Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316540--56165-3350034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26 DIEX&ELT 781 es gelungen, dieses Projekt umzustürzen und die Konferenz der Delegierten der Parnassim als den populären Gemeindekongreß selber auszugeben. Leicht begreiflich, daß die von diesen Herren vertretenen Wünsche der bulgarischen Judenheit nicht mit denen der nationalen Partei, sondern mit denen des um seinen Posten zitternden Großrabbiners übereinstimmen mußten! 5. Der Großrabbiner möchte heute gerne die zionistische Wahlhilfe bei seiner Berufung und Anstellung von den Rockschößen schütteln. Aber da nützt kein Dementi. Alle Welt weiß, daß er auf ausdrückliche Empfehlung des zionistischen A. C. in Bulgarien vorgeschlagen und nur infolge des warmen und energischen Eintretens der bulgarischen Zionisten für ihn gewählt worden ist. Herr Dr. Ehrenpreis selbst hat es unzählige Male seinen Besuchern wiederholt. 6. Ob und wie Herr Dr. Ehrenpreis bereit war und ist, die zionistische Arbeit der Landesorganisation zu fördern, wird nicht seine kecke Versicherung, sondern seine 12 jährige amtliche und außeramtliche Tätigkeit in Bulgarien erweisen. Kein einziges Buch, keine einzige Broschüre hat der schriftstellerisch so gewandte Dr. Ehrenpreis in diesen 12 langen Jahren für den Zionismus erscheinen lassen, obwohl hier jede brauchbare zionistische Literatur fehlt, und man doch von einer Kraft wie der seinigen dergleichen erwarten mußte. Nein, das hat Dr. Ehrenpreis nicht getan, aber zahllose Artikel gegen die bulgarischen Zionisten hat er in seiner „Luz" geschrieben und inspiriert; die Eroberung der Gemeinden durch den Zionismus hat er mit aller Gewalt zu verhindern, und als sie trotz ihm gelungen war, zu vernichten gesucht; den nationalen Geist hat er kraft seiner Autorität aus seinen Landesschulen verbannt, und als er trotz ihm in sie eingezogen war, durch Vereitelung des projektierten Schulsteuergesetzes auszuhungern unternommen. Das ist die zionistische Tätigkeit, die der Herr Dr. Ehrenpreis für sich reklamieren möchte! 7. Die Berufung des Dr. Ehrenpreis auf die Zeitung „EI Tiempo" in Konstantinopel setzt seinem ganzen Dementi die Krone auf. Da ist ja die intime Beziehung zwischen ihm und den ottomanischen jüdischen Zionistenfressern mit naivster Bewußtlosigkeit zugestanden! Daher also in der ganzen letzten Zeit die herzinnige Freundschaft, das geradezu rührende Einverständnis zwischen „La Luz" und „El Tiempo". Daher also das lange rätselhafte Phänomen, daß das Organ des bulgarischen zionistischen Großrabbiners in Sofia die Meinungen und Verdikte des antizionistischen Volksverräterorgans in Konstantinopel stets als gewichtige Sachverständigen-Urteile zu zitieren nicht verschmähte. Sonderbar bleibt für diesmal, daß Herr Dr. Ehrenpreis mit solcher Bestimmtheit weiß, daß die Artikelserie des „Tiempo", auf die er hinweist, von maßgebender Stelle herrühre. Diese Artikelserie ist nämlich a n o n y m erschienen. Woher kennt der Dr. Ehrenpreis den anonymen Herrn „Ivri"? Sehr unvorsichtig, höchst unvorsichtig! Die ganze böse Welt wird nun behaupten, daß Ivri gar Herr Dr. Ehrenpreis selbst oder ein ihm recht nahestehender Schreiber gewesen sei, der programmäßig bestellte Arbeit für Dr. Ehrenpreis lieferte. Wahrlich, dieser Zusatz drückt auf die Wahrhaftigkeit des ganzen Dementis das ihr entsprechende Siegel. Nur noch eine Schlußbemerkung. Wird unsere Weltorganisation noch von Disziplin geleitet, so sollten selbst unsere Großrabbiner nicht über sie hinwegschreiten dürfen. Ist Herr Dr. Ehrenpreis Zionist, so hat er sich der Disziplin seiner Landesorganisation zu fügen. Diese verlangt von ihm, sich aus Bulgarien zu entfernen. Ist Herr Dr. Ehrenpreis nicht Zionist, so hat er entweder aus der Organisation