jeder einseitigen Tendenz. Er hat uns Maimonides rein objektiv als den großen Denker und Juden in vollendeter Harmonie dargestellt. Wir wünschen dem Buche schon um deswillen weiteste Verbreitung, damit unsere Jungen und Alten angeregt werden, unsern „Rambam" selbst wieder zu lesen und nebenbei auch sein klassisches Hebräisch in sich aufzunehmen — wie ja auch ganz „Moderne" sich an seinem Stile und an seiner Methode gebildet haben. Nürnberg. Dr. J. Bamberger. * Yiddish Dictionary. Contaiming all the Hebrew and Caldaic Elements of the Yiddish Language, illustrated with proverbs and idiomatic expressions. Compiled by Dr. C. D. Spivak and Sol. Bloomgarden (Yehoash). Frankfurt a. M., Verlag von J. Kauffmann. Preis in eleg. Hlbfrzb. M. 10.50. (Jargon.) Dieses 340 Oktavseiten starke Wörterbuch enthält eine erschöpfende Zusammenstellung der hebräischen und aramäischen Bestandteile der jüdisch-deutschen Volkssprache mit genauen sprachlichen und sachlichen Erklärungen. Bekanntlich hat das jüdische Volksidiom (der sogenannte Jargon) die Bezeichnung für fast sämtliche abstrakten Begriffe dem Hebräischen und Rabbinischen entlehnt. Dies gilt nicht etwa blob für alle mit dem religiösen Leben irgendwie verknüpften Vorstellungen, vielmehr umfaßt das hebräische Sprachgut des Jüdisch-Deutschen, wie gesagt, nahezu den gesamten nicht rein gegenständlichen und alltäglichen Gedankenkreis. Die gleiche Erscheinung begegnet uns übrigens auch bei den andern jüdischen Volkssprachen, namentlich bei dem Spaniolischen oder Ladiino. Die sprichwörtlichen und scherzhaften Redensarten des Jüdisch-Deutschen sind gleichfalls größtenteils rein hebräisch. Selbstverständlich erleiden viele hebräische Wörter im Jüdisch-Deutschen formale Veränderungen, zum Teil auch Bedeutungswandlungen. Die hebräischen Zeitwörter z. B. erhalten im Infinitiv und Partizip deutsche, bzw. deutsch-slavische Endungen. All dies wird im Vorwort und in der Einleitung zum vorliegenden Wörterbuch ausführlich dargelegt. Zu den Arbeiten von Qerzon, Landau, R. Loewe, Wiener u. a., die den deutschen Grundbestand und die slavischen Elemente des Jüdisch-Deutschen untersuchen, tritt nun als willkommene Ergänzung diese lexikalische Zusammenfassung der hebräischen Wörter und Redensarten des „Jargons" hinzu. Die beiden Herausgeber haben sich damit ein großes Verdienst um die Erforschung unseres Volksidioms erworben und eine wertvolle Vorarbeit für ein vollständiges Wörterbuch des Jüdisch-Deutschen geleistet. Die Ausstattung 'des in Amerika gedruckten Buc'hes ist in jeder Beziehung gediegen. Als Anhang ist dem Wörterbuche ein Verzeichnis der gebräuchlichen hebräischen Vor- und Familiennamen, sowie der verbreitesten hebräischen Bezeichnungen jüdischer Wohltätigkeitsvereine, Wohlfahrtsanstalten

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