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Die Welt · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Element, da man sich auf ihre Ehrlichkeit und auf ihren Fleiß unbedingt verlassen kann. In erster Linie muß aber dafür gesorgt werden, daß die Yemeniten in den Kolonien Beschäftigung und Unterkommen finden, denn sobald sie in die großen Städte abwandern, wo es keine genügende Arbeit für sie gibt, so ist, wie es die Tatsachen leider schon gezeigt haben, zu befürchten, daß sie die Bettlerbcvölkerung nur vermehren würden. Was nun die Arbeitsgelegenheit betrifft, so liegen die Verhältnisse sehr günstig. Für absehbare Zeit wird es für viele tausende Yemeniten in den jüdischen Kolonien reichlich Arbeit geben. Anders verhält es sich mit der Wohnungsfrage. Die Kolonien sind begreiflicherweise nicht in der Lage, den Bau von Arbeiterhäusern in großem Umfange selbst in die Hand zu nehmen, und da die Yemeniten vollständig mittellos ins Land kommen, ist von ihrer eigenen Initiative auch nichts zu erwarten. Hier können also wieder nur Kolonisationsgesellschaften eingreifen, und in erster Reihe hat es sich der Jüdische Nationalfonds zur Aufgabe gestellt, das große Problem der Beschaffung von Wohnungen für die yeinenitischen Einwanderer zu lösen. Während der letzten Anwesenheit seiner Direktoren Dr. Bodenheimer und Dr. Tschlenow in Palästina hat er gleich 23 000 Frcs. für den Bau von Yemenitenhäusern bewilligt. In den letzten Tagen sind weitere 30 000 Frcs. bewilligt worden, und für das nächste Jahr ist die Gewährungvon mindestens 50 000 /Frcs. in Aussicht genommen. In diesem Jahre sollen noch hundert Häuser fertiggestellt und mindestens ebenso viele im nächsten Jahre gebaut werden. Der Jüdische Nationalfonds, der indes viele andere wichtige Aufgaben zu bewältigen hat, ist mit diesen Bewilligungen bis an die äußerste Grenze gegangen. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß eine gründliche Lösung der Frage weit höhere Ansprüche stellt. Sollte es gelingen, in wenigen Jahren die Ansiedlung von einigen tausend yeinenitischen Familien durchzuführen, so wäre damit eine Tat für die jüdische Zukunft in Palästina geleistet, deren segensreiche Folgen nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Man könnte ruhig behaupten, daß damit eine neue Epoche in der jüdischen Siedlungsarbeit eingeleitet wäre. Der Bau eines Einzelhauses nebst Ankauf eines kleinen Gartens erfordert einen Kostenaufwand von ungefähr 1000 Frcs. Jeder wohlhabende Jude sollte eine Ehre darein setzen, durch eine Spende von 1000 Frcs. dem Nationalfonds die Möglichkeit zu geben, eine Yemenitenfamilie anzusiedeln. Das Bewußtsein, durch diese Spende der jüdischen Volksarbeit in Palästina die schaffende Kraft einer jüdischen Familie zugeführt zu haben, dürfte für den Spender eine erhebende Genugtuung bilden. Jubiläen palästinensischer Pioniere (Von unserem Berichterstatter.) Jaffa. In letzter Zeit haben wir die Gelegenheit gehabt, einige Männer zu feiern, denen es vergönnt war, am Anfang der neuen Periode des palästinensischen Jischuws an der Arbeit unserer ersten Pioniere Anteil zu nehmen und ihre Tätigkeit bis zum heutigen Tage fortzuführen. In Jaffa feierte man vor kurzem in intimem Kreise die 25 jährige Tätigkeit des Vizedirektors der Anglo-Palestine Company in Jaffa, Herrn J u d a G r a s o w s k y. Herr Grasowsky, der vor 25 Jahren als Feldarbeiter seine Tätigkeit in Palästina begonnen hatte, wirkte später erfolgreich als Lehrer. Unter den Männern, welche sich um die Belebung und Kräftigung der hebräischen Sprache bleibende Verdienste erworben haben, muß sein Name in erster Reihe genannt werden. Er machte sich besonders um die