auszutreten, oder diese muß sich seiner entledigen. So oder so, ein Mann von Ehre hätte längst die Entscheidung gefunden. Dr. R y m a 1 o v s k i : PALÄSTINA : - ~ Zur jüdischen Arbeiterfrage in Palästina Immer mehr kommt in der jüdischen Siedlungsarbeit ein neues Prinzip zur Geltung. Während die Zionsfreunde einer früheren Epoche das Hauptgewicht auf den privat rechtliehen Er w e r b des Bodens legten und der politische Zionismus die Idee der öffentlich-rechtlich e n S i c h e r u n g verkündete, bricht sich jetzt die Erkenntnis Bahn, daß es auch einen, dritten Faktor gibt, der von ebenso, großer Bedeutung für die Zukunft der Kolonisation ist, nämlich : I) i e j ü d i s c he Arbeit a u f j ü d i s c h e m Bode n. Der Jüdische Nationalfonds, ,der im letzten Jahre eine J;mreseinnahme in Höhe von 700 00(3 Pres, aufweisen konnte, h;it die Wichtigkeit und weittragende Bedeutung dieses neuesten ' iinzips klar erkannt und seine Tätigkeit danach eingerichtet.; 'it nur, daß er auf seinen Gütern und in den Siedlungen i-i von ihm geförderten Gesellschaften (Siedllingsgesellschaft -i-iez Israel", Palestine Land Development Company) in D u 1 d a und Bensche m e n bei Jaffa, in M e r c h a w j a "i der Ebene Jesreel, in K i n e r e t h und D a g a n i a am Tiberiassee eine große, in stetigem Wachsen begriffene Zahl von jüdischen Arbeitern beschäftigt, er hat sich auch der Arbeiterfürsorge in den Kolonien zugewandt und kann auf diesem Gebiete bereits auf bedeutende Erfolge hinweisen. In den Kolonien Petach Tikwah und Chedera hat er mit einem Kostenaufwand von 40 000 Frcs. für die unverheirateten Arbeiter Heime gegründet, an deren weiteren Ausbau jetzt geschritten wird. Durch eine Spende des Herrn Ing. Salomon H a 1 p e r i n aus Kiew in Höhe von 30 000 Frcs. wird er in die Lage versetzt, ein großes Heim in der Siedlungsgenossenschaft Merchawja, sowie Einzelhäuser für aschkenasische und yemenitische Arbeiterfamilien zu bauen. Der Bau von zwölf yemenitischen Häusern in Petach-Tikwah und von Arbeiter, gleichfalls in soll demnächst in Angriff drei Häusern für aschkenasische Petach Tikwah oder in Chedera, genommen werden. Bekanntlich ist dem Jüdischen Nationalfonds auch der Davidu n d F a n n y - W o 1 f f s o h n - F o n d s angegliedert, aus dessen A^itteln mit einem Aufwand von 15 000 Frcs. bisher fünf Häuser in Petach-Tikwah, fünf in Rechoboth, vier in Rischon le Zion und eins in Wach el Chanin gebaut worden sind. In diesem Zusammenhange soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch der Verein „Esra4* in Berlin sich auf dem Gebiete des Arbeiterhäuserbaues rühmlich betätigt hat. Diese ganze Tätigkeit reicht aber noch nicht entfernt hin, um dem großen Mangel an Arbeiterwohnungen abzuhelfen. Die Frage wird besonders dringend angesichts einer neuen Erscheinung, die si^h in letzter Zeit immer stärker bemerkbar macht. Es ist dies die immer zunehmende E i n - w a n d e r u n g d e r y e m e n i t i s c h e n Juden. Die jüdische Presse hatte schon öfters Gelegenheit, über diese unsere Stammesbrüder aus dem fernen südlichen Arabien zu berichten. Immer mehr bestätigt sich die sehr günstige Meinung, die man gleich von Anfang an in Palästina über sie gewonnen hat. Man ist sich darüber einig, daß wir es hier mit einem fleißigen und genügsamen Arbeiterelement zu tun haben, das im fernen Yemen die altjüdischen Tugenden einer hohen Religiosität und strengen Sittlichkeit rein und unverfälscht bewahrt hat. Die geringen Ansprüche, die die Yemeniten an das Leben stellen, versetzen sie in die Lage, mit Erfolg den Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt aufzunehmen. Es ist ganz klar, daß sie für die jüdische Siedlung nicht nur in nationaler Beziehung das beste Arbeitermaterial bilden, sie sind auch wirtschaftlich ein äußerst wertvolles i *