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Die Welt · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 27 — Dr. Ehrlich referiert hierauf über den Ausbau der Organisation. Solange der jüdische Klub bestand und der verstorbene Abg. Dr. Gabel an der Spitze des jüdischen National Vereins stand, war wenigstens die Möglichkeit des einheitlichen Vorgehens im Reiche bis zu einem gewissen Grade sichergestellt. (iegenwärtig sind die Verhältnisse aber sehr traurig: Die Reichsexekutive ist aufgelöst, das Lemberger zionistische Zentralkomitee behandelt leider die Politik als eine galizische Landesnigelegenheit. „An Wien wendet man sich nur, wenn Wechsel, die der galizische Statthalter ausgestellt und nicht eingelöst int, in Wien präsentiert werden sollen." Auch die Beziehungen /ur Bukowina sind gelockert und das Verhältnis in West- Österreich zwischen Zionismus und Nationalpolitik ist noch a'ineswegs völlig klargestellt. Die Brünner Beschlüsse sind in Provisorium. Wir werden uns auf die Dauer Ion Luxus der Zweiteilung nicht leisten dürfen. Die Personen, die dem L a n d e s k o m i t e e 0 r s t e h e n , werden a u c h die Politik leiten nüssen. Dr. Ehrlich erklärt aus den gegebenen Verhältnissen die bisherige Wirksamkeit des jüdischen Nationalvereins und bittet, folgenden Grundsätzen zuzustimmen: 1. Die Konferenz erklärt die Notwendigkeit der einheitjchen Leitung der jüdischen Politik in Oesterreich, spricht ir Bedauern über die Auflösung der Reichexekutive aus und 1 wartet die Schaffung einer lebensfähigen politischen Zentralste für Oesterreich. 2. Die Leitung der Politik der österreichischen Zionisten fliegt dem „Jüdischen Nationalverein für Oesterreich". Es d allen Zionisten zur Pflicht gemacht, in allen ihren polihen Aktionen im Einvernehmen mit dem „Jüdischen Naiialverein" vorzugehen. 3. An der Organisation dieses Vereins wird mit Rücksicht das geltende Vereinsgesetz vorläufig nichts geändert. Es d jedoch in allen Orten mit einer größeren jüdischen Bevölkerung Vertrauensmänner des Vereins zu bestellen, welche die Aufgabe haben, allen öffentlichen Angelegenheiten ihrer 1 iemeinden ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, über alle wichsen Vorfälle politischer Natur an den Vorstand des National- ' reins zu berichten und ihn zu beraten, Mitglieder für den rein zu werben, einen ständigen Kontakt mit ihnen aufrechterhalten und deren politische Tätigkeit zu überwachen. 4. Die Konferenz erklärt die Berufung in der Provinz >ohnender Oesinnungsgenossen in den Vorstand des Nationalereins für notwendig, um eine engere Verbindung zwischen n Oesinnungsgenossen herbeizuführen und um den Ausbau ■s Vorstandes des Jüdischen Nationalvereins zu einem jüdihen Nationalrat vorzubereiten. Es folgt die Debatte her die beiden Referate. Genossenschafts vorstand Plaschkes begründet in längerer Rede ein wirtschaftspolitisches Programm ur Handwerk, Gewerbe und Kleinhandel und erklärt die nöti- Maßnahmen zur Beschützung der bedrängten jüdischen Kleinexistenzen gegen Aus wu ch e r u ji g. Er bringt reiche Daten aus seinen bisherigen Organisationserfahrungen auf diesen Gebieten. Dr. Leschner (Troppau) erklärt seine Uebereinstimmung mit den Thesen Dr. Kadischs, schlägt aber mannigfache redaktionelle Aenderungen vor. In der Organisationsfrage stimmt er mit Dr. Ehrlich nicht überein. Nach den derzeitigen Zuständen kann die Innenpolitik von den zionistischen Behörden nicht gemacht werden. Parallelorganisationen könnten aber in manchen Gegenden einander erschlagen. Er 811 wünscht daher folgenden Mittelweg: Der Jüdische Nationalverein bleibt Zentrale. An den Sitzen von zionistischen Distriktskomitees sind Ausschüsse zu bilden, welche im Einvernehmen mit der zionistischen Organisation arbeiten, und in den einzelnen Orten Vertrauensmänner zu bestellen, welche unter der Kontrolle der zionistischen Provinzbehörden stehen. Ob.