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Die Welt · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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652 liehen Rahmen gehalten, sich zu einem kolonisatorischen System zusammenfügen. Dieses kolonisatorische System wiederum ist ein Teil des politischen Programms, nach dem wir arbeiten und steht daher in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer im engeren Sinne politischen Arbeit, die ihr Zentrum in Konstantinopel hat. In K o n s t a n t i ii o p e 1, dem Zentrum des türkischen Reiches und des türkischen Judentums, muß auch die Entscheidung über unsere Arbeit in Palästina fallen. Ist doch Palästina als Provinz des türkischen Reiches von den allgemeinen Schicksalen dieses Landes, von der Ausgestaltung seiner Gesetzgebung, seiner Verwaltung, seiner kulturellen Entwicklung abhängig. Und sind wir doch darauf angewiesen, die türkische Judenheit, d. h. die alteingesessene Judenheit der Türkei für unsere Ziele zu gewinnen, da wir ja in dieses Land eine neue jüdische Einwanderung lenken. Auch hier können wir konstatieren, daß die auf dem Ciebiete jüdisch-nationaler Erziehung, durch Entwicklung einer nationalen Presse, durch Gründung von Turn- und Studentenvereinen geleistete Arbeit dank der einheitlichen Leitung unserer Organisation in das System unserer Palästinapolitik sich harmonisch einfügt. Auch unsere im wesentlichen informatorische Arbeit gegenüber den europäischen M ä c h t e n , die bisher als unsere politische Arbeit Hazi^r/r^ bezeichnet wurde, erfolgt unter dem Gesichtswinkel der Palästinapolitik. Unter diesen Aktionen für das Land darf die Arbeit für das Volk oder besser gesagt, die Arbeit i m Volk, nicht leiden. In den Jahren der Ausgestaltung unseres Systems, des Werdens der zionistischen Theorie war die Arbeit im jüdischen Volk selbst teils vernachlässigt, teils systemlos betrieben worden. Hier ist erfreulicherweise in den letzten Jahren ein Umschwung eingetreten, der allmählich alle unsere Landesverbände ergreift. Die Organisation festigt sich, denn überall verbreitet sich die Einsicht, daß Parteisekretariate für die Propaganda und Parteibureaus für die Organisation, eine vom Landesverband beeinflußte Presse, festgefügte Ortsgruppen unerläßliche Vorbedingungen für eine einheitliche nationale Erziehung sind, daß hinter dem Agitator eine stramm organisierte Partei als Deckung stehen muß. Nur durch eine starke Zentralisierung erhält auch das geistige Leben innerhalb der Organisation die straffe Einheit des Denkens, die wiederum die Einheit im Wollen und im Handeln erzeugt, deren Erfolge wir überall sehen. Sozialdemokratie, Zentrum, Bund der Landwirte sind, um nur Beispiele politischer Parteien zu nehmen, deutliche Beweise, was eine derartig im Denken und Handeln geeinte Organisation vermag. Bereits jetzt zeigen sich die Folgen dieser Tätigkeit in dem Wachstum unserer Institutionen, die bereits vor einem Jahr auf einen Vermögensbestand von neun Millionen Mark und auf eine Jahreseinnahme von 800 000 M. gestiegen waren. Die Schekelsammlung zum bevorstehenden XL Kongreß des Jahres 1913 und die Sammlung für den Zentralfonds des Actions-Comites werden auch die Ausdehnung unserer Ortsgruppen durch ziffernmäßiges Anwachsen der Schekelgelder und Zentralfondsbeiträge dartun. Dieses äußere Wachstum der Vereine, der Schekelgelder und der Sammlungen ist, soweit nicht die allgemeinen politischen Verhältnisse ihr Ergebnis beeinträchtigen, auch für das geistige Leben innerhalb unserer Organisation, für die fortschreitende nationale Erziehung unseres Volkes das beste Barometer. Denn dieses Wachstum kann nur die Folge intensiver nationaler Arbeit in unserer Mitte sein. Und diese intensive nationale Arbeit kann insbesondere bei allen Sammlungen nur deswegen diese Erfolge zeitigen, weil sie das palästinensische Prinzip in den Mittelpunkt des nationalen Gedankenbaus setzt und so jeden einzelnen persönlich