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Die Welt · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 28 DIE5&ELT 851 usw. (beigegeben. Das Wörterbuch selbst besteht aus zwei Teilen, deren erster die in der Volkssprache häufig gebrauchten Wörter und Redewendungen enthält, während der zweite Teil ein Verzeichnis der selteneren, meist der talmudischen Literatur entnommenen Sprichwörter, Sentenzen, termini technici usw. bietet. Das Wörterbuch kann allen denen, die sich für die Umgangssprache des zahlreichsten und für unsere nationale Zukunft bedeutungsvollsten jüdischen Volksteils interessieren, bestens empfohlen werden. * M. Z. Die Geistesreligion und das jüdische Religionsgesetz. Ein Beitrag zur Erneuerung des Judentums. Von Dr. Ignaz Z i e g 1 e r , Rabbiner in Karlsbad. Mit einem Geleitwort von Rudolf Eucken. Berlin. Verlag von Georg Reimer. 1912. Die jüdische Religionsphilosophie der Gegenwart ist an zwei großen deutschen Philosophen orientiert, an Hermann Cohen und an Rudolf Eucken. Um Hermann Cohen bewegen sich diejenigen jungen Rabbiner, die sich noch heute an Abraham Geiger laben. Es sind zumeist Leute, die etwas beweisen wollen, was nicht zu beweisen ist. Die Reduktion des Judentums auf eine Konfession war und ist der schlechteste Witz des Jahrhunderts. Was noch heute „junge" Reformrabbiner über das Judentum und seine Lehre und über die Bestimmung des Judentums zu sagen haben, ist verdünnter Cohenianismus in homiletischer Gestalt. Dieser Kategorie von jüdischen Religionsphilosophen steht eine andere gegenüber, die sich, wie gesagt, an Eucken orientiert: Die Ultraorthodoxen und — o Ironie des Schicksals — diejenigen, die das Judentum suchen, die seinen Inhalt bestimmen wollen, die mit der Vergangenheit teilweise gebrochen haben und noch keine Zukunft vor sich sehen. Zu der ersten Sorte muß der ungewöhnlich begabte Führer der Frankfurter Orthodoxen, Jacob Rosenheim, gezählt werden, zur zweiten Sorte gehört unzweifelhaft der Verfasser des vorliegenden Buches, Herr Rabbiner Dr. Ziegler in Karlsbad. Das kleine Büchlein, obgleich nur 156 .Seiten stark, ist in einem bestimmten Sinne sehr belehrend, es ist ein interessantes Dokument des jüdischen Zeitgeistes. Rudolf Eucken hat das Büchlein mit einem Geleitwort versehen und Ludwig Blau, der Budapester jüdische Gelehrte, hat es mit einem Nachwort bedacht. Was zwischen diesem Vor- und Nachwort zu lesen ist, kann allerdings weder als neu noch als geistreich gelten, ist aber trotzdem interessant. Hier sehen wir einen Sucher am Werk, einen modernen Juden, der begreift, daß die volle Bewahrung und Betätigung der jüdischen Religion, wie sie im Ghetto noch heute anzutreffen ist, unter den modernen Kultur- und Lebensverhältnissen von Westeuropa im allgemeinen an Unmöglichkeit grenzt. Andererseits ist die „Europäisierung" der jüdischen Religion oder vielmehr ihre Christianisierung, wie sie unsere konfusen Reformapostel herbeisehnen, noch weniger möglich. Zwischen diesen zwei Extremen sucht der Verfasser einen Mittelweg zu finden. Ein sehr schweres Unterfangen. „Recht" behalten nur die Extreme, so ist nun einmal die moralische Weltordnung. Aus diesem Grunde allein schon ist es nicht leicht, über Dr. Zieglers Buch ein Urteil zu fällen. Gewiß, seine Gesinnung ist edel und seine Absicht gut, aber um ein neues System im Judentum zu schaffen, darf man kein Mann der mittleren Linie sein, sondern man muß radikal vorgehen. Da aber der Verfasser sagt: „Mein Buch sei ein Versuch, dasselbe zu erreichen, was S. R. Hirsch erreichen gewollt hat, nur auf entgegengesetztem Wege," also selbst etwas Systematisches zu schaffen beabsichtigt, so muß ihm nahegelegt werden, daß er mit Konzessionen nach beiden Richtungen hin sein Ziel kaum erreichen wird. System heißt Einseitigkeit, und die mittlere Richtung hat überhaupt kein System, weil sie eben nicht einseitig ist. Wenn der Verfasser z. ß. das historische Judentum erhalten, die Tradition retten will und zu gleicher Zeit, bekundet, daß er dies nur tun