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Die Welt · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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im-m ^^t: y D Nr. 24 DIEEaEELT 715 Ein Wahlmanöver der Oktobristen In der Sitzung der Reichsduma vom 8. d. M. brachten 37 Abgeordnete einen Antrag ein, wonach die Dumakomniission, an die das Projekt zur Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsrayons vor zwei Jahren überwiesen worden war, verpflichtet werden soll, innerhalb acht Tagen dem Plenum Bericht zu erstatten. Die Reichsduma hat diesen Antrag merkwürdigerweise ohne Debatte angenomm e n. Man vermutet, daß es sich hierbei um ein Wahlmanöver der Oktobristenpartei handelt, die durch diesen Antrag die Sympathien der jüdischen Wähler vor den Dumawahlen gewinnen will. Es erscheint nicht ausgeschlossen, da 13 die Oktobristen sich nächste Woche in der Duma für die Abschaffung des Ansiedlungsrayons aussprechen werden. In der vierten Duma, der die Entscheidung in dieser Sache zufallen wird, werden sie und die anderen Parteien schon dafür sorgen, daß das Projekt verworfen wird. Zum Beilis-Prozeß Brasul-Bruschkowsky drahtet unter dem 6. Juni aus Kiew: Soeben erschien im „Kiewljanin" eine Notiz anläßlich meiner Enthüllungen zur Affaire Justschinsky. Wie der „Kiewljanin" zu berichten weiß, haben sich meine Enthüllungen als begründet herausgestellt. Es ist zu erwarten, daß die neuen Urnstände eine erneute Untersuchung y,ur Folge haben werden, worauf das gegen Beilis eingeleitete Verfahren aufgehoben werden wird. Die Verfügung des Gerichts betreffs Versetzung Beilis' in den Anklagezustand soll aufgehoben werden. Wie ich erfahre, soll die Staatsanwaltschaft bereits prinzipiell beschlossen haben, eine neue Untersuchung einzuleiten. Aus Kiew wird ferner berichtet: Von den Personen, die der Journalist Brasul-Bruschk o w s k y in seiner zweiten Denkschrift als die mutmaßlichen Mörder Justschi.nskys bezeichnete, sitzen drei wegen anderer Vergehen im Gefängnis. Nur die Frau Tscherebyakowa, von der angenommen wird, daß sie die eigentliche Anstifterin der Mordtat war, befindet sich noch immer auf freiem Fuße. Nun hat der Gendanneriegeneral I w a n o w , der die Untersuchung betreffs der Meldung Brasuls leitet, dieser Tage den Staatsanwalt dringend ersucht, die Verhaftung der Tscherebyakowa anzuordnen, da sie nach zuverlässigen Mitteilungen Vorbereitungen trifft, nach Kanada zu entfliehen. Auch einige andere Personen, die der Mitschuld an der Bluttat verdächtig sind, sollen Anstalten getroffen haben, nach dem Auslande zu entkommen. Bisher hat der Staatsanwalt dem Antrage Iwanows noch nicht stattgegeben. Auszeichnung des Pogromagitators Purischkewitsch Anläßlich der Gedenkfeier der hundertjährigen Zugehörigkeit Bessaräbiens zum russischen Reich hat der berüchtigte blutrünstige Judenfresser Wladimir Purischkewitsch vom Zaren sein Bildnis zum Geschenk erhalten. Gleichzeitig wurde er, obwohl er kein Beamter ist, zum Wirklichen Staatsrat ernannt. Die Nachricht von der Auszeichnung des übelberufenen antisemitischen Maulhelden, der sich auch in der Reichsduma oft durch Provozierung widerlicher Skandalszenen hervorgetan hat, wird selbst in konservativen politischen Kreisen, namentlich unter den Oktobristen, mit peinlichem Befremden aufgenommen. Die Ehrung eines Purischkewitsch ist jedenfalls für die ganze Stimmung in den hohen Regierungskreisen von symptomatischer Bedeutung. Der Tag von Drohobycz (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Am 19. Juni jährt sich zum ersten Male der blutige Tag von Drohobycz, an welchem eine ganze Schar braver, schlichter Gesinnungsgenossen bei Ausübung der Wahlpflicht hingemordet wurde. Die Ursache der traurigen Ereignisse sind noch in frischer Erinnerung. Mit einem Heroismus sondergleichen hatte sich gleich bei den ersten Wahlen für das Parlament des allgemeinen Wahlrechts das