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Die Welt · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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lobt diese Kolonisation, wie man auch die Ito liebt, nicht um ihrer selbst willen, sondern weil man in ihnen einen Abfall vom nationalen Zionismus zu sehen sich bemüht. Samuel baut seine Behauptungen über den Kolonisations- Zionismus auf dem fundamentalen Irrtume auf, daß der Zionismus erst seit gestern sich im heiligen Lande hetätigt. Daß alle Kolonisationsarbeit, alle Kulturarbeit im Lande Israel ausschließlich ein Werk des Zionismus ist, bleibt ihm unbekannt, weil er nichts von der Entstehung, nichts von der Entwicklung der Kolonien überhaupt weiß. Spaßhaft ist es direkt, wenn er schreibt: „Wer sich darüber unterrichten will, was nichtzionistische deutsche Juden daran für einen Anteil haben, der lese die Berichte der „Allianee", des „Hilfsvereins der deutschen Juden" und des „Esra", eines Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, mit dem Sitze in Berlin. Spaßhaft tatsächlich für den, der da weiß, daß es ausschließlich das Werk russischer Nationaljuden war und ist, was bis zum Eingreifen des Nationallonds im Lande Israel in Stadt und Land geschaffen worden ist. Die „Alliance" war ja immer der große Hemmschuh jeglicher praktischen Arbeit im Lande Israel. Sie ist ja die Leiterin und Lenkerin jener Ica, von der Dr. Samuel meint, daß erst ihre Millionen das Werk der Kolonisation „für alle Zeiten sichergestellt haben", jener lea, die Prämien für die Kolonisten aussetzte, die sich entschlössen, nach Australien und Kanada auszuwandern. Neben solchen Behauptungen ist es ganz nebensächlich, wenn Dr. Samuel den Nationalfonds aus Sehekelgeldern erwachsen läßt. (!) Ja, der Zionismus hat sich gemausert, indem er seine Organisation ausbaute und sich Mühe gab, sie mustergültig auszugestalten. Er hat sich gemausert, indem er von der Möglichkeit, die er früher nicht hatte, (Gebrauch macht und den Nationalfonds praktisch arbeiten läßt. Er hat sich gemausert, indem er nicht bloß einen kleinen Kreis von jungen Akademikern und Kaufleuten umschließt, sondern in alle Klassen, in alle Stände und Altersstufen des jüdischen Volkes eingedrungen ist und dementsprechend an Kraft und Selbstgewißheit gewonnen hat. Er hat alle seine jüdischen und politischen Gedanken beibehalten und vermehrt. Er ist aus einer kleinen, aber gesunden und jugendkräftigen Partei zu einer mächtig aufstrebenden Bewegung des ganzen jüdischen Volkes geworden, dem deshalb seine Gegner auch wider Willen folgen müssen. Sein Kern, sein Inhalt ist unverändert. Seine Methode paßt sich der Zeit und den Umständen an. Umgekehrt ist es der Reform-Assimilation ergangen. Sie ist wider ihren Willen von der gewaltigen Lebensbewegung des Judentums, die Zionismus heißt, mitgerissen. Sie ist zwar ein hemmender Ballast auf diesem Wege, aber sie wird mitgeschleift. Ihre Gedanken nähern sich unwillkürlich dem nationalen System, das von der zionistischen Organisation vertreten wird. Aber ihre Methode ist die alte geblieben. Es ist nach wie vor die Methode der Unwissenheit in zionistischen Dingen, die Methode der Aengstlichkeit und der Rücksichten auf das, ,,was aber doch der Goj (pst) dazu sagen wird". Sie ist die Methode, die schon zugibt, daß die praktische Arbeit der Zionisten sich mit Recht mit aller Kraft auf Palästina werfen soll, der aber vor allem daran liegt, daß der Zionismus „g eräuschlos e r" arbeitet. Wir machen gewiß kein unnötiges Geräusch und haben es nie gemacht, aber wir werden nach wie vor die Arbeit nicht scheuen, auch wenn sie gesehen und gehört wird. Denn wir haben nichts, das das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen hätte. Drum weiter in der praktischen Arbeit, die immer die beste Realpolitik ist. Heinrich Loewe ir ..□□□□DD o WELTCHRONIK ==^j Q Go □ □□□□□ II O cv. 'J o Ein christlichsoziales Fluglatt hebräischen Lettern in (Von unserem Berichterstatter.) Wien. In der Parlamentssitzung' vom 5. Juli wies der bukowinensische Abgeordnete Grigorovici ein eigenartiges Dokument vor: Ein christlichsoziales Flugblatt — in hebräischen Lettern. In der erbaulichen Druckschrift, mit welcher die Antisemiten im Drei-Städte-Wahlbezirke der Bukowina während der letzten Reichsratswahlen die jüdischen Wähler „bearbeiteten", heißt es unter anderem: „Liebe Brüder aus den drei Städten! Wir zittern am ganzen Leibe, wenn wir hören, daß ihr für Luzian Brunn e r stimmen wollt . . . Wer kann für uns beim Landespräsidenten, beim Minister, mit Erfolg intervenieren? Nur i" i n Christ! Wenn man uns die Scheiben einschlagen wird, wird Brunner in Wien weilen, und wir werden niemanden haben, der uns vertritt . Wir sind in einem fremd en Lande und dürfen nicht der Regierung zuwiderhandeln, die auf Seite Eduard Hruschkas steht . . Mit solchen Mitteln kämpft die christlichsoziale Partei in Oesterreich gegen die „jüdische Korruption". Gg. Abgeordneter Dr. Strauch er griff in die Dehatte ein, und wies an der Hand des von ihm gesammelten Tatsachenmaterials nach, daß die Judenschaft der Bukowina durch unerhörte Machinationen um ihre Vertretung gebracht wurde. Nur durch Terror und Betrug gelang es, dem Antisemiten Hruschka, der dezidiert erklärt hatte, der christlichsozialen Partei nicht beizutreten und heute im reichsrätlichen christlichsozialen Klub sitzt, das Mandat in einem Wahlkreise zu sichern, der mehr als 42 °/o jüdischer Wählerschaft zählt. Das judenfeindliche Parlament verifizierte gleichwohl die Wahl Hruschkas. Die russische Paßfrage im österreichischen Parlamente Bekanntlich dürfen ausländische Juden, sofern sie nicht Inhaber oder Vertreter protokollierter Firmen sind, in Rußland nicht reisen, wenn sie nicht das Paß vis um erhalten, das nur mit besonderer Bewilligung des russischen Ministers des Innern erteilt wird. In einzelnen Landesteilen ist ihnen der Aufenthalt überhaupt verboten, und Fristerstreckungen über die Maximalaufenthaltsdauer von sechs Monaten sind nur äußerst schwer zu erzielen. In einer Interpellation an den Minister des Aeußern wies Abgeordneter Dr. Straucher darauf hin, daß die nordamerikanische Republik das Zustandekommen ihres neuen Handels-

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