Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 21 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 21 DIEMKE LT 635 habe, wo die geistige und wirtschaftliche Regeneration der jüdischen Jugend die körperliche Ertüchtigung zur Voraussetzung hat. Den Rechenschaftsbericht des Vorstandes erstattete Herr Abiesri j e 11 i n. Er wies darauf hin, daß die Mitglied erzähl des Jerusalemer Turnvereins bereits 200 erreicht hat. Dit Mitglieder gehören den verschiedensten Gemeinden und Berufsständen an. Demnächst soll eine großzügige Aktion unter der Jugend des „alten Jischub" in Angriff genommen werden; die Leitung des Vereins verspricht sich von einer umfassenderen Heranziehung gerade dieser Kreise große Erfolge. Den Kassenbericht erstattete Herr Schemarja J e 11 i n. Er teilte mit, daß das Odessaer Komitee der Chowewe-Zion dem Verein eine Beihilfe zur Anschaffung verschiedener Turngeräte zugesagt habe. Große Verdienste um die Förderung des jüdischen Turnwesens in Jerusalem haben sich die Zöglinge und einzelne Lehrer des jüdischen Lehrerseminars erworben. Die wöchentlichen Turnübungen werden von jetzt ab in der Aula der Lämelschule stattfinden. Zum Schluß der Generalversammlung wurden die früheren Mitglieder des Vorstandes mit großer Stimmenmehrheit wiedergewählt. Aus Rischon-Lezion In einer großen Volksversammlung, die vor einiger Zeit hier stattfand, referierte Herr Dr. Schemarja L e w i n aus Berlin über die gegenwärtige Lage des Judentums in der Diaspora, über die Taufbewegung in Rußland und über den Zustand der jüdischen Bevölkerung in Palästina. Der illustre Redner fand kräftige Worte der Zurechtweisung gegenüber denjenigen jüdischen Eltern in Palästina, die ihren Kindern gewissermaßen eine Erziehung zur Auswanderung angedeihen lassen. Er hob hervor, daß sämtliche jüdischen Schulanstalten Palästinas dahin streben müßten, die heranwachsende Jugend dem Lande zu erhalten. Nach dieser Richtung hin werde auch das neuzuerrichtende Technikum in Haifa zu wirken suchen. An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion. Dieser Tage traf eine neue Gruppe jemenitischer Einwanderer, bestehend aus sechs Familien, hier ein. Die Mitglieder dieser Gruppe eignen sich vorzüglich für die Landarbeit. Leider ist die Wohnungsfrage für die zugewanderten Jemeniten noch immer nicht gelöst, es ist jedoch Aussicht vorhanden, daß Mittel und Wege gefunden werden, um auf dem neuerworbenen Terrain in der Nachbarschaft der Kolonie eine Jemenitensiedlung zu errichten. Einweihung jüdischer Kolonieschulen in Galiläa In der Kolonie M i 1 h a m i e fand vor kurzem aus Anlaß der Eröffnungvon drei jüdischen Schulen in M i 1 h a m i e , J e m m a und M e s c h a eine Einweihungsfeier statt, die überaus fröhlich und stimmungsvoll verlief. Aus allen benachbarten jüdischen Kolonien waren Teilnehmer zu dieser Feier herbeigeeilt, die bis in die Morgenstunden währte. Ein jüdisches Sportfest Anläßlich des V. Jüdischen Turntages veranstaltet (\\v jüdische Turnerschaft am Montag, den 27. Mai, nachmittags 4 Uhr, ein großes jüdisches Sportfest auf dem Sportplatz des Bar Kochba in Schulzendorf (bei Tegel). Das Fest ist das erste in seiner Art und stellt die besten jüdischen Sportmannschaften der ganzen Welt im friedlichen Wettkampf gegenüber. Im Mittelpunkt: des Interesses steht ein Fußballmatch zwischen Berliner, Hamburger und Budapester jüdischen Turnern. Aber auch alle anderen Sportarten sind erstklassig besetzt. Da der Sportplatz bequem mit der Stadtbahn (Stettiner Vorortbahnhof) zu erreichen und der Zutritt vollkommen frei ist, können wir nur zu einem Besuche des Sportfestes raten. Der V. Jüdische Turntag wird am Pfinstsonntag, den 26. Mai, vormittags lly* Uhr, eröffnet. Er findet statt im Marinehaus, Brandenburger Ufer 1, und ist öffentlich. Der Eintritt ist jedermann gern gestattet. O|□□□□□□ w FEUILLETON ^5£D^ □ □□□□cH) o -J) o Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnet einen Weg 1. In dem Tagen des Königs Nebukadnezar, Königs von Babel. 2.. Am zehnten des fünften Monats, im neunzehnten Jahre seiner Herrscherjahre, kam Nebusaradau, den er gesetzt hatte zum Obersten über die Leibwächter des Königs, mit gewaltigem Kriegsvolk der Chaldäer vor Jerusalem. 3. Und bradian die Mauern um die Stadt Jerusalem rings umher und verbrannten das Haus des Herrn und zerstörtem in Feuer die Häuser des Königs und die Häuser der Großen, 4. Und den Rest des Volkes, der übriggeblieben war in der Stadt, führte Nebusaradan, der Oberste über die Leibwächter, hinweg gen Babel. 5. Und waren nur wenige, die der Schärfe des Schwertes entronnen waren oder der Gefangenschaft, und entflohen waren aus Jerusalem, eh daß die Hände der Chaldäer sie gefaßt hätten. 6. Und die geflohen waren mit Benaja, Sohn Simei, einem von den Hauptleuten, sieben mal sieben am der Zahl, Männer und Frauen, flohen einen Tag und eine Nacht lang durch den Brand und Rauch und die Trümmer der Städte und Flecken, bis daß sie hielten in einer Einöde. Allda machten sie Rast 7. Und hatten keine Habe, denn die Kleider, die sie an ihren Leibern trugen und zerbrochene Speere und stumpfe Schwerter und wras sie mitgeschleppt hatten zum Gedächtnis der Toten ihres Fleisch und Blutes, — einer die Asche seines Vaters und einer die Gebeine seiner Kinder und einer in der Urne das Blut seiner Brüder. 8. Und saßen da mit zerrissenen Gewändern in tiefer Betrübnis und Zerknirschtheit, als wie Sterbende, die des Todes harren, und schwiegen, die Männer, die Frauen aber wehklagten und schlugen die Brüste, und die Kinder schrieen. 9. Es war aber unter ihnen einer, Eleasar Sohn Zadok, den sie den Propheten nannten. 10. Und als er sah, daß sie satt waren des Jammers und ihres Lebens verzweifelten, da erhob er seine Stimme und sprach: 11. „Was sitzet Ihr da, gleich solchen, die man des Todes verurteilt? Seit Ihr dem Schwert der Chaldäer entronnen, um hier lebendigen Leibes zu verfaulen? Wohlan denn, stehet auf, Ihr Männer, und bauet allhier Eure Zelte und bestellet hier Eure Aecker für Euch und Eure Kinder, daß Ihr Stammväter werdet des Restes von Israel!" 12. Da antworteten die Männer: „Oeffnet sich Dein Mund, daß Du unserer spottest? Oder hat der Herr Deinen Sinn verwirrt, daß Du mit irrer Zunge redest? Denn siehe: Blut und Asche und Knochen