Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 22 DIE2$?ELT 657 II. Antrag der Ortsgruppe Tarnowitz: „Das Zentralkomitee hat die Einrichtung von zionistischen Fortbildungskursen im Rahmen der Gruppenverbände und Ausbildungskursen im Rahmen der Ortsgruppen mit tunli'chster Beschleunigung in die Wege zu leiten. Zur Unterstützung der Kurse ist ein praktisches zionistisches Kompendium herauszugeben." III. Antrag Zlocisti-Estermann: „In Konsequenz der überragenden Bedeutung der Palästina-Arbeit für die Befreiung der Einzelpersönlichkeit, sowie als Mittel der Erreichung unseres Endziels, erklärt es der Delegiertentag für die Pflicht jedes Zionisten, in erster Reihe der wirtschaftlich Unabhängigen, die Uebersiedlung nach Palästina in ihr Lebensprogramm aufzunehmen. In jedem Falle sollte jeder Zionist für sich persönliche Interessen in Palästina schaffen." JV. Antrag des Zentralkomitees: „Die Ortsgruppen sind verpflichtet, einen Jahresbeitrag von 12 M. einzuführen und ihn in Raten von vierteljährlich 3 M. oder monatlich 1 M. einzuziehen. Aus diesem Jahresbeitrag ist das Rundschau-Abonnement von 4 M., der Schekel von 1 M. und der Landesbeitrag von 3 M. für sämtliche Mitglieder jährlich abzuführen/' V. Antrag des Zentralkomitees betreffs Aufbringung des Zentralfonds : „Das Zentralkomitee erwartet, daß die aus Deutschland dem Zentralfonds zufließenden Beiträge mindestens 15 000 Mark ergeben werden und fordert die Ortsgruppen auf, alles daran zu setzen, um diesen Betrag aufzubringen." In der Nachmittagssitzung wird zunächst folgende Resolution zur Abstimmung gebracht: „Der Delegiertentag wählt eine aus 12 Mitgliedern bestehende Kommission, welche gemeinsam mit dem geschäftsführenden Ausschuß des Zentralkomitees die Richtlinien für die Beteiligung der Zionisten an der jüdischen Gemeindepolitik ausarbeiten soll/' In dieses Komitee werden folgende Herren gewählt: Dr. Pelz, Dr. Isaac Strauß, Dr. Klee, Dr. Kollenscher, Dr. Viktor, Dr. Stahl, Dr. Zwirn, Max Goldreich, Dr. Witkowsky, Rechtsanwalt Tannenwald, Lazarus Barth und Arnold Wiener. Auf ein an den deutschen Kaiser gerichtetes Telegramm ging folgende Antwort ein, die mit stürmischem Beifall begrüßt wurde: „Seine Majestät der Kaiser und König lassen den dort versammelten Vertretern der deutschen Zionisten für ihren Huldigungsgruß danken. Der Geheime Kabinettsrat von Valentini." iSodann macht namens des Permanenzausschusses Herr Julius Simon Vorschläge für die Neuwahl in den geschäftsführenden Ausschuß, das Zentralkomitee und den Zentralausschuß. Herr Rechtsanwalt Dr. Artur H a n t k e wird durch Zuruf /um Vorsitzenden des Zentralkomitees wiedergewählt. (Lebhafter Beifall.) Ferner werden per Akklamation gewählt: Für den geschäftsführenden Ausschuß: Kurt Blumenfeld, Dr. H. G. Hey mann, Dr. Alfred Klee und Leo Motzkin. Für das Zentralkomitee: Dr. Ascher, Dr. Becker, Dr. Bodenheimer, Estermann, Dr. Friedemann, Rechtsanwalt Grone^- mann, Dr. Halpern, Dr. Jeremias, Dr. Kalmus, Dr. Kollenscher, Dr. Leszynsky, Lichtheim, Dr. Moses, Dr. Pelz, Kurt Rosenbaum, Eh-. Sandler, Hugo Schachtel, Julius Simon, Fritz Sondheimer, Dr. Stein, Dr. Isaac Strauß, Rechtsanwalt Weinberg, Arnold Wiener und Max Wollsteiner. Für den Zentralausschuß der Gesamtorganisation: Dr. H. Estermann, Dr. Kollenscher, Hugo G. Heymann, Dr. Kalmus, Dr. Elias Strauß