Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 21 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316535--56039-3349903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein fröhlicher Kommers vereinigte die Hakoah und ihre Freunde bis lange nach Mitternacht. Das westösterreichische zionistische Zentralkomitee und das innerösterreichische Distriktskomitee hatten für die Wettkämpfe Preise gespendet. Die Tätigkeit des Actions-Comit£s in assimilatorischer Beleuchtung Prag. Es ist interessant, zu sehen, wie sich die assimilatorische Publizistik dem Eindruck nicht zu entziehen vermag, daß in der zionistischen Organisation ein lebendiger Geist am Werke ist. Das Organ der tschechischjüdischen Assimilanten, das mit einer in der deutschen Publizistik ganz unbekannten Ausdauer und — Ratlosigkeit gegen den Zionismus kämpft, bewundert die Kraft der zionistischen Propaganda anläßlich der vom Actions-Comite veranlaßten Herausgabe des Merkbüchleins von Hugo Schachtel. Die zusammengedrängte Fülle zionistischer Arbeit, über die das Merkbüchlein orientiert, ringt den Gegnern des Zionismus Bewunderung und Neid ab. Und sie bedauern, daß ihnen diese Wirkungsmöglichkeiten — angeblich wegen des geringen Opfersinns ihrer Anhänger — versagt sind. Als wenn im Zionismus die materiellen Mittel die Idee und ihre Verbreitung zur Folge hätten und nicht umgekehrt die Idee und der Wille die äußeren Möglichkeiten schüfen! Aber uns sagt ein solches Verkennen der wahren Ursachen unserer Erfolge, daß das Actions-Comite Recht hat, wenn es von verdoppelter Arbeit verzehnfachte Erfolge erwartet. Palästina als Kolonisationsland Prag. Als Gast des zionistischen Distriktskomitees für Böhmen sprach Davis Trietsch am 16. Mai in Prag über die Kolonisationsmethoden in Palästina. Er besprach die Eignung der Türkei als Immigrationsland für die Juden und erörterte dann, wie die Kolonisation durch eine rationelle Ausnützung landwirtschaftlicher und industrieller Möglichkeiten intensiver betrieben werden könnte. In der Debatte sprach der Prager Fabrikant Adolf Glaser, ein sehr angesehenes Mitglied der Prager Kultusgemeinde, der aus starkem Interesse an der palästinensischen Kolonisation soeben eine mehrwöchige Reise durch Palästina unternommen hat und mit einer ungewöhnlichen Begeisterung, aber auch mit ungewöhnlicher Sachlichkeit von dem Gesehenen berichtet. Es ist bezeichnend, daß Herr Glaser fast in allen Kolonien durch Nachprüfung der Bücher der Kolonisten die Ueberzeugung gewonnen hat, daß der palästinensische Boden durch die Pionierarbeit der zionistischen Kolonisten ungeheuer an Wert gewonnen hat und daß die Kolonisation auch jetzt sehr rentable Geschäftsmöglichkeiten bietet, wenn ihr nur ausreichendes Kapital zur Verfügung gestellt werden kann. Die Referate von Trietsch und Adolf Glaser ergänzten sich gegenseitig und hinterließen einen starken Eindruck, der sich vermutlich auch in praktische Ergebnisse verdichten wird. In derselben Woche sprach Davis Trietsch in Trautenau, in Gablonz und in Koraotau; überall war ein starkes Interesse für alle palästinensischen Aufgaben zu konstatieren. Holland Vortrag des Herrn Auhagen im Haag Auf Einladung des Mitgliedes des Großen Aktions-Komitees, Herrn I. H. Kann, hat der bekannte Palästinaforscher und Freund der zionistischen Bewegung, Herr Hubert Auhagen, am 14. Mai im Haag einen Vortrag gehalten über „Alte und neue Kulturbilder aus Palästina und Syrie n". Das Haager Publikum war zu diesem Vortrage durch ein Komitee eingeladen worden, dem einige hervorragende Politiker und verschiedene jüdische und christliche Notabein angehörten, darunter Herr Van Idsinga, Gräfin B y 1 a n d t (die Gattin des Oberhofmarschalls der Königin), Baron R ö e 11, Sekretär des Haager Weltsichiedsgerichtes, der Oberrabbiner Herr Van Loen, Herr Simons, Vorsitzender der Haager Abteilung des Niederländischen Zionistenbundes und viele andere. Es hatte sich denn auch eine überaus große Zuhörerschaft sowohl aus jüdischen, wie auch aus nichtjüdischen Kreisen eingefunden. Herr Van Idsinga, einer der angesehensten Parlamentarier Hollands, eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er die nichtjüdischen Kreise aufforderte, sich für die große Sache des jüdischen Volkes zu interessieren. Sowohl aus praktischen wie aus idealen Gründen sei der Zionismus zu einer großen Entwicklung bestimmt. An dieser Entwicklung mitzuarbeiten und den Juden ihre schwere Aufgabe, welche sie ohne christliche Hilfe vielleicht niemals lösen würden, zu erleichtern, sei die Pflicht aller Christen. Alsdann gab Herr Van Idsinga Herrn Auhagen das Wort, welcher nach einer kurzen Einleitung, in der er u. a. sagte, daß der Zionismus eine Sache sei, bei der Juden und Christen einander die Hand reichen könnten, seinem Publikum eine Serie prachtvoller Bilder vorführte. Zuerst eine Reihe Wüstenbilder, an denen er zeigte, wie das Land Palästina ungerechterweise zu seinem schlechten Namen in wirtschaftlicher Hinsicht gekommen ist. Das alles sei nur scheinbar wüst, das Land sei eine verschleierte Schönheit und könne sehr wohl wieder nutzbar gemacht werden. Dann folgte eine Serie alter Kulturbilder von jüdischen, babylonischen und römischen Altertümern, die den Beweis lieferten, welch reiches und fruchtbares Land Palästina in früheren Zeiten gewesen sein muß. Hiernach führte Herr Auhagen Bilder aus dem Leben der Beduinen, Fellachen und Araber vor. Zum Schlüsse brachte Herr Auhagen die Bilder der jüdischen Kolonien und betonte, es sei eine Ehre für die zionistische Bewegung, daß gerade diese jüdische Arbeit als das allerbeste und allerschönste in Palästina betrachtet werden darf. Die jüdischen Kolonien sind die Krone Palästinas. Der Vortrag des Herrn Auhagen hat in den weitesten Kreisen Sympathie und Interesse für die zionistische Arbeit wachgerufen und wird auch gewiß für die Folge noch weitere Resultate bringen. England Manchester. Bei einer Versammlung der Daughters of Zion Society sprach Miß Weisberg über die bisherige und gegenwärtige Arbeit des Vereins. Liverpool. Hier hat sich ein Komitee gebildet zur Veranstaltung einer Palästina-Ausstellung in Liverpool. Dieselbe soll am 29. und 30. Mai stattfinden. Professor Boris Schatz wird ebenfalls zugegen sein. Die Konferenz der zionistischen Frauenvereine, welche am 26. Mai hätte stattfinden sollen, ist wegen der Palästina-Ausstellung verschoben worden. Bradford. Mrs. Moser und Mrs. Strauß werben Mitglieder für eine Ortsgruppe des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, welche demnächst in Bradford gegründet werden soll. PALASTINA Aus Pethach-Tikwah Mitte April fiand eine allