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Die Welt · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 27 DIEÄELT 819 brachten Projekten an. Herr Glaser schloß seinen Vortrag: „Wer mit einigem Kapital nach Palästina kommt und Ausdauer hat, kann des Erfolges, besonders in der Landwirtschaft, sicher sein. In Böhmen läßt sich nicht soviel verdienen wie dort. Palästina könnte unschwer sechs Millionen Juden ernähren, aber es muß das Geld aufgebracht werden, um das Land zuerst produktiv zu machen. Das Land ist überall ausgezeichnet, wenn es nur bewässert wird." Besonders Erfreuliches berichtete der Vortragende über den Geist und die Disziplin, die in der Siedlungsgenossensch a f t von Merchawjah herrschen. Es wäre zu wünschen, daß die Erfahrungen, die Herr Glaser in Palästina gesammelt hat, Kreise, die bisher der Palästinaarbeit ablehnend oder zuwartend gegenübergestanden sind, zu tatkräftiger Unterstützung der zionistischen Unternehmungen veranlassen könnten. Gute Ratschläge sind diesen sicher sehr wertvoll. Besonders aber, wenn sie mit energischer Propaganda für die materielle Kräftigung der Institute und Unternehmungen in Palästina verbunden sind, die nicht ihren Zweck voll erreichen können, solange sie nicht mit genügendem Betriebskapital arbeiten. Herzltag in Sfanislau (Von unserem Berichterstatter.) S t a n i s 1 a u. In besonders würdiger Weise feierten die Stanislauer Zionisten den Todestag unseres Führers. Sonntag, den 30. Juni, war bei uns Herzltag. Die Fenster der jüdischen Häuser waren mit den Herzl-Illuminationskarten dekoriert, von denen das hiesige Komitee zur Herzlfeier achttausend Stück abgesetzt hatte. Um 11 Uhr vormittags versammelte sich eine vieltausendköpfige Menge in der städtischen Synagoge zu einer Trauerandacht. Herr Redakteur Glücksmann aus Lemberg schilderte in meisterhafter Weise die Bedeutung Theodor Herzls f~ür das Judentum. Nach dem Trauergottesdienst vereinigten sich die Teilnehmer — Bürger, Studenten, Turner, Schüler — zu einem imposante Zug von mehreren tausend Köpfen, der die Hauptstraßen der Stadt passierte. Um 2 Uhr nachmittags erreichte die Spitze des Zuges den großen Hofraum des Vereins ,,Erez Israel". Der Zug formierte sich im Halbkreis. Auf dem Balkon des Hauses erschien der Obmann des Komitees, Redakteur Ben-Zion Fett. In beredten Worten schilderte er die Bedeutung des Tages für die Entwicklung der zionistischen Bewegung in unserer Stadt und appellierte an die Anwesenden, die Ideen Herzls weiter in die breiten Volksmassen hinauszutragen, bis einst die Freiheit des Volkes erkämpft wird. Gg. stud. jur. Erdtracht sprach über die Bedeutung Herzls für die Jugend. Unter Absingung der „Hatikwah" schloß die erhebende Feier. In der Synagoge wie auch in den Straßen wurde eifrig für den Herzfwald gesammelt. Ein jeder trug sein Scherflein zur großen Sache bei. England Manchester. Der Mount Horeb Beacon, Nr. 9, Order of Ancient Maccabeans, veranstaltete am 23. Juni eine Versammlung, in der Br. J. Jacobson zum Sekretär gewählt und der Konventionsbericht angenommen wurde. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt 150. Der Orden hielt am darauffolgenden Tage eine öffentliche Versammlung, um einen jüdischen Frauen-Zweigverein zu begründen. Ueber 200 Mitglieder schlössen sich an, und ein Propaganda-Komitee wurde gewählt. Leeds. Am 23., 24. und 25. Juni fand hier die Palästina-Ausstellung mit Bazar zur Unterstützung der Bezalel- und der Evelina de Rothschild-Schule statt. Am ersten Tage wurde die Ausstellung von Professor Boris Schatz eröffnet. Vorsitzender war Rev. M. Abrahams, welcher über die Entwicklung der Bezalelschule und die kunstgewerblichen Arbeiten der Juden in alter Zeit sprach. Ueber die Tätigkeit der Bezalel-Schule hatte Professor Schatz am 20. Juni vor einer sehr großen Zuhörerschaft gesprochen. Er gab einen genauen Bericht über die Entwicklung des Instituts. Sonnabend, den 22. Juni, hielt Rev. M. A b r a Ii a in s eine spezielle Propaganda-Predigt zugunsten der Ausstellung. Die Hebrew Literary and Zionist Society eröffnete vor kurzem unentgeltliche Abendkurse zur Erlernung der hebräischen Sprache, die zweimal wöchentlich stattfinden. Unter den bereits in großer Zahl angemeldeten Teilnehmern befinden sich mehrere Studenten der Universität Leeds. Liverpool. Die Halbjahrsversammlung der Ladies' Zionist Association fand am 23. Juni unter dem Vorsitz von Mrs. S. I. Lev y statt. Der Halbjahres- und Kassenbericht wurden genehmigt. Bradford. Rev. I. Livingstone machte am 22. Juni die bald darauf in Leeds stattfindende Palästina-Ausstellung zum Gegenstand seiner Predigt, indem er auf die Worte der Weisen hinwies, daß es herrlich sei, wenn das Studium der Thora mit weltlicher Arbeit Hand in Hand gehe. Diese Worte fänden in der Bezalel-Schule in Jerusalem ihre Erfüllung. Der J. N.-F. in England (Von unserem Berichterstatter.) Unter den Schwierigkeiten, die dem Zionismus in England durch die heikle Organisationsfrage erwachsen sind, hat auch der Nationalfonds gelitten. Die Leitung des jüdischen Nationalfonds, die einer lögliedrigen Kommission unterstand, hatte ihr eigenes Bureau, unabhängig von dem der English Zionist Federation und des Order of Ancient Maccabeans. Der Joint Zionist Council hat nun vier Herren — J. K. Goldbloom, L. J. Stein von der E. Z. F., J. D. Jacobs und E. W. Rabbinowicz vom O. A. M. — in die N.-F.¬ Kommission gewählt, um die Leitung des jüdischen Nationalfonds auf einer neuen Basis zu übernehmen. Jeder dieser Herren wird die Verantwortung für ein besonderes Ressort übernehmen, und es steht zu hoffen, daß die systematische Arbeit auch größere Leistungen zur Folge haben wird. Mr. Isaac Goodman, der Sekretär des jüdischen Nationalfonds in England, ist unlängst zum Sekretär der südafrikanischen Federation und Redakteur des „Zionist Record" in Johannesburg ernannt worden. PALASTINA Die Kolonie Mesha Man schreibt uns aus der galiläischen Kolonie Mesha: Unsere Kolonie, die erst vor zirka 9 Jahren begründet wurde, liegt am Fuße des Berges Tabor, der die Ebene Jesreel beherrscht. Sie ist etwa 2—3 Stunden von den Kolonien Jemma, Merchawja und S e d j e r a entfernt und zeichnet sich durch ihren fruchtbaren Boden aus. Noch vor zwei Jahren zählte sie 23 Kolonistenfamilien, heute aber ward sie von 37 Ackerbauerfamilien und 5 Familien anderen Berufes bewohnt. Wie in allen galiläischen Kolonien bildet auch in Mesha der Körnerbau den Hauptwirtschaftszweig der Kolonisten. Viehzucht wird in geringem Maßstabe getrieben, immerhin produziert die Kolonie soviel Geflügel und Milch, als zu ihrem eigenen Bedarfe notwendig ist. Die Kolonisten besitzen auch einen Wald und guten Weideboden, wodurch die Haltung von Schafen und Ziegen ermöglicht wird. Ein wichtiges Institut haben die Kolonisten vor zwei Jahren durch die Begründung einer Darlehenskasse ins Leben gerufen. Den Kredit hat die Darlehenskasse von der Ica bekommen, heute aber verfügt sie schon selbst über ein Kapital von 11 000 Frcs. und führt ihre Geschäfte auf eigene Rechnung. Auch eine V i e h v e r s i c h e r u n g s g e n o s s e n - schaft existiert in Mesha und hat im vorigen Jahr den Kolonisten 88 o/o des Wertes des gefallenen Viehes zurückvergütet. In diesem Jahre hoffen wir nicht schlechter als voriges Jahr abzuschließen. Um den Kolonisten alle Waren billig zu verschaffen, haben wir einen Konsumverein gegründet. Jede Aktie kostet 100 Frcs. und niemand darf mehr als 5 Aktien kaufen. Die Bilanz des ersten Jahres haben wir mit einein Umsatz von 20 000 Frcs. abgeschlossen. Bis jetzt pflegten wir Wasser aus der von der Kolonie fünf Minuten entfernten Quelle zu schöpfen. Schon lange haben wir den Augenblick ersehnt, Wasser zu Hause zu haben und nicht jeden Augenblick mit dem Faß zur Quelle fahren zu müssen. Nun sind wir in der glücklichen Lage, diesen Wunsch verwirklicht zu sehen. Durch einen Elektromotor, der von der Quelle 15 Meter entfernt ist, wird das Wasser in ein großes Bassin hinaufgepumpt, und Haus und Garten sättigt

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