könne, wenn er das „Unwesentliche" weglasse, so wird er damit keiner Partei gerecht, auch selbst derjenigen nicht, die sich zu keiner bestimmten Richtung bekennt. Wer soll denn entscheiden, was wesentlich und was unwesentlich ist? Für den Reformjuden ist alles unwesentlich, für den orthodoxen Juden ist jedes Jota wesentlich, und die Parteilosen gehen ihren Geschäften nach, halten aus Pietät Jahrzeit und kümmern sich um alles 'andere überhaupt nicht. Weder brauchen noch wollen sie ein System. „Geistesreligion" ist ein modernes Schlagwort, und wenn man will — ein Schwindel. Die Religion ist das Verhältnis des einzelnen zum UebersinnliChen, zu seinem Gotte. Der jüdisdhe Genius hat diesem Verhältnis eine eigenartige Form gegeben: das Gesetz. Das Judentum ist keine Philosophie, sondern ein System von Gesetzen, die alle Verhältnisse und Beziehungen des Menschen, nicht nur zu Gott, sondern auch zum Nächsten, zum Staat usw. umfassen. Solange die Juden ihren Staat hatten, hatte dieses Gesetz seine Stütze an dem Staat und war zeitweise das Gesetz. Heute ist das jüdische Gesetz nur ein moralisches, weil keine Macht da ist, seine Verwirklichung zu erzwingen. Wer zum jüdischen Volke hält und an seine Zukunft glaubt, hält auch an der jüdischen Tradition fest. Wer aber das jüdische Volk für tot erklärt (unser Verfasser tut es nicht), für den gibt es auch kein jüdisches Gesetz mehr, denn der Träger des jüdischen Gesetzes ist ja nur das jüdische Volk. Ein judenloses Judentum ist ein Unding, eine Gaukelei. Und wer das religiöse Leben der Juden heben will, der muß ihnen dazu verhelfen, gemäß dem jüdischen Gesetz leben zu können. Das ist aber nur in dem jüdischen Gemeinwesen in Palästina möglich. Wenn eine Unterscheidung zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem überhaupt denkbar ist, so wird sie sich eben nur in Palästina unter den Bedingungen eines normalen jüdischen Volkslebens gewissermaßen von selbst ergeben. Reine jüdische Religion kann es im Golus überhaupt nicht, sondern nur in einem reinen jüdischen Leben geben. London. Dr. S. M. M e 1 a rn e d. * Neue jüdische Musikalien. 1. Beliebte Melodien aus der jüdischen Operette „Die Tochter Jerusalems", für Piano zu zwei Händen. Komponiert von' Ch. Wolfsthai, Verlag M. Landau in Czernowitz. — 2. Jüdischer Tanz, für Piano zu zwei Händen, Violine (ad lib.). Komponiert von Ch. Wolfsthal. Verlag M. Landau, Czernowitz. Die Melodien aus der Operette „Die Tochter Jerusalems" sind im Volkston gehalten, sehr leicht faßbar und sangbar, was bei einer Operette ein großer Vorzug ist. Dieselben bekunden auch durchweg den spezifisch jüdischen Charakter. Ich betone das, weil die meisten jüdischen Komponisten den jüdischen Volkston nicht treffen, sobald sie in „Dur" schreiben. Herr Wolfsthal aber versteht es auch in dieser Tonart das spezifisch Jüdische zu bewahren. Die Harmonik des Herrn W. ist leider sehr arm. Erst zu Ende des dritten Teiles beginnt sie ein wenig belebter zu werden. Herr W. besitzt im allgemeinen Formsinn, wenn auch verschiedene Stellen in der vorliegenden Komposition nicht ganz "korrekt sind. So z. B. Seite 3, Takt 30, sowie Seite 5, Takt 10. An beiden Stellen fehlt je 1 Takt. Die „Coda" dagegen ist etwas zu lang. Die zweite Komposition bleibt, hinsichtlich der Melodik, wie auch bezüglich der Verarbeitung, weit hinter der ersten zurück. Aber auch diese Piece kann man als spezifisch jüdisch bezeichnen. Die für die Violine bestimmte Zeile hätte man gut sparen können, da das Violinpart genau dasselbe ist, wie das der rechten Hand des Klavierparts. Nicht einmal die Striche sind geändert. Der Klaviersatz könnte interessanter sein, ohne die Leichtigkeit einbüßen zu müssen. Kopenhagen. Jacob Beimel. Schluß des redaktionellen Teiles KONFITÜREN S-i PACKUNG für Pralines, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N—V Milch Nu8S Vanille Die Drei Neuen Edelschokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Sächs. Staatspreis

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