mit Palästina verbindet. So wird die nationale Propaganda zur Grundlage und Voraussetzung un- Nr. 22 serer Palästinaarbeit und erweist sich somit als echtes Kind unserer palästinozentrischen Nationalpolitik. * Dieser kurze Ueberblick über die Arbeit unserer Zentral instanzen ist erforderlich, wenn man die Spezialarbeit unsere^ deutschen Landesverbandes richtig einschätzen will Denn es wäre ungerecht, wenn wir unsere Leistungen in Deutschland losgelöst von dem allgemeinen zionistischen Leben betrachten würden. Die einzelnen Leistungen und ganz besonders das Gesamtbild der geistigen Entwicklung des deutschen Zionismus sind bedingt durch die allgemeine zionistische Ten denz und auch da von ihr abhängig, wo gerade deutsche Zio nisten die Richtung und die Tendenz bestimmt haben. Diese gegenseitige Abhängigkeit der Landesverbände von einander zu betonen, ist um so notwendiger, als die Tendenzen der Zersplitterung, wie wir sie im Leben der assimilierten Juden sehen infolge des Einflusses unserer Umgebung sich immer wieder auch in unseren Reihen geltend machen und die Verschmelzung der Zionisten aller Länder zu einer einheitlichen Organisation aufhalten. Die Geschichte unserer Bewegung zeigt uns, dal) gar oft angeblich prinzipielle Differenzen ihren wahren Grund in dem mangelnden geistigen Zusammenhang hatten. Heute^ wo sich überall die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer starken Zentralisation durchgesetzt hat, wo eine wahre Sehnsucht nach Einheitlichkeit in der Arbeit und in der Propagand; herrscht, sollten diese Zusammenhänge immer wieder betont werden, ganz besonders von dem deutschen Landesverband, dessen Bedeutung in unserer Organisation von Jahr zu Jalu gestiegen ist. Der Verlauf aller Zionistenkongresse vom VI. Kongreß im Jahre 1903 ab, wo zum erstenmal eine stärkt deutsche Landsmannschaft erschien, ließ diesen hohen Rann des deutschen Zionismus besonders deutlich erkennen. Er hat seinen Grund nicht im zahlenmäßigen Aufschwung. Bilden doch auch die deutschen Juden nur 5VV!<> des jüdischen Volkes also eine verschwindende Zahl — nicht in der Fortentwicklung der nationaljüdischen Gedankenwelt, deren Hauptvertrete wir mindestens in gleicher Anzahl unter unseren russische! österreichischen und galizischen Freunden finden, sondern n der Energie des Auftretens nach außen und in der Fälligkeit die Kräfte organisatorisch zusammenzufassen. Die Zahl der organisierten Zionisten Deutschlands ist n den Jahren 1910 und 1911 von 6200 auf 8400 gestiegen. Wn marschieren damit schon rein zahlenmäßig an der Spitze des jüdisch-politischen Organisationen Deutschlands, und wir dürfci dieses Ergebnis um so höher anschlagen, als wir wirklich v<> unseren Anhängern mehr fordern, als irgend eine andere jüdisch Organisation: Umwertung aller Begriffe über das Judentui und seine Zukunft, Betätigung der neugewonnenen Anschauun durch dauernde, oft mühsame Kleinarbeit und verhältnismäßi große Geldopfer! Unter diesem Gesichtspunkt verdient fes gestellt zu werden, daß wir in Deutschland in den beiden letzte Jahren für zentrale zionistische Zwecke — ganz abgesehi von den großen lokalen Aufwendungen für Propaganda ui Organisation — über 300 000 Mark aufgebracht haben. Ui diese Summe setzt sich aus den unzähligen Beiträgen alU unserer Freunde zusammen — kein einzelner Mäcen hat gestiftet! — und so wird sie zum Beweis für die allgemein unsere ganze Organisation durchdringende Opferwilligkeit. Höher aber als diese Sprache der Zahlen bewerten v den Umschwung, den das geistige Leben der d e u sehen Judenheit der kraftvollen Energie und Einheitlich keit der zionistischen Propaganda zu verdanken hat. Nur füni zehn Jahre trennen uns von den ersten merkbaren Anfänge: zionistischen Lebens in Deutschland, und schon jetzt gruppier sich die gesamte deutsche Judenheit je nach der Stellurn zum Zionismus in zwei Lager. Und diese beiden Lagt' DIESqKELT

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