Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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712 DIE3U0ELT Nr. 24 anderen Stellen unserer Organisation, die an der besagten Taktik noch festhalten, vielleicht auch die Gelegenheit zur Korrektur der Anschauungen leichter ergreift. Unsere Taktik der Versöhnung mit den Assimilanten hat nämlich das gleiche Loch wie die liberale Taktik der Assimilation an die Wirtsvölker; sie hat ein zweiseitiges Rechtsgeschäft zur Voraussetzung, eine einseitige Liebeserklärung genügt nicht. Und genau so wenig wie die Wirtsvölker die Juden akzeptierten, solange sie noch durch irgend etwas Jüdisches von ihnen abwichen, genau so wenig akzeptierten die Assimilanten die Zionisten, solange noch irgend etwas Zionistisches an ihnen war; auch das harmloseste Krankenhaus in Palästina blieb ihnen suspekt, sobald es unsere Unterstützung fand. Gar von irgendwelcher ins -Gewicht fallenden materiellen Unterstützung der palästinensischen Kolonisation konnte überhaupt keine Rede sein. Was haben wir für Zeit, Kraft und Aerger an die A. I. K. O. verwendet — und sie bekam doch kein Geld, so antizionistisch sie auch von ihrem Impresario geschickt autfrisiert wurde. Vom Wiener Kolonisationsverein — dem ersten Star des gleichen Impresario — weiß niemand, ob er überhaupt noch existiert. Also, wie Reuter sagt: „Rindfleisch mit Pflaumen ist sehr gut, bloß kriegen tun wir's nicht." Gegen 10 Millionen Mark Kasse für Palästinakolonisation wäre vielleicht der eine oder andere in unseren Reihen heute noch bereit, den Liberalen seine jüdisch-nationale Seele zu verkaufen — nur gibt ihm keiner einen Groschen dafür. Von den normalen feld-, wald- und wiesenläufigen Assimilanten ist und war für uns nie etwas zu holen; jede Hoffnung auf sie erwies sich als Phantasmagorie. Wohl gibt es einzelne Schnorrgenies, die sogar dem Getauften den Hundertkronenschein abpressen; aber sie irren sich, wenn sie aus ihrer persönlichen Beliebtheit und ihrem persönlichen Ansehen, die ihnen dieses Vorgehen gestatten, eine allgemein gültige politische Theorie machen, und so lobenswert ihre Tätigkeit im Einzelfalle auch sein mag, sie dient nicht zur Volkserziehung wie der Sehekel oder der Nationalfonds, die mit jeder Einzelgabe den Spender enger mit der Volksgesamtheit verbinden. Abgesehen von solchen ganz vereinzelten Fällen fließen uns aus nichtzionistischen Kreisen nur von solchen Personen Mittel zu, die uns innerlich bereits nahe verbunden sind, und diese stehen für Kolonisationsarbeiten, die sie interessieren, immer zur Verfügung, ob wir nun als Organisation nach außen hin schärfer oder milder auftreten. Aber abgesehen davon, daß diese Taktik ihren einzigen Zweck, Geld zu bringen, vollständig verfehlt, so birgt sie die Gefahr, in sich, daß sie die leitenden Persönlichkeiten, die sie verfolgen, trotz aller Intensität der zionistischen Gesinnung durch das fortwährende Lavierenmüssen allmählich korrumpiert und in die Massen, die das Lavieren nicht begreifen können, Verwirrung trägt. Sie ruiniert somit naturnotwendig die Grundlagen unserer Organisation. Es kann für uns — und wir haben das in den letzten Jahren in Deutschland zweifelsfrei gesehen — nur eine Taktik geben, das ist die der Erziehung und Organisierung des Volksganzen im Geiste reinsten Nationaljudentums auf dem Boden allerweitester Demokratie. Es ist das auch die alte, bewährte Taktik Theodor Herzls. Flectere si nequeo Danaos, Acheronta movebo. Wir sind die geborenen Vertreter aller Ansprüche und Forderungen der jüdischen Masse gegen Oligarchie und Plutokratie. Es darf und kann bei uns keine Unterschiede geben zwischen arm und reich, zwischen Inländer und Ausländer; sonst nisten sich alle Schäden, die wir den Assimilanten auszutreiben versuchen, in unsere eigene Organisation ein. Auf diesem Wege gewinnen wir immer weitere Kreise, die von uns politisch geschult und mit dem eisernen Ringe unserer Organisation umfaßt werden. Je stärker wir werden, desto mehr fallen uns die Mittleren und Schwankenden zu, und durch die Jugend dringen wir auch in die Kreise der herrschenden Schicht ein, bis Schritt um Schritt in zähem, notfalls jahrzehntelangem Kampf allüberall in jedem Verein, in jeder Gemeindestube wir den Feind niedergerungen haben, und der jüdische Liberalismus nur noch als fossiles Monstrum in den Schreckenskammern der Panoptica dem Abscheu der Nachwelt aufbewahrt wird. Dies ist der Weg, wir haben ihn mit Erfolg betreten, wir werden ihn zu Ende gehen. Dann aber haben wir wirklich das ganze jüdische Volk um uns gesammelt als organisierte, disziplinierte, von einheitlichem, nationalen Willen beseelte Kerntruppe, und dann stehen uns auch finanziell für unsere Kolonisation unbegrenzte Mittel zur Verfügung. Bis dahin aber heißt es ausharren, persönlich jedes Opfer für Propaganda und Kolonisation bringen und den Ausbau der Organisation nach Möglichkeit beschleunigen. Schon heute ist unsere Organisation die größte Geldquelle an Beiträgen, die in der Judenheit existiert. Sie ist noch uneinheitlich, noch schwach, noch lückenhaft. Jedes neue Band, das sich, um unsere Reihen schließt, jeder neue Kämpfer, der zu uns stößt, stärkt uns in der Gewinnung der Juden hier, des Judenlandes drüben. So gibt es nur eine einheitliche Taktik für die zionistische Organisation in aller Welt, und das ist die der nationalen Demokratie. Mit ihr werden und müssen wir siegen. Dr. H. G. Hcyman n. ______________oooooo* e t l Gesinnungsgenossen | welche in Deutschland und auch in anderen t Ländern Einkäufe zu besorgen haben, werden im eigenen 0 Interesse gebeten, sich an den unterzeichneten Verlag zu wenden. Wir erteilen kostenlos sachgemäße Auskunft über beste und billigste Bezugsquellen und stellen — speziell in Deutschland — unsere bei den Fabrikanten und Firmen £ gut eingeführten Vertreter jedem, der zwecks Wareneinkauf hierherkommt, zur Verfügung. t t C Exporteuren nach Deutschland oder andern C Ländern, die Landesprodukte oder sonstige Artikel einzuführen wünschen, werden gute Absatzquellen nachgewiesen. Vertreter und Wiederverkäufer für alle Branchen, die gut eingeführt sind und über Ia. Referenzen verfügen, können durch uns kostenlos lohnende Vertretungen erhalten. 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