-Ing. Stricker: Das Programm des Jüdischen Nationalvereins für Oesterreich hat nirgends Widerspruch hervorgerufen. Es ist also gut, und hat nur den Fehler, daß es zu wenig propagiert wird. Redner übt scharfe Kritik an der Politik der galizischen Gesinnungsgenossen, und wirft ihnen insbesondere vor, daß sie nach dem Drohobyczer Blutbade die Kandidatur in diesem Wahlkreise zurückgezogen und die wichtigen Zählkandidaturen in Westgalizien auf Grund eines Paktes mit dem galizischen Statthalter preisgegeben haben. Jeder Jude, der an der Einheit des jüdischen Volkes oder seiner Organisation rüttle, sei ein Feind des jüdischen Volkstums, wenn er es auch nicht sein wolle. Die Lostrennung Galiziens sei daher scharf zu verurteilen, wie auch die Trennung zwischen Zionismus und Politik in Westösterreich ganz willkürlich sei. Er stellt folgenden Antrag: „Die politische Konferenz beauftragt den Vorstand des Jüdischen Nationalvereins, die Arbeit für die Wiederherstellung der gesamtösterreiclüschen nationalen Organisation ungesäumt und energisch in Angriff zu nehmen. Durch Agitation in der Presse und in der jüdischen, insbesondere aber in der zionistischen Oeffentlichkeit, durch Anregung von Willensäußerungen der bestehenden jüdischen Organisationen in Westösterreich, Galizien und der Bukowina, sind die Widerstände, welche der Zusammenfassung aller nationalgesinnten Elemente zu einer einzigen Organisation entgegenstehen, zu brechen." Ing. Kramer beantragt: „Der Jüdische Nationalverein ist zu beauftragen, die ehetunlichste Einberufung eines gesamtösterreichischen Parteitages zu veranlassen." Abg. Straucher schließt sich den Referaten Kadischs und Ehrlichs vollinhaltlich an, und fordert die Gesinnungsgenossen auf, an die Stelle unfruchtbaren Theoretisierens die so dringend nötige organisatorische Tat zu setzen. Dr. Winterstein (M.-Ostrau) behandelt eingehend die Verhältnisse in den gemischtsprachigen Provinzen, und legt dar, daß der heutige moralische Zwang vieler gutgesinnter Juden, an fremdnationalen Organisationen (z. B. Deutscher Schulderem) wenigstens materiell teilzunehmen, in dem Augenblicke beseitigt ist, in welchem wir die Anerkennung der jüdischen Nation erkämpft haben. Er verlangt, daß man die Einheit der Organisation im Gesamtreiche nicht gegen das Lemberger Zentralkomitee herzustellen versuche, bevor man nicht alle Mittel angewendet hat, um erst mit dieser legal gewählten Behörde ins Einvernehmen zu gelangen. Schwarz (Graz): Die innerpolitische Betätigung ist ein Mittel zur nationalen Umwertung der Judenheit. Deshalb muß sich jeder Zionist innerpolitisch betätigen. Voraussetzung ist aber, daß die Führer unserer Innenpolitik diese Umwertung tatsächlich an sich vollzogen haben. Es sprechen noch Dr. Reik, Löwenbein und Ing. Laschkowitz. Die Thesen Dr. Kadischs und Dr. Ehrlichs werden akzeptiert. Ebenso Zusatzanträge des Abg. Dr. Straucher, dahingehend, statt Vertrauensmänner zu bestellen, möglichst Vereine zu gründen, und Dr. Wintersteins, womöglich Mitglieder der betreffenden zionistischen Ortsgruppen als Vertrauensmänner zu bestellen. Die Anträge Stricker und K r a m e r werden mit folgendem Zusätze Dr. Wintersteins angenommen: „Die DIE3&ELT

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