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Die Welt · 1912-06-07 · 23 (7.6.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sehen Kaufleute ausgearbeitet. Danach haben die Polizei Verwaltungen der inneren Gouvernements genau die Zeit des Eintreffens und der Abreise der jüdischen Kaufleute und ihrer Gehilfen in besonderen Büchern zu verzeichnen. Diese Maßnahme wird mit den in letzter Zeit häufig vorgekommenen Verletzungen des Gesetzes über den zeitweiligen Aufenthalt der Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons begründet. Juden und Griechen in Saloniki (Von unserem Berichterstatter.) Saloniki. Der griechische Metropolit unserer Stadt, Joachim, ist in dieser Woche im Alter von 46 Jahren gestorben. Er stand seit 2 Jahren an der Spitze der griechischen Gemeinde in Saloniki und hat sich durch seinen Weitblick und durch seine Mildtätigkeit nicht nur im Interesse seiner eigenen Gemeinde, sondern auch in vielen anderen Fällen ausgezeichnet. Er war mit unserem Großrabbiner und unserer Gemeinde durch freundschaftliche Beziehungen verbunden und gab davon oft Beweise. An den Beerdigungsfeierlichkeiten nahmen auch die jüdischen Einwohner Salonikis teil und bekundeten ihr herzlichstes Mitgefühl. An der Spitze von 12 Rabbinern im Ornat erschien der Großrabbiner, der Gemeinderat und zahlreiche Vertreter der verschiedenen jüdischen Institutionen. Die Läden waren geschlossen. Der Gemeindekonflikt in Bulgarien Wir erhalten eine Zuschrift aus Bulgarien über einen tiefgehenden Konflikt zwischen der zionistischen Landesorganisntion und dem Großrabbiner Dr. Ehrenpreis. Im Interesse der zionistischen Arbeit in Bulgarien halten wir es für notwendig, die Oeffentlichkeit mit diesem Konflikt bekannt- / iimachen, da es sich offenbar weniger um persönliche, als tun sachliche Gegensätze handelt. In dem Schreiben heißt es: ,,Das bulgarische Judentum fand sich nach Befreiung des Leindes durch die Russen im Jahre 1878 auf derselben Stufe des geistigen und gesellschaftlichen Lebens, auf welcher bis vor kurzem die ganze orientalische Judenheit stand. Zuerst brachte die Alliance mit ihren Schulen die ersten Anfänge der westlichen Kultur und Sitten. Die chowewe-zionistische Bewegung fand schon in Bulgarien eine Anzahl Anhänger, und als im Jahre IS'95 Marco Baruch in Bulgarien erschien, fand er einen günstigen Boden für die Propaganda des nationalen Gedankens und gründete eine Reihe Nationalvereine „Carmel". Im darauffolgenden Jahre ertönte der Ruf Theodor Herz, ls, und die Zionisten Bulgariens schlössen sich sofort der allgemeinen Organisation an. Mit dem Wachsen der zionistischen Bewegung in Bulgarien begann die Alliance ihre aktive Tätigkeit gegen die Bewegung, welche infolge ihres nationalen Charakters und ihrer demokratischen Tendenzen, nicht ohne Grund, der Alliance für ihre selbstherrliche assimilatorische Schul- und Gemeindepolitik gefährlich schien. In Rundschreiben an ihre Schuldirektoren forderte die Alliance diese auf, die zionistische Bewegung mit jeglichem Mittel zu bekämpfen. Es waren damals die. Alliancedirektoren, welche die Judenschaft Bulgariens gegen die Zionisten zu organisieren sich bemühten. Daß alle offiziellen Gemeinden unter dem Einfluß der Alliance standen, braucht wohl hier nicht besonders betont zu werden. Und die Zionisten Bulgariens sahen bald ein, daß, solange das Schulwesen in den Händen der Alliance blieb und ihr Einfluß auf die Gemeinden bestand, kein Fortschritt der nationalen Idee im Lande möglich sei, und so wurde auf dem ersten im Jahre 1898 in Philippopel abgehaltenen Zionistentage mutig der Kampf gegen die allmächtige Alliance aufgenommen. Die