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Die Welt · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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842 DlEl^ELT Nr. 28 Zur Frage einer medizinischen Hochschule in Palästina Herr Dr. Bendersky in Kiew bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Mein Vorschlag, Schritte zu unternehmen, um eine Spendensammlung für die Errichtung einer medizinischen Hochschule in Palästinaeinzuleiten, hat, wie vorauszusehen war, in verschiedenen Kreisen Interesse erregt und einen regen Meinungsaustausch hervorgerufen. Es mangelt auch nicht an kritischen Bemerkungen. Die Kritik ist leicht, aber sie geht zuweilen zu weit, und durch den zweifelnden Pessimismus werden viele guten Pläne geschädigt. Man sagt, für die Errichtung einer medizinischen Fakultät seien sehr große Summen erforderlich und die Gelder müßten von schwerreichen Männern kommen und nicht von kleinen Volksspenden. Nun muß man ja freilich viel Geld dazu haben. Der Teufel ist aber nicht so schwarz, wie man ihn malt. In Jerusalem sind viele Krankenhäuser (Schaare-Zedek, Rothschild-Spital u. a.) vorhanden, welche als Kliniken und Polikliniken dienen können. Jetzt sind die Straußschen Spenden zugeflossen, es sind auch kleinere Gelder für das mikrobiologische Institut eingegangen, — wer weiß, welche Ideen unsere Philanthropen noch hegen — wenn man das alles zusammenfassen würde, so wäre der Geldmangel gar nicht so groß, insbesondere, da man vielleicht für den Bau der Auditorien und Laboratorien auf billigen Baugrund Aussicht hätte. Und für die Möglichkeit, Tausende und Hunderttausende zu bekommen, muß der Boden gerade durch kleinere Volksspenden vorbereitet werden. Die Notwendigkeit der Gründung einer medizinischen Hochschule wird doch niemand bestreiten wollen. Es ist wohl schon Zeit, daß wir eine eigene jüdische Hochschule haben, in welche die jüdischen Studenten und Studentinnen ohne Prozentbeschränkungen aufgenommen werden, an welcher die jüdischen Gelehrten als ordentliche Professoren fungieren, und die auf die jüdische und arabisch-muslimische Bevölkerung eine tiefe und ausgiebige kulturelle Wirkung ausüben könnten. Diese Hochschule würde die Juden von der Barmherzigkeit der Missionsärzte und der dominikanischen und franziskanischen Schwestern befreien, sie würde die kläglichen sanitären und hygienischen Zustände der jüdischen Bevölkerung in Palästina verbessern, das Spitalwesen heben, den Bildungsstand der Aerzte fördern usw. usw. Wohin sollen denn die Schüler und die Schülerinnen, welche das Jaffaer Gymnasium, die Tachkemoni- und andere Schulen absolvieren werden und weiter lernen wollen, sich begeben? Zurück in die Diaspora, um sich wieder größeren oder kleineren Goluserniedrigungen zu unterwerfen? Nein! Das wollen auch meine Kritiker nicht, sie wollen aber doch kritisieren. Man fragt: Wie wird es mit den Sektionen sein? Wie wird man mit dem Anatomie-Unterricht verfahren? Die jüdische und die muslimische Bevölkerung wird sich gegen die Sektionen sicherlich wehren. Aber auch das ist nicht so arg. In den beiden Beiruter medizinischen Schulen sind im verflossenen Jahre nur zwei Sektionen ausgeführt worden, wie man mir in Jerusalem erzählt hat. In Amerika sind die Sektionen verboten, und doch liefern uns die Vereinigten Staaten eine ganze Anzahl tüchtiger und gebildeter Aerzte. Der Unterricht wird mittels Abbildungen, Präparaten, Phantomen und dergl. geleitet. Es gibt aber auch eine ganze Bevölkerungsgruppe in Palästina, welche die Religion in der Sektionsfrage nicht bindet. Das sind nämlich die christlichen Araber, deren Leichen für die Sektion in der jüdischen Universität zur Verfügung ständen. Man sagt ferner: Es sind schon andere Dinge angefangen worden. Man muß die älteren Institutionen ausbauen, das mikrobiologische Institut zu Ehren Nordaus ist doch auch noch nicht ins Leben gerufen; es gibt viele wichtigere Fragen usw. Ja, das ist alles sehr richtig. Der Ausbau der älteren Institutionen gerät deswegen ins Stocken, weil man nicht die allgemeinen Kräfte des Volkes vereinigt, weil man auf große Wundergaben rechnet und die kleinen Volksgaben verschmäht. Die ganze Tätigkeit für das Nordausche Institut Ue steht, wie es scheint, darin, daß man wartet, was der odiv. jener große jüdische Gelehrte dem oder jenen großer;., jüdischen Milliardär schreiben wird. Und die Antwort läßt lange auf sich warten . . . Nein, das ist nicht der Weg! Geht zum Volke! Zunächst sind die Gaben nicht so wichtig, wie die Kräftigung des Willens. Ich wende mich durch die zionistische ,,Weltu an alle zionistischen Landsmannschaften, Vereine, einzelnen Zionisten, Nationaljuden, an alle Juden der ganzen Welt, und bitte um brüderliche Mitwirkung und um Spendensammlung für die Errichtung einer jüdischen Hochschule in Palästina." * Anmerkung der Redaktion. Unseres Erachtens ist die Idee des Herrn Dr. Bendersky, so sympathisch sie an sich erscheinen mag, verfrüht. Durch kleine Sammlungen sind die nötigen Beträge nicht aufzubringen und die Verhältnisse in Palästina sprechen ebenfalls gegen das Projekt. Von sachverständiger Seite, nämlich von den jüdischen Aerzten Jaffas, erhalten wir folgende Zuschrift: „In einer Sondersitzung der Jaffaer Jüdischen Medizinischen Gesellschaft wurde der Vorschlag des Herrn Dr. Bendersky, in Jerusalem eine medizinische Fakultät zum Andenken des verstorbenen Professors Mandelstamm zu gründen, eingehend besprochen. Die Frage wurde sowohl vom Standpunkte des allgemeinen Nutzens der erwähnten Institution für unser Land und unsere nationale Arbeit überhaupt, als auch in bezug auf ihre Realisierungsmöglichkeit erörtert. Prinzipiell steht die J. J.M.G. diesem Vorschlag sehr wohlwollend gegenüber. Eine medizinische Fakultät in Palästina würde ja die Entwicklung einer selbständigen jüdischen Medizin Wissenschaft ermöglichen, und uns jüdischnational gesinnte Aerzte (statt Aerzte jüdischen Glaubens) vorbereiten, die für unsere nationale Tätigkeit im Orient von größtem Nutzen sein könnten. Die an die medizinische Fakultät sich anschließenden Institute und Kliniken würden sehr viel zur Gesundung des Landes und der Bevölkerung beitragen, was natürlicherweise unser Ansehen als Träger gemeinnütziger Kulturbestrebungen im Lande sehr erhöhen würde. Die große Bedeutung der Gründung einer jüdischen medizinischen Fakultät unterliegt also keinem Zweifel. Die Frage aber, ob es möglich sein würde, die projektierte Institution auf die gewünschte und nötige wissenschaftliche Höhe zu bringen, erregt viel Bedenken und läßt unüberwindliche Schwierigkeiten voraussehen. Wenn wir sogar von der materiellen Seite absehen und die Annahme gelten lassen, daß die nötigen sehr großen Geldmittel in genügendem Maße zufließen werden (was natürlich zu bezweifeln ist), so bleibt doch noch die wichtige Frage, ob es bei dem jetzigen Zustande unseres Landes möglich sein wird, eine medizinische Fakultät zu gründen, die unserem Wunsclu völlig entspräche. Und auf diese Frage muß die J. J. M. G. leider eine negative Antwort geben. Vor allen Dingen wird es ja unmöglich sein, Leichen herbeizuschaffen, und folglich ist die Möglichkeit ausgeschlossen, solche Grundwissenschaften und Hauptzweige der Medizin, wie Anatomie, pathologische Anatomie und Chirurgie gründlich zu studieren. Daraus ergibt sich,

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