Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 24 DIE5&ELT 723 Holland Nationalfonds-Jubiläum In diesen Tagen feierte die jüdische Nationalfondsverwaltung in Holland ihr 10 jähriges Bestehen. Die Feier war zugleich auch ein Jubiläum unseres Gesinnungsgenossen A r o n o wi tz, der während dieser 10 Jahre unter Mitwirkung unseres Gesinnungsgenossen M. Prins die Nationalfondsirbeiten leitete. In den meisten Ortsgruppen wurde am Rüsttag les Schabuothfestes ein Blumentag veranstaltet. Junge Damen nid Herren boten kleine weiße Blumensträußchen mit blauen Schleifen feil. Der Ertrag, der für den Nationalfonds bestimmt \ ar, übertraf die Erwartungen, so daß man daran denkt, dieses '^lumenfest jährlich am gleichen Tage zu wiederholen. Die igentliche Jubiläumsfeier wurde am Sonntag, den 2. Juni, n Amsterdam begangen. In der Diament-Börse fand eine Machmittagsversammlung und ein gemeinschaftliches Diner 4att. Der Vorsitzende des Niederländischen Zentralkomitees, :)r. Franzie-Berenstein, hieß Herrn Dr. Bodeni e i m e r willkommen, der ein Palästinareferat hielt, in welchem r auf Grund seiner persönlichen Eindrücke ein Bild der palästinensischeil Verhältnisse entwarf. Herr Dr. Edersi e i m hielt ein Spezialreferat über den J. N. F. Herrn \ronowitz wurde das Diplom' seiner Eintragung in das Goldene ihich als Ehrengabe überreicht. Am Abend fand eine öffentliche '-ropagandaVersammlung statt. Vereinigte Staaten von Nordamerika New York. Herr Dr. J. L. Magnes sprach am 18. Mai n einer Versammlung der Federation of American < ionists. Er ist kürzlich von seinem zweiten Aufenthalte n Palästina zurückgekehrt und berichtete sehr begeistert über iie Fortschritte der jüdischen Kolonisation. Die fernere Entwicklung Palästinas erfordere Männer und Frauen, welche Craft und Energie zum Besten des Landes anwenden, die landwirtschaftlichen Niederlassungen verlangen Männer, welche der tndlichen Tätigkeit Liebe entgegenbringen und möglichst auch inige Mittel besitzen. Der Redner kam u. a. auch auf die indwirtschaftliche Versuchsstation zu sprechen, von der er agte, daß sie Hervorragendes leiste. Augenblicklich ist man ort bemüht, geeignete Methoden für die Maulbeerbaum- Kultur ausfindig zu machen, um Palästina mit der Zeit zu mem Gebiet der Seidenzucht und des Seidenexportes zu nachen. Die in den letzten Jahren entstandenen neuen jüdischen (olonien seien in jeder Weise der Neuzeit entsprechend organisiert, so daß man hoffen könne, daß sie immer größer ind stärker emporblühen werden. £Sf o o o a£Q_ PALASTINA Verkehrswesen in Jerusalem Die Stadt Jerusalem soll bald ihren eigenen Trambahnienst erhalten, da die Konzession bereits einer französischen irma verliehen wurde, die mit dem Bau der Linien noch ii Laufe dieses Sommers beginnen will. Eine englische Firma at eine Eingabe betreffend Beleuchtung der Stadt mit elektischem Licht gemacht, und ein deutsches Syndikat will die tadt mit Wasser versehen durch die Errichtung von großen eservoirs an Quellen, die ungefähr 16 Meilen von der Stadt atfernt liegen. Auch an die Pflasterung der Stadt und die analisierung denkt die Stadtverwaltung. Moderne Feuer- >schapparate sollen angeschafft und eine Telephonanlage herestellt werden. Die Polizei ist kürzlich mit Fahrrädern ausestattet worden. Aus Amerika wurde eine moderne Motortraßenwalze bezogen. Bau eines Hafens in Jaffa? Ein Projekt, von dem man schon seit 30 Jahren spricht, ->11 nun doch ausgeführt werden, nämlich der Bau eines Hafens ii Jaffa. Eine französisch-belgische Gesellschaft unter Beeiligung der Eisenbahngesellschaft Jaffa—Jerusalem soll sich um Bau des Hafens mit einem Kostenaufwande von 24 Milonen Francs erboten haben. Es heißt, daß die Regierung ait der Gesellschaft über die Bedingungen der