Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Einberufung des gesamtösterreichischen Parteitages hat in allerkürzester Zeit, womöglich im Einvernehmen mit der g alizischen und bukowinensischen Parteileitung zu geschehen. Sollte eine E i n i g u n g nicht erfolgen, dann hat der Jüdische Nationalverein selbständig vorzugehen." Ferner wählte die Konferenz ein Komitee, das sich mit der Lage des jüdischen Handwerks in Oesterreich zu beschäftigen hat. (Antrag Laschkowitz.) Im weiteren Verlaufe erstattete Dr. Löhner ein treffliches Referat über die Presse, das eine lebhafte Diskussion entfesselte. Der „Jüdischen Zeitung" wurde das Vertrauen ausgesprochen. Nach Annahme der Budgetvorschläge (Referent Ing. Krani e r) wurde die Konferenz in vorgerückter Stunde geschlossen. Die Ito- Konferenz (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Wir durften nur der Eröffnungssitzung beiwohnen. Wa? wir zu hören bekamen, war eine Komödie des Ghetto, wie sie in dem berühmten Novellenbuche des Dichters Israel Zangw i 11 nicht besser gezeichnet ist. In seiner programmatischen Eröffnungsrede betonte Zangwill zunächst (wir nehmen uns die Freiheit, den offiziösen Bericht der „Oesterreichischen Wochenschrift'* wahrheitsgemäß zu ergänzen), daß er sich freue, just im Saale des kaufmännischen Vereins über die Ito zu sprechen, denn die Dinge, die die Tagung beschäftigen, seien rein geschäftliche Angelegenheiten . . , Die Hoisten seien Schüler Herzls. „Nach Herzls Tode wurde die Bewegung durch eine , P a 1 ä s t i n a s e k t i o n 4 zunächst mit Beschlag belegt und heute fast zur Karik atur v e r /. e r r t." Das Ito-Programm stamme eigentlich von HerzL „Wir wollen ein Territorium auf autonomer Basis für jene Juden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig weilen, nicht leben können oder wollen." (Mit Verlaub: Bei Herzl heißt es: ... welche sich nicht assimilier e n können oder wollen. Wie gut doch der Menschenkenner Zangwill das Programm dem Parterre der Wiener Zuhörer angepaßt hat!) Zangwill überblickte nun die bisherige Ito-Arbeit. Anno 1906 trat die geographische Ito-Sektion zusammen, um die in Betracht kommenden Landprojekte gewissenhaft durchzuprüfen und die einzelnen Gebiete in Augenschein zu nehmen, von wissenschaftlichen Expeditionen durchforschen zu lassen. Es kamen in Betracht: Landstriche in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Britisch- Ostafrika, Kanada, Columbia, Mesopotamien, Nevada, Idaho, Paraguay, Rhodesien, T r i p o - 1 i s. Diese Arbeit war am 31. Juli 1907, also nach Jahresfrist, beendet. Allen Respekt vor der geographischen Kommission der Ito!! Zunächst wurde die Cyrenaika auserwählt. Da sie aber nachträglich — also nach abgeschlossener gewissenhafter Prüfung der Landprojekte — für wasserarm befunden wurde, „überließen wir das Territorium Italien", wie Zangwill humorvoll bemerkte. Dann entschied sich die Ito-Leitung für Mesopotamien, „ein Geschäft, das sich mit 20 o/0 rentiert hätte". Es wurde wieder nichts daraus. Als nämlich Zangwill in Konstantinopel intervenieren wollte, weilte gerade unser Präsident Wolf f söhn dort und überdies Dr. N o s s i g. Da wollte er „bei der Komödie nicht mittun". Aber die bösen Zionisten haben das Judentum nicht nur um Mesopotamien gebracht. Als Zangwill nämlich späterhin bei der britischen Regierung anklopfte, ob „die Gewährung eines Landstriches für eine