und Arnold Wiener. Als Ersatzdelegierte: Schachtel und Dr. Stein. Die bisherigen Revisoren werden wiedergewählt. Es wird nunmehr in die Spezialdebatte über Jugendpropaganda eingetreten. Auf Vorschlag des Vorsitzenden beschließt der Delegiertentag, daß ein Vertreter der Jugendvereine, der nicht Delegierter ist, zu Worte kommt. Rechtsanwalt Greifen h agen überbringt dem Delegiertentag im Namen des Ausschusses des soeben stattgefundenen Turntages die herzlichsten Grüße und Glückwünsche und gibt Kenntnis von der wichtigen, die Frage der nationalen Betätigung innerhalb der Turnvereine betreffenden Aenderung des Statuts der jüdischen Turnerschaft. Die Mitteilungen des Redners werden mit lebhafter Zustimmung entgegengenommen. Referendar Felix Rosenblüth berichtet über die Ergebnisse der am Vormittag stattgefundenen Besprechung über Jugendpropaganda und befürwortet die zu diesem Punkte vorgeschlagenen Resolutionen des Zentralkomitees. In der sich anschließenden Debatte sprechen die Herren H. Margulies, Kurt Blumenfeld, Dr. Jeremias und Eisenberg. Es wird beschlossen, eine Altersgrenze für die Zugehörigkeit zu den zionistischen Jugendvereinen festzusetzen. Die Feststellung des Alters soll dem Zentralkomitee überlassen bleiben. Die nachfolgenden vom Zentralkomitee vorgeschlar genen Resolutionen werden angenommen: „Der Delegiertentag ist der Ansicht, daß die systematische körperliche Ausbildung der Juden für die Erhaltung des Judentums und für die Stärkung des jüdischen Volksbewußtseins von hoher Bedeutung ist. Der Delegiertentag erkennt daher die nationaljüdischen Turn- und Sportvereine, deren Programm neben der Pflege von Turnen und Sport auch die Veranstaltung von Vortragsabenden, jüdischen Geschichts- und hebräischen Sprachkursen darstellt, als wesentliche Bestandteile der nationaljüdischen Bewegung an. — Er sieht in ihnen zugleich das beste Mittel, um die Jugend zur Liebe zum Judentum und zur lebendigen Anteilnahme an den Ideen der jüdischen Renaissance zu erziehen, weil nur solche Jugendvereine imstande sind, erzieherisch zu wirken, die ihre Mitglieder zur aktiven Betätigung innerhalb des Vereins heranziehen und dadurch ein dauerndes inneres Interesse an den Tendenzen des Vereins erwecken. Allen jungen Zionisten wird die aktive Anteilnahme an der nationaljüdischen Turnbeweguhg, allen älteren Zionisten ihre ideelle und materielle Förderung zur Pflicht gemacht. Der Delegiertentag ist der Ansicht, daß für die Verbreitung der zionistischen Idee unter der jüdischen Jugend und für die Schulung und Vorbereitung der zionistischen Jugend zur Arbeit innerhalb der Partei der Zusammenschluß der jungen Zionisten in den zionistischen Jugendgruppen erforderlich ist. Die Aufgaben der zionistischen Jugendgruppen erblickt er in a) der Veranstaltung von Jugendagitationsversammlungen, b) Veranstaltung von zionistischen Leseabenden, Diskutierübungen und Ausbildungskursen, c) Veranstaltung von jüdischen Geschichts- und hebräischen Sprachkursen, soweit diese Kurse nicht durch andere Organisationen, insbesondere die nationaljüdirschen Turnvereine, veranstaltet werden. Die Mitarbeit in zionistischen Jugendgruppen berührt in keiner Weise die Mitgliedschaft unserer Gesinnungsgenossen in den neutralen Jugendorganisationen." Die vom Zentralkomitee vorgeschlagenen Statutenändeu rungen werden angenommen.