jüdische Volk Galiziens im Jahre 1907 erhöben, um die politische Mündigkeit zu erkämpfen. Sogar die Gegner waren geblendet von dem selbstlosen Idealismus, mit dem der so verhöhnte Kaftanjude vielfach sogar seine Existenz in die Schanze schlug und allen Schikanen der Machthaber zum Trotz für die zionistischen Kandidaten stimmte. So konnte man damals trotz der berüchtigten galizischen Praktiken bloß die Hälfte der bereits tatsächlich erworbenen zionistischen Mandate unterdrücken. Als aber der ,,Jüdische Klub" im Abgeordnetenhause die Wirtschaft der galizischen Gewaltherrscher beleuchtete, als man vollends wagte, die Opfer der Schlachzizenpolitik, die brotlosen jüdischen Schänker, über die Wiener Ringstraße zu führen, da beschlossen der Polenklub und seine jüdischen Hörigen: Kein Zionist darf fürderhin aus galizischen Wahlkreisen hervorgehen. In welcher Weise dieser Beschluß anläßlich der Juniwahlen 1911 insbesondere in Drohobycz durchgeführt wurde, und daß leider Juden, vor allem der berüchtigte Kultusvorstand Feuerstein, an den furchtbaren Ereignissen mitschuldig waren, ist nur allzu bekannt. In den Wählerlisten fanden sich die Namen von 1330 Juden, die überhaupt in Drohobycz nicht existieren. In einer Strohhütte von 28 Quadratmetern Flächenraum wohnten laut Wählerliste 68 Wahlberechtigte. Am Wahltage stauten sich die Oppositionellen vergeblich vor dem Wahllokale: der Eintritt war ab 6 Uhr früh nur gegen Passierschein zugänglich. Vor aller Augen wurde der gröbste und frechste Mißbrauch unter Feuersteins Leitung getrieben, und als die Erregung in den genarrten und betrogenen Massen bedrohlich stieg — wurde sie mit Gewehrsalven und Bajonettangriffen erstickt. 23 Tote, 50 Verwundete mußten büßen, daß Lö w e n - stein, der Polenklubjude, seine Wahl gewaltsam durchsetzen wollte. Niemand durfte die Gefallenen zum Kirchhof geleiten. Im Dunkel der Nacht, unter Militärassistenz, hat man sie verscharrt. . . . Tief beschämend war das Verhalten des österreichischen Parlaments nach diesem Blutbade. Die Reden der Abgeordneten Diamand, Breiter und Strau eher wurden vor tauben Ohren und harten Herzen gehalten - handelte es sich doch vorwiegend um eine Judensache und die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission wurde a b g e 1 e h n t. Eine namentliche Abstimmung im österreichischen Parlamente Wien. Wir berichteten in der jüngsten Nummer über den wichtigen Antrag des tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten Schmeral, der lautete: „P o 1 i t i s c h e , nationale und konfessionelle Gründe dürfen bei Anstellung von Beamten keinen Einfluß übe n." Der Antrag drang durch. Bei der namentlich e n Abstimmung hatte man aber Gelegenheit, das Verhalten der sogenannten „Deutschfreiheitlichen", an die der Antragsteller nicht ohne Ironie appelliert hatte, kennen zu lernen. Die mit Hilfe der Brünner Jude gewählten Abgeordneten D* Elvert und Lecher sti inten dagegen. Die getauften Juden Licht und Redlich absentierten sich, ebenso Dr. Löwenstein, der Abgeordnete von Drohobycz. Die Annahme des Antrages ist aus prinzipiellen Gründen warm zu begrüßen — wenn auch praktisch damit für die Juden nicht viel gewonnen ist. Die Ausschließung jüdischer Kompetenten von zahlreichen Beamtenkategorien war ja auch bisher ungesetzlich. Gleichwohl wurde sie skrupellos geübt und wird — wie man leider fürchten muß — in gleichern Maße auch weiterhin geübt werden, bis die österreichische Judenschaft aus dem gegenwärtigen Partikularismus erlöst, bis eine zielbewußte, national jüdische Politik gereift ist. Bis dahin hat es leider noch gute Wege. Wertvoll ist uns aber im Augenblick das Ergebnis dieser namentlichen Abstimmung. Die von Juden gewählten Deutschfreiheitlichen — kein einziges Mitglied des Deutschen Nationalverbandes stimmte pro — sind demaskiert, die mährischen Täuflinge gebrandmarkt.

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