jüdische Siedlung nicht die britischen Interessen zu fördern geeignet wäre, wurde seine Anfrage ignoriert, natürlich nur durch Verschulden des Kongreß-Zionismus, der Uganda abgelehnt hatte. „Sie sehen, die Geschichte wiederholt sich nicht. Die Bücher der Sybillen offenbaren sich nur einmal." Dann verlangte die Ito einen Landstrich Kanadas. Man bedeutete ihr jedoch, die Judenheit melde sich um zehn Jahre zu spät. „Und gerade vot zehn Jahren hatte der erste Zionistenkongreß getagt!" Das nächste Ito-Projekt — es betraf Australien — schei terte ohne Verschulden des Zionismus. Australien wollte dk Juden nicht. Nun werde die Leitung zwei neue Siedlungsplänc der Konferenz zur Beschlußfassung unterbreiten. Soweit Zangwills Rechenschaftsbericht. Man muß dem Ito Führer zubilligen, daß er den dornenvollen Weg der bisherigen unglücklichen Landsuche mit Mut und Ausdauer zurückgelegi hat, und daß er den Mißerfolg seiner Bemühungen ungeschminkt zugestand. Und man kann nicht genug bedauern, daß sich dieser ausgezeichnete, geniale Jude an einer verlorenen Sache verbraucht. Dem traurigen Berichte folgte jubelnder Beifall und lob hudelnder Wortschwall zahlreicher Gratulanten: Es war ein«. Demonstration der Wiener Antizionisten gegen uns. Wie eine richtige Komödie klang die Eröffnungsfeier de; Ito-Konferenz aus. Ein Teilnehmer forderte in feuriger Rech die Delegierten auf, korporativ das Grab Herzls zu besuchen da die Ito-Bewegung die legitime Erbin des politischen Zio nismus Theodor Herzls sei. In der Tat fand auch ein solche! Besuch statt und Herr Zangwill hielt eine Rede. (Anmerkung: Wir gestatten uns, Herrn Zangwill u Erinnerung zu bringen, daß er zu der Zeit, als Herr Wölfl söhn in Konstantinopel weilte, den Moment für gekomme! hielt, der türkischen Kammer ein Memorandum über sein ineso potamisches Projekt zu unterbreiten. Er hat daher keine Veranlassung, sich seiner Zurückhaltung zu rühmen, und zu be haupten, die Zionisten hätten seine Kreise gestört. Die Redaktion.) Herr Dr. Jeremias in Posen sendet uns folgende Zu schrift : Die zionistischen Blätter beschäftigen sich jetzt zun erstenmal etwas eingehender mit dem neuesten Ito-Plan, uik es muß auffallen, wie feindselig noch immer jede Be sprechung von Ito-Angelegenheiten in unserer Presse gestimni ist; vom überlegenen Spott bis zum wütenden Hohn geht die Tonleiter. Die mildesten Beurteiler kennzeichnen Israe Zangwill, den einst hoch gefeierten, als hoffnungslos irren den Dichterphantasten und Ghettoträumer, während die Ui nachsichtigen ihn einen ehrgeizigen Politikaster, einen närr» sehen Phrasenhelden, einen gefährlichen Eigenbrödler scheltei Dabei vergißt man, daß Zangwill persönlich ein enthusiast; scher Jude, und in ehrlichem Ringen aufopfernd bemüht is<. in seiner Weise der leidenden Judenheit zu dienen, und fernci daß sachlich sein Wirken sich der leitenden Mitarbeit nüch terner Finanzmänner und kühl wägender Diplomaten voi Range der Rothschilds, Strauß, Schiff usw. erfreut. Wedt persönliche noch sachliche Momente also rechtfertigen di leidenschaftliche Bekämpfung dieser Dinge von seiten de- Zionismus. Ich vermag überhaupt nicht einzusehen, durch welche zionistische oder allgemein-jüdische Interesse die Bekämpfum von Aktionen gefordert wird, wie die Ito sie im Auge hat Man mag die einzelnen Unternehmungen für praktisch ode; unpraktisch, für kleinlich oder großzügig, für philanthropisch