Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Auch dieser mein Bekannter war 18 Monate hindurch ein Gefangener des Imams (da dieser von ihm Auskunft über die etwa verborgen gehaltenen Gelder seines Vaters erlangen wollte) und wurde nur dank einem Zufall befreit. Wenn nun auch die türkische Regierung de facto für die Juden im Jemen blutwenig getan hat, so blieben ihr diese doch treu. Und als nun in der Türkei die Umwälzung eintrat, da ging auch ein banges Hoffen durch die Gemüter der jemenitischen Juden. Es muß auch anerkannt werden, daß sich das neue Regime ein klein wenig auch der Juden erinnert hat. So hat man in der Talmud-Thora von Sanaa auf Rechnung der Regierung einen Lehrer für Türkisch usw. engagiert. Schlimm für die Juden war es aber, daß man bei dem Friedensschluß mit dem Imam ihrer nicht gedachte. So häufen sich dort Druck und Verfolgung. Es ist nun in letzter Zeit der Gedanke aufgetaucht, diese unsere Brüder nach Palästina zu verpflanzen. Kein Zweifel, daß der Gedanke vieles für sich hat. Zunächst: die Reisespesen vom Jemen nach Palästina sind nicht zu hoch. Sodann: mag auch Palästina noch lange nicht jene hohe Stufe der Entwicklung in Landwirtschaft und Industrie, deren es fähig ist, erreicht haben, so kann das Land nach und nach immerhin auch wirtschaftlich als Zufluchtsstätte für die 10 000 bis 12 000 Seelen von Nordjemen, die am meisten verfolgt werden, dienen. (In Südjemen herrschen andere Verhältnisse.) Allein in den Kolonien gibt es noch oft Arbeitermangel und es ist bekannt, daß Pethach Tikwah seine Arbeitskräfte aus einem Umkreise von 15 Meilen bezieht. Aber auch in den palästinensischen Städten gibt es noch für diese genügsamen und anstelligen Leute zahlreiche Möglichkeiten des Broterwerbs. Leider stellt sich der Ausführung dieses Planes ein großes Hindernis entgegen: der Wohnungsmangel. Dies ist ja in Palästina eine alte Plage für Stadt und Land, weshalb der J. N.-F. bei der Gründung der neuen jüdischen Stadtviertel eingreifen mußte. Wie bereits berichtet, wird der N.-F. auch für den Bau von Jenienitenwohnungen einen größeren Betrag beisteuern. U. a. kommt auch aus Holland eine Nachricht, daß man dort für diese gute Sache eine größere Aktion unternehmen will. Unsere Kolonien stehen gleichfalls nicht abseits. Manche haben ansehnliche Beträge bewilligt, und alle gewähren den neuen Ankömmlingen unentgeltlich medizinische Hilfe usw., was für manche Kolonie mit großen Kosten verbunden ist. Aber all dies reicht noch nicht einmal aus, um für die bereits eingewanderten 1300 Seelen Unterkunft zu schaffen, geschweige denn, um allen denen, die vor der Bedrückung fliehen möchten, Aufnahme zu gewähren. So die jetzige Lage. Anders wäre es jedoch, wenn unsere großen Organisationen eingreifen wollten. Sie könnten da mit relativ geringen Mitteln viel Segen stiften. Denn es handelt sich, wie gesagt, bloß um die Fürsorge für geeignete Unterkunft. Ein schmuckes Jemenitenhäuschen ist mit 600 bis 1000 M. im Durchschnitt zu bauen. Und auch dieser Betrag wird vom jemenitischen Ansiedler in monatlichen Zahlungen zurückerstattet. Geschähe dies, so würde es für die jemenitischen Juden eine Erlösung von schlimmster Not bedeuten und würde zugleich für die palästinensische Kolonisation von allergrößtem Nutzen sein. AUS DER BEWEGUNG /> j| o o o o o o TE o o o o o o Deutschland Agitationsreisen des Parteisekretärs. Am 18. Juni sprach Herr Kurt Rosenbaum in der Ortsgruppe in Stettin in einer ziemlich stark besuchten Versammlung. Am 