Konzession >ereits einig sei, und daß nur noch die Zustimmung des Paraments erforderlich sei. Hoffentlich kommt die Sache diesmal wirklich zustande. Wer jemals bei stürmischem Wetter vor Jaffa gelegen und tagelang vergeblich aut die Möglichkeit der Landung gewartet hat, weiß, daß ein solcher Hafenbau unentbehrlich ist. Generalversammlung des Vereins für das Hebräische Gymnasium in Jaffa Am 10. und 11. Tammus (25. und 26. Juni) 1. J. findet in Jaffa die Generalversammlung der Agudath Hagimnasia Haibrith (Vereinigung des Hebräischen Gymnasiums) mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Aufsichtsrats. 2. Bericht des pädagogischen Rats. 3. Die Satzungen des Vereins. 4. Festsetzung des Etats für das Schuljahr 5673 (1912/13). 5. Neuwahl des Aufsichtsrats und der Kontrollkommission. 6. Verschiedenes. Blumentage in Jaffa und Jerusalem Am 23. Mai wurde in Jaffa im jüdischen Stadtviertel T e 1- A w i w ein Blumentag veranstaltet, der einen Reinertrag von 550 Frcs. ergab. Diese Summe wurde zur Hälfte dem J ü - dischen Nationalfonds überwiesen, während die andere Hälfte dem jüdischen Krankenhause in Jaffa zugute kam. Auch die jüdische Jugend in Jerusalem veranstaltet einen Blumentag zugunsten des Jüdischen Nationalfonds. Viele Schülergruppen haben sich organisiert, um den Verkauf der Blumen mit Erfolg zu betreiben. Mit großem Interesse sieht die jüdische Bevölkerung dem Blumentag entgegen, der wie ein Festtag gefeiert werden soll. Der Erlös ist für die Eintragung der Stadt Jerusalem ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds bestimmt. Diese Veranstaltungen sind ein weiterer Beweis für die großen Sympathien, die dem Jüdischen Nationalfonds im Lande seiner Wirksamkeit, in Palästina, entgegengebracht werden. Ein jüdischer Kulturverein in Jaffa Eine Gruppe jüdischer junger Leute, meist Absolventen der Jaffaer hebräischen Mittelschule „Tachkemoni", hat einen Kulturverein gesetzestreuer Richtung unter dem Namen „H a - tarbuth H a - J i s r e e 1 i t h" ins Leben gerufen. An der Spitze des neuen Kulturvereins steht Herr Oberrabbiner A. J. Kuk. Der Verein gedenkt auch eine hebräische Zeitschrift herauszugeben, die zweimal monatlich erscheinen und neben allgemein jüdischen Zeitfragen und palästinensisch-kolonisatorischen Angelegenheiten namentlich die kulturellen Probleme der jüdischen Gegenwart behandeln, überdies auch die schöne Literatur pflegen soll. Anstellung eines jüdischen Augenarztes in Jerusalem Den Bemühungen des Frankfurter palästinensischen Hilfsvereins ,,Lemaan Zion" ist es gelungen, in Herrn Dr. A. Ticho, z. Z. Assistent an der Klinik des Herrn Professor Dr. Bergmeister in Wien, einen Augenarzt zu gewinnen, der die Leitung der Jerusalemer Augenklinik des Vereins in nächster Zeit übernehmen wird. Bei der so bedauerlichen Verbreitung von Augenkrankheiten unter den Juden in Palästina muß die Entsendung eines jüdischen Spezialisten, dem der beste Ruf vorausgeht, freudig begrüßt werden. Ein versprengter jüdischer Nomadenstamm In Palästina hält sich zurzeit ein arabisch sprechender Jude namens J u s s u f b e n Jakob Achwan auf, der angibt, einem jüdischen Beduinenstamm anzugehören, der in der Wüste, fünf Tagereisen von Kuweit und 15 Tagereisen von B a s r a entfernt, nomadisierend lebt. Nach seiner Aus-« sage gibt es dort etwa 2500 jüdische Familien, die in Zelten wohnen und Viehzucht treiben. Sie sollen nach ihrer Ueberlieferung noch zur Zeit des ersten Tempels dorthin gelangt sein, weshalb sie den Talmud erst in letzter Zeit kennengelernt haben. Sie bezeichnen sich als die Nachkommen des Jonadab ben Rechab, die der Prophet Jeremias rühmend erwähnt. Nach seiner Angabe beabsichtigen viele von ihnen, nach Palästina überzusiedeln. Achwan spricht neben seiner