Zionisten waren damals in der Minderheit im Lande, besaßen aber die Begeisterung, welche der Alliance und ihren Anhängern fehlte. Als die Alliance sich anschickte, den vakanten Posten des Großrabbiners von Bulgarien mit einer ihrer Kreaturen zu besetzen, waren es die Zionisten, welche dies mit dem Aufgebot ihrer ganzen Kraft verhinderten, und als Herzl im Jahre 1900 die Mithilfe der bulgarischen Zionisten anrief, um Dr. Ehrenpreis zu dem Posten des Großrabbiners zu verhelfen, waren es die Zionisten, welche es durchsetzten, daß Dr. Ehrenpreis zum Großrabbiner von Bulgarien gewählt wurde. Dr. Ehrenpreis kam nun nach Bulgarien, und es schien, als ob er, ein Zionist von Ruf, der er war, das geeignete Milieu gefunden habe." Es wird dann in dem Brief auseinandergesetzt, daß Dr. Ehrenpreis, nachdem er das Amt angetreten hatte, nicht mehr mit den Zionisten zusammenging, sondern sich auf die Seite der Notabein in den Gemeinden stellte. Er durchkreuzte die agitatorische Tätigkeit der Zionisten durch ein Rundschreiben, in welchem er den Laien verbot, öffentlich Vorträge in den Synagogen zu halten. „Aber trotz alledem änderten sich allmählich die Kräfteverhältnisse der Zionisten und ihrer Gegner zugunsten der ersteren. Die Alliance wurde gezwungen, eine Position nach der anderen zu verlassen, und die Schulkomitees sind in Bulgarien sämtlich zionistisch geworden, daher die Schulleitung und das Programm national. Auch die größten jüdischen Gemeinden Bulgariens (Philippopel, Rustschuk, Viddin, Varna) bekamen bei den allgemeinen Gemeindewahlen im Jahre 1911 zionistische Kultusvorstände, und Sofia ist nur dank einem Kompromiß (die Zionisten behielten die Majorität in den Schulkomitees) in den Händen der Gegner geblieben/4 Es war jedoch, wie in dem Schreiben ausgeführt wird, für die bulgarischen Zionisten sehr schwer, ihre Erfolge auszunutzen, weil der Großrabbiner nicht in ihrem Sinne wirkte. Neuerdings hat sich der Konflikt dadurch besonders verschärft, daß er sich den Wünschen der bulgarischen Judenschaft nach Einberufung eines < i e m e i n d e k o n g r e s s e s widersetzte. Nur von einem solchen Kongreß ist eine Regelung der innerlichen Verhältnisse der bulgarischen Judenheit zu erwarten. Besonderen Unwillen erregte es, daß der Oberrabbiner seinen Einfluß geltend machte, um die Annahme eines Schulgesetzes für die jüdische Gemeinde zu verhindern, durch welches die Erhebung von Steuern von den Gemeindemitgliedern zur Sicherung des Schulwesens bestimmt werden sollte, lieber diese Angelegenheit haben wir in einer der früheren Nummern ausführlich berichtet. Diese bedauerlichen Konflikte führten sogar zu Straßendemonstrationen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Zwistigkeiten, die in dem Schreiben erwähnt sind, recht bald beseitigt werden, und dazu scheint uns die Einberufung eines Genieindekongresses, auf dem die Parteien sich aussprechen können, in der Tat als der geeignetste Weg. Auch im zionistischen Interesse wünschen wir diesen Friedensschluß, damit die Einheitlichkeit der zionistischen Arbeit in Bulgarien gewahrt bleibt. Die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten im März d.J, Im Laufe des Monats März d. J. landeten im hiesigen Hafen 4108 jüdische Einwanderer (2215 männliche und 1S93 weibliche Personen), gegenüber 4406 jüdischen En Wanderern im März 1911. Von diesen jüdischen Einwanderern kamen 2712 aus Rußland. An barem Gelde führten die jüdischen Einwanderer 101 350 Dollar mit sich. Von den 4108 Immigranten wurden 43 seitens der Einwanderungsbehörde zurückgewiesen und mußten die Rückreise antreten.

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