Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVI. JAHRO. BERLIN, 31. Mai 1912 MFfhi'? rann '» )VD V'O ,\b~n Nr. 22. XIII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland mehr von nationaler Begeisterunggetragen sein wird. Die Wiedererweckung des jüdisch-nationalen Lebens wird nie gelingen, wenn den Nationalisierungsprozeß nicht der Erdgeruch Palästinas durchzieht. Für den Versuch einer methodischen Charakterisierung unserer Arbeit aber ist unsere Einteilung die gegebene. In Palästina zeigen unsere Positionen eine ruhige, stetige Entwicklung, die auch der türkisch-italienische Krieg bisher nicht unterbrochen hat. Die neueingewanderten Juden aus Yemen haben unseren Kolonien ein Material von landwirtschaftlichen und gewerblichen Arbeitern gegeben, das in Verbindung* mit ihren osteuropäischen Berufsgenossen wenigstens den dringenden Bedarf an jüdischen Arbeitern deckt und die jüdischen Dörfer von den arabischen Arbeitern unabhängiger zu machen beginnt. In der wegen ihrer Fruchtbarkeit altberühmten Ebene Jesreel in Galiläa ist zum erstenmal durch die Palestine Land Development Company und die Siedlungsgenossenschaft Erez-Israel, die wir der Initiative unseres Gesinnungsgenossen Franz Oppenheimer verdanken, ein größerer Landbesitz in jüdische Hände übergegangen. Das Stadtviertel Tel Awiw in Jaffa mit dem hebräischen Gymnasium hat sich zum Denkmal jüdischen Unternehmungsgeistes in Palästina entwickelt und zeigt, ebenso wie unsere Dörfer, einem jeden, daß die Schaffung einer jüdischen Siedlung in Palästina für die Menschheit ein Hinauswachsen des europäischen Kulturkreises bis an den Rand der großen arabischen Wüste bedeutet. Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem, die Wolffsohn- Stiftung zur Schaffung von Arbeiterhäusern, die vom Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina geschaffenen Spitzenateliers, die Oelbaumspende, der fortschreitende Landerwerb mit Hilfe des Jüdischen Nationalfonds, unsere Bank, die Anglo-Palestine Company mit ihren sechs Niederlassungen, das Palästinaamt, die Farmen der bereits erwähnten P. L. D. C, die Schulen des Odessaer Komitees, unsere landwirtschaftlichen Kurse, die landwirtschaftliche Versuchsstation brauchen in diesem Zusammenhang nur genannt zu werden, um den Fortschritt des jüdischen Palästina zu zeigen. Dieser Fortschritt ist deswegen so bedeutungsvoll, weil er auf einer systematischen Arbeit unserer Organisation beruht, welche gleichmäßig den landwirtschaftlichen, gewerblichen und kommerziellen Interessen, wie den kulturellen Erfordernissen gerecht zu werden versucht. Und nur eine methodische, planmäßige Leitung bietet die Gewähr, daß all diese Einzelaktionen in einem einheitin Anwesenheit von 130 Delegierten und zahlreichen Gästen wurde Montag-, den 27. Mai im Festsaale der Reichshallen" zu Posen die XIII. Tagung der Deutschen Zionisten eröffnet. Diese bisher von keinem der früheren Delegiertentage erreichte starke Beteiligung zeugt schon rein äußerlich von den Fortschritten, die der Zionismus in Deutschland in den letzten zwei Jahren aufzuweisen hat. Die Tagungen der Landesverbände haben zum Unterschied von unsern Weltkongressen, die richtunggebend nach innen und demonstrativ nach außen wirken sollen, einen mehr organisatorischen Charakter. Mit dem Wachstum der Bewegung in den einzelnen Ländern, wobei Deutschland mit an der Spitze steht, nehmen aber auch die Delegiertentage den Charakter kleiner Kongresse an. Dies trat nicht nur in dem äußeren Rahmen der diesmaligen Tagung in die Erscheinung, sondern war auch gekennzeichnet durch die Zusammenstellung der reichhaltigen Tagesordnung, deren Referate über den Rahmen der zionistischen Organisation Deutschlands hinaus allgemeinem Interesse in der zionistischen Bewegung begegnen dürften. Abgesehen von den die Gesamtbewegung streifenden Gesichtspunkten, die der Vorsitzende des Zentralkomitees, Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke, in seiner Eröffnungsrede hervorhob, sind in dieser Beziehung vor allem die Referate der Herren Leo Motzkin über unsere Palästinapolitik und Kurt Blumen feld über „Erziehung zum Zionismus" zu nennen. Aber auch der äußere Rahmen des Posener Delegiertentages legte Zeugnis ab von der herzlichen und gesinnungsgenössischen Gastfreundschaft, mit der unsere Posener Freunde, die Mitglieder des Gruppenverbandes und der Ortsgruppe, diese Tagung vorbereitet hatten. Punkt 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Zentralkomitees Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke den Delegiertentag mit folgender Rede: Geehrter Delegiertentag! Aus dem Wesen der zionistischen Bewegung ergeben sich für die Tätigkeit unserer Organisation zwei Hauptgesichtspunkte: Die Nationalisierung des Volkes und die Schaffung i'iner neuen Siedlung in Palästina. Beide Seiten unserer Arbeit bedingen einander. Die Neusiedlung im Lande unserer Vergangenheit wird nie unsere Zukunft bedeuten, wenn sie nicht