Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-06-21 · 25 (21.6.1912) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316539--56137-3350005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

gram in geworden. Daß auch Achad Haam Größeres will, als er jetzt vor sich sieht, bedarf keines Beweises. Wir aber haben uns organisiert, um dieses Größere durch die zionistische Bewegung zu erreichen. * Vielleicht tun wir auch in diesem Augenblick Achad Haam unrecht, wenn wir einen solchen Unterschied konstatieren? Vielleicht ist er in Wahrheit nur durch Nuancen von uns getrennt, deren Hervorhebung überflüssig ist? Diese Frage mag die denkenden Köpfe beschäftigen, deren Ansichten pro und contra in unserem Blatte stets einen Widerhall finden werden. Vom Standpunkt der Redaktion war uns diese Debatte wesentlich, weil sie Gelegenheit bot, den politischen Grundgedanken unserer Bewegung hervorzuheben. Briefe aus New York Von Helene Hannah Cohn III. Rußland und A m e r i k a. Es scheint nun einmal das Verhängnis des jüdischen Volkes zu sein, daß es durch Schaden weder klug noch vorsichtig wird, dal) es den Brand immer erst merkt, wenn es schon mitten in den Flammen steht. Schon beginnt das Judenproblem in Amerika eine brenzliche Frage zu werden — aber die jüdischen Amerikaner stecken den Kopf in den Sand, urn den Brand nicht zu sehen. Die Schwierigkeiten, die es den bevollmächtigten jüdischen Persönlichkeiten gemacht hat, die amerikanische Regierung zur Erledigung der Paßfrage mit Rußland zu bewegen, stehen noch in frischer Erinnerung. Nur widerwillig hat sich seinerzeit Amerika entschlossen, Rußland zur Einhaltung der Vertragsbedingungen zu zwingen, denen zufolge dem amerikanischen Bürger jüdischer Konfession der Aufenthalt im russischen Reiche unter den gleichen Bedingungen gestattet werden muß, wie jedem anderen Amerikaner. Immerhin nahm die amerikanische Regierung sich der Sache an — ob dabei Parteitaktik, Wahrung des Prestige nach außen usw. mitsprach, kümmert uns hier nicht — und heute zeigen sich die Folgen. Es verlautet, daß Rußland einen Generalboykott amerikanischer Waren plant. In Kursk hat der Semstwo den Bauern untersagt, aus Amerika importierte landwirtschaftliche Artikel zu kaufen, und eine Anzahl weiterer Distrikte jst angewiesen worden, dasselbe Verbot zu erlassen. Diese Maßnahme hält man allgemein für einen Ausdruck der Mißbilligung gegen Amerikas Stellung in der Paßfrage, und man kann sich einer gewissen Besorgnis nicht erwehren. Bisher hat der gewaltige jüdische Einwandererstrom nur der inneren Landesverwaltung Schwierigkeiten bereitet, in bezug auf seine Verteilung, Beschäftigung, Unterricht, Sabbatfeier und ^Verhältnis zur übrigen Bevölkerung. Wenn nun durch die in Massen eingewanderten Juden auch in der äußeren Politik gewisse Spannungen entstehen, so dürfte das nicht gerade dazu dienen, die ohnehin nicht sehr zärtliche Stimmung der Amerikaner gegen die jüdischen Einwanderer günstiger zu gestalten. iy Die neulich besprochene amerikanische Gesetzesvaflage, welche die Ausschließung solcher Einwanderer bestimmt, die im Verdacht politischer Arbeit gegen die in ihren Herkunftsländern bestehende Regierung stehen (eine Bestimmung, von der besonders viele russische Juden betroffen werden würden), kann wohl schon als Amerikas mißbilligende Reaktion auf die russische Mißbilligungsmaßnahme angesehen werden. Also eine neue Variation des alten Themas: Schlägst du meinen Juden, schlag ich deinen Juden! Aber wer will hier an die "heranschleichende Gefahr glauben? Wer gelangt zu der Einsicht, daß es auch für Amerika ein Judenproblem gibt, daß auch hier die Judenfrage nicht „gelöst" werden kann? Noch beträgt die Zahl der Schekelzahler nicht mehr als 14 000, während New York 1 Million Juden zählt! Vielleicht trägt die glänzende Rede des kürzlich aus Palästina heimgekehrten Dr. Magnes, die dieser am 17. Mai vor einem etwa 500 köpfigen Publikum hielt, dazu bei, neues Interesse für zionistische Bestrebungen zu erwecken. Jedenfalls kann die Nationalfonds-Sammlung an diesem Abend nicht schlecht gefahren sein. Vielleicht wird der zündende Appell des berufenen Redners, dessen feuriger Optimismus die Hörer zu jubelnder Begeisterung hinriß, dazu beitragen, daß hier in Amerika von einer gut geregelten Organisation die Mittel aufgebracht werden, um endlich mit großzügigen Arbeiten beginnen zu können. Denn in diesem Lande der Riesendimensionen muß das bisher in Palästina Erreichte winzig erscheinen, und auf das Erwachen eines wirklich brennenden Interesses in weiteren Kreisen wird für nationaljüdische Arbeiten erst Ldann zu rechnen sein, wenn europäische und amerikanische Juden für irgendein Unternehmen ganz großen Stiles die nötigen Mittel und die erforderliche Energie aufgebracht haben werden, damit auf dieser Basis in beschleunigtem Tempo weitergearbeitet werden kann. Vereinsgründungen. An der landwirtschaftlichen Hochschule zu Massachusetts haben 16 jüdische Studenten einen Klub unter dem Namen „Hamigdol" gegründet. In diesem Klub sollen nicht nur Fachinteressen, sondern auch allgemeine jüdische Fragen erörtert werden, ferner wollen die jungen Landwirtschaftler Vortragsreisen veranstalten und auf die Bedeutung der staatlichen Landwirtschafts-Hochschulen hinweisen, sowie jüdischen Farmern Informationen von allgemein-jüdischem Interesse erteilen. Auch an den übrigen staatlichen Landwirtschaftsschulen haben sich die jüdischen Studenten zu Gesellschaften zusammengeschlossen. Es ist zu hoffen, daß mindestens der eine oder andere dieser jüdisch empfindenden Agronomen seine praktische Wissenschaft im Interesse der jüdischen Siedlungen in Palästina verwenden wird. Dem neugegründeten Frauenverein „Hadassalv* in New York sind, als Resultat einiger sogenannter „Drawingroom- Meetings", eine beträchtliche Anzahl neuer Mitglieder beigetreten. Vor einem größeren Publikum hielt Miß Henrietta Szold einen fesselnden Lichtbildervortrag über ihre Eindrücke in Palästina. Ehrungen für Hermann Struck. Bei einem von dem New Yorker Club der „Judaensu ihm zu Ehren veranstalteten Meeting hielt unser Berliner Gesinnungsgenosse Hermann Struck, der hier mit großem Erfolg eine Ausstellung seiner Werke veranstaltet hat, einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.