Einführung der neuen Methode „Iwrith Beiwrith" verdient und erleichterte den Unterricht der jungen hebräischen Schulen durch die Herausgabc von hebräischen Schulbüchern, welche die Anerkennung seiner Kollegen gefunden haben. Grasowsky gab auch ein hebräisch-russisches und russisch-hebräisches Wörterbuch heraus. Als Uebersetzer zeigte er besonderes Talent. Viele wertvolle Erzeugnisse fremder Literaturen hat er teils durch freie Bearbeitung, teils durch wörtliche Uebersetzung dem hebräischen Lesepublikum vermittelt. Herr Grasowsky wirkte mehrere Jahre unter der Leitung des Herrn Dr. Victor Jacobson bei der Filiale der Anglo- Palestine Company in Beyruth und ist vor kurzem von dort gleich nach dem Tode des seligen Herrn S a p i r nach Jaffa als Vizedirektor der Anglo-Palestine Company übergesiedelt. Gleichzeitig mit Herrn Grasowsky kam vor 25 Jahren Herr Jchosch u a Eis e n s t a d t nach Palästina, der unter dem Namen „Barsilai" in der hebräischen Literatur wohlbekannt ist. Sein Jubiläum wurde in Jerusalem gefeiert, wo sich die meisten seiner Freunde befinden und wo er in den letzten Jahren mit ungewöhnlichem Eifer gearbeitet hat. Herr Eisenstadt hat auf vielen Gebieten unserer Renaissancearbeit mitgewirkt. Viele Erzählungen in der hebräischen Literatur verdanken ihr Entstehen seiner Feder. Diese Erzählungen besitzen besonders deshalb großen Wert, weil sie das Leben unserer ersten Pioniere lebhaft schildern. Herr Eisenstadt unterhielt im Laufe der 25 Jahre freundschaftliche Beziehungen zu allen Männern, die in dieser Periode auf dem palästinensischen Schauplatz auftraten und auf das neue Leben Palästinas einwirkten. Dank seines gütigen, ja fast kindlichen Gemütes hat Eisenstadt fast gar keine Feinde gefunden, sondern genoß bei den meisten Mitarbeitern, zu welcher Schattierung sie auch gehörten, großes Vertrauen. Mit feinem Verständnis malte Herr Eisenstadt diese verschiedenen Charaktere in seinen Erzählungen. Auch als Publizist ist Herr Eisenstadt sehr fruchtbar und nimmt zu allen Fragen Stellung. Seine Berichte fanden schon in den ersten Perioden unserer Kolonisation große Anerkennung. Praktisch bewährte sich Eisenstadt auf vielen Gebieten nicht nur zur Zeit, als er Bevollmächtigter des Odessaer Komitees der Chowewe Zion war, sondern auch als Subdirektor der Anglo-Palestine Company in Jerusalem. Seiner Tätigkeit verdanken das hebräische Gymnasium in Jerusalem und das Beth Haam ihr Entstehen, Anstalten, die dazu berufen sind, die junge jüdische Generation in Jerusalem mit nationalem Geiste zu erfüllen. Der Direktor der Schulen des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herr Ephraim Cohn, feierte das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit. In einer kleinen Gruppe hat er seine Arbeit begonnen und nun blickt er auf eine große, stattliche Gemeinde, auf dutzende von Lehrern und hunderte von Schülern, die unter seiner Leitung arbeiten und erzogen werden. Die Lämelschule, eine Gründung des berühmten Ludwig August Frankl und eine Stiftung der österreichischen Freifrau Lämel. mußte lange Zeit infolge ungenügender Mittel von draußen und unzulänglicher Leitung an Ort und Stelle ein Scheindasein führen. Das Komitee in Frankfurt, an dem insbesondere der verstorbene Rabbiner Horowitz regen Anteil genommen hat. führte zwar der Lämelschule neue Kräfte zu, jedoch erst dadurch, daß der Hilfsverein der deutschen Juden sich dieser Schulanstalt annahm, ergab sich die Möglichkeit, die Schuh immer mehr zu kräftigen und an diese Volksschule die höheren Schulen, nämlich die Handelsschule und das Lehrerseminar, anzugliedern. Der hebräische Charakter des Festes

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