17. Juni referierte er in der Zionistischen Vereinigung zu Leipzig über den XIII. Delegiertentag. In der letzten Versammlung der Ortsgruppe in Offenbach a. M. sprach er über aktuelle jüdische Fragen. Leipzig. Die Vereinigung Zionistischer Akademiker zu Leipzig, deren Mitgliederzahl auf 25 gestiegen ist, hält ihre Sitzungen regelmäßig Sonnabends im Rosental-Kasino (Rosentalgasse) ab. ' Am 16. Juni fand ein Ausflug statt, der zur allgemeinen Zufriedenheit verlief. Elberfeld. Ende Mai fand eine Bezalel-Ausstellung statt. Es wurden für 1000 M. Waren verkauft. Dem Verein Bezalel traten 60 neue Mitglieder bei. Nicht wenig trug zum Gelingen der Veranstaltung ein Lichtbildervortrag, den Frau Rechtsanwalt Dr. Epstein- Duisburg hielt, bei. Es sprach sodann Herr Dipl.-Ing. Leo Sliosberg über den Posener Delegiertentag und endlich am 27. Juni Herr Rechtsanwalt Dr. W e i n b e rg - Dortmund über die Probleme der Posener Tagung. Posen. Am 11. Juni er. fand eine Ortsgruppensitzung statt, in der über den XIII. Delegiertentag berichtet wurde. Österreich Die Palästinaarbeit als Werbekraft (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Während sich die Ito-Konferenz in Wien mit heißem Bemühen mangels eines geeigneten Territoriums um die sofortige Lösung der Judenfrage herumdrückt, gewinnt die Ueberzeugung, daß Palästina wirklich schon zum Lande des jüdischen Volkes wird> immer neue Prediger und Anhänger. Wer nach Palästina geht, um von Parteischlagworten unbeeinflußte Eindrücke und Urteile zu gewinnen, kommt selten zurück, ohne zum mindesten die Bedeutung des bisher Geleisteten und die großen Möglichkeiten des noch zu Vollbringenden anzuerkennen. In den letzten Tagen sprach im Prager Kunstgewerbeverein Bezalel Herr Fabrikant A d"o 1 f G 1 a s e r , Mitglied der Prager Kultusgemeinderepräsentanz, von den Erfahrungen, die er auf einer kürzlich unternommenen Reise nach Palästina gemacht hat. Da der Vortragende nicht Zionist ist, fanden seine Ausführungen auch bei jenen Kreisen verdiente Beachtung, die sich gegen gute Nachrichten über Palästina sonst gern skeptisch verhalten. Herr Glaser rühmte die von den Zionisten durchgeführte Errichtung neuer Stadtteile in Jaffa, wie überhaupt den modernen Geist, der die städtische Kolonisation durchzieht. Vollends enthusiasmiert aber ist er von den jüdischen Kolonien. Seine Beobachtungen, die sonst nur uns Bekanntes bekräftigten, haben insofern einen besonderen Wert, als der Vortragende, ein sehr praktisch denkender Kaufmann, sich fast überall auch um die Details des Betriebs, der Bilanzen und Erträgnisse gekümmert hat und auf Grund gründlicher Prüfungen zu dem Schlüsse gekommen ist, daß noch Millionen Juden in Palästina anzusiedeln sind, wenn man sich vor allem auch um die Einführung ausbreitungsfähiger Industrien kümmert. Er empfahl die sorgfältige Berücksichtigung der Fremdenindustrie, die Massenartikel erzeugen und gleich im Lande absetzen kann. Seine Anregungen sind sicher durchführbar, wenn auch ihre Uebertragung in das Tätigkeitsgebiet gerade des Bezalel nicht notwendig und empfehlenswert ist, da der Aufschwung des Bezalel nicht auf der einseitigen Ausgestaltung zu einem rein kommerziell geleiteten Fabriksunternehmen aufgebaut werden kann. Beachtenswert dürfte auch die Anregung sein, die bisher unverwertet gebliebenen abfallenden Orangen für bestimmte Industrien zu benützen. Mit der Anregung, Wirkwarenindustrien, Strickindustrien usw. einzuführen, schließt sich Herr Glaser schon früher vorge-