Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 28 ■■ DIE3 laß die Aerzte, die hier ihre medizinische Ausbildung erlielten, auf einer bedeutend niedrigeren wissenschaftlichen ^tufe stehen würden, als ihre europäischen Kollegen, und dies ann ja nur Schaden stiften, sowohl in wissenschaftlicher, vie auch in nationaler Hinsicht. Außerdem werden unsere invollkommen ausgebildeten Aerzte nicht imstande sein, mit hren europäischen Kollegen auf dem Gebiete der praktischen 1 :dizin zu konkurrieren. Es ist auch darauf hinzuweisen, daß infolge der Unbildung der Bevölkerung und der sehr schlechten Verbindungen im Lande unsere Kliniken schwerlich über eine genügende Anzahl verschiedenartiger Patienten verfügen werden, und dieser Mangel wird ebenfalls die wissenschaftliche Vorbereitung unserer Aerzte sehr beeinträchtigen. Wenn also die J. J. M. G. die Gründung einer medizinischen Fakultät in Palästina zurzeit für unmöglich hält, so betrachtet sie es als ihre Pflicht, auf eine andere medizinische Institution innzuweisen, deren Gründung in Palästina durchaus notwendig und für die Verewigung des Andenkens des Professors Mandel- >tamm am besten geeignet ist. Eine solche Institution wäre nämlich ein jüdisches Augenkranke.n haus. Die Zahl der Augenkranken in Palästina, die eine klinische Behandlung nötig haben, ist sehr beträchtlich, und dieser Not wird fast gar nicht abgeholfen. Viele Patienten müssen in solchem Falle nach Europa gehen, die meisten sind aber absolut nicht imstande, das zu tun. . Die Einrichtung eines lauten Augenkrankenhauses in Jerusalem würde eine wahre Wohltat für die Bevölkerung sein und zugleich das passendste Denkmal für Professor Mandelstamm, der seine lebenslange medizinische Tätigkeit den Augenkranken gewidmet hat. Wenn inst die Zeit für die Eröffnung einer medizinischen Fakultät gekommen sein wird, so dürfte sich das Augenkrankenhaus eicht in eine Universitäts-Augenklinik verwandeln lassen, wo He künftigen Augenärzte ihre praktische Bildung erwerben verden/1 Beachtenswerte Meinungsäußerungen palästinensischer \erzte zum Projekte des Herrn Dr. Bendersky sind auch in lern nachfolgenden Berichte enthalten, der uns von unserem jaffacr Korrespondenten zugeht: Das Projekt des Herrn Dr. Bendersky in Kiew, zum Anlenken an Prof. Max Mandelstamm eine medizinische Fakultät in Palästina zu gründen, beschäftigt noch fortgesetzt die nationaljüdische Presse in Rußland. Es wäre nun wohl ■'in Wunder, wenn die zunächst Berufenen, die Aerzte Paästinas, zu dieser Frage keine Stellung nehmen würden. Tatsächlich hat sich nun die jüdisch-medizinische Gesellschaft n Jaffa gedrängt gefühlt, ihre Stellung zu diesem Projekte öffentlich zu präzisieren. (Siehe oben.) Es wird in dieser Erklärung ohne weiteres zugegeben, daß eine medizinische Fakultät viel Segen verbreiten würde — wenn sie zustande käme. Die Möglichkeit des Zustandekommens wird jedoch in Abrede gestellt, und es wird daher angeregt, vorläufig eine Augenklinik zu errichten, was ebenso notwendig ist, wie es im Bereiche der Möglichkeit liegt und als würdigste Ehrung Manuelstamms, des hervorragenden Augenarztes, gelten könnte. Bei dem großen Interesse, das das Aufrollen dieser Frage allenthalben wachgerufen hat, hielt ich es für wünschenswert, auch die Ansichten der nicht in Jaffa wohnenden und wirkenden jüdischen Aerzte zu hören. Ich stellte folgende Fragen: 1. Ist es notwendig, in Palästina eine medizinische Fakultät zu errichten? 2. Besteht die materielle Möglichkeit, diesen Vorschlag zu realisieren? 3. Ist zu hoffen, daß die Regierung die Genehmigung hierzu erteilen wird? [ELT =— 843 4. Werden sich geeignete Gelehrte finden, die das Lehramt übernehmen wollen und in hebräischer Sprache unterrichten werden? 5 Ist J e r u s a 1 e m die geeignete Stadt dafür oder kommt eher eine andere Stadt in Betracht? Im folgenden bringe ich die Antworten dieser Aerzte, von denen ein jeder das Thema von einer anderen Seite behandelt: Dr. Moscowitz, früheres Mitglied des A. C. in Rumänien und jetzt in der Kolonie Rechoboth als Arzt praktizierend, ist mit Dr. Bendersky, dem Initiator des Projektes, völlig einverstanden. Er schreibt: „In Anbetracht der Wichtigkeit der Sache erlaube ich mir, auf Ihre Anfrage, betreffend die Gründung einer jüdischen Fakultät in Palästina, soweit meine Kompetenz reicht, folgendes zu antworten : 1. Ich halte die Errichtung einer jüdischen medizinischen Fakultät in Palästina für durchaus dringend. Vor allem deshalb, weil es eine große Anzahl jüdischer junger Leute gibt, die infolge bestehender Erschwerungen am Studium ganz gehindert sind. Aber auch für diejenigen, die nicht direkt am Studium gehindert sind, ist die Ausbildung zu tüchtigen praktischen Aerzten wesentlich erschwert. So z. B. können in Rumänien jüdische Studenten das sog. „Internat", d. h. den inneren Spitalsdienst kaum mehr erlangen. In Oesterreich gibt es viele Kliniken, die „judenrein" sind, d. h. Juden werden als Operateure usw. nicht aufgenommen. In manchen anderen Ländern gibt es auch ähnliche Beschränkungen. Auf diese Art wird es einem Juden anfangs schwer, den Kampf mit nichtjüdischen Kollegen aufzunehmen. Wie schwer ist es aber erst für Juden, ein Lehramt an einer medizinischen Fakultät zu erlangen. In Rumänien und Rußland ist dies ausgeschlossen. In Oesterreich außerordentlich erschwert, ebenso in anderen Ländern. Der Jude muß entweder auf das Lehramt verzichten, oder aber ein großes Opfer des Intellekts bringen, und das jüdische Volk verlassen. Tut er das erste, dann ist seine wissenschaftliche Entwicklung wesentlich gehemmt, da es viel schwerer ist, als Privatmann gerade auf dem Gebiete der Medizin Fortschritte zu erzielen, als ausgestattet mit allen wissenschaftlichen Behelfen großer und reicher Lehranstalten und dem Nimbus der offiziellen Vertretung der Wissenschaft. Tut er das zweite, dann verlieren wir oft große und gute Söhne unseres Volkes. Vor allem aber dürfen wir nicht vergessen, daß die Juden zu allen Zeiten auf dem Gebiete der Medizin Hervorragendes geleistet, und dies ist bis auf den heutigen Tag der Fall. Es ist schwer, Namen aufzuzählen. Begnügen wir uns mit zwei der alleraktuellsten : Ehrlich und v. Wassermann. Aber die größte wissenschaftliche Tat eines Juden nützt dem jüdischen Volke heute nichts. Was die Söhne unseres Volkes schaffen, kommt unter fremdem Namen in die Geschichte. Wir gehen dabei leer aus. Soll nun das jüdische Volk auch den ihm gebührenden Platz .auf dem Gebiete der medizinischen Wissenschaft einnehmen, dann müssen wir eine jüdische medizinische Fakultät haben, wo Studenten und Gelehrte sich unbehindert durch die schwere Kette, die die Zugehörigkeit zum jüdischen Volke heute für sie bedeutet, frei entwickeln können, zum Ruhme des ganzen jüdischen Volkes. Ich betrachte also aus allen diesen Gründen die Errichtung einer jüdischen medizinischen Fakultät für eine Ehrenpflicht des jüdischen Volkes. Nebenbei gesagt, gilt dies auch für andere Fakultäten. 2. In bezug auf die Möglichkeit der Beschaffung der nötigen Mittel bin ich sehr optimistisch. Ich zweifle nicht einen Augenblick daran, daß wir für ein solches Werk die Hilfe unserer Reichen haben werden. Beispiele dafür, daß dieselben für kulturelle Zwecke in Palästina zu gewinnen sind, haben wir ja in der letzten Zeit mehrere gesehen. Was die Schiff und Wisotzky, die Moser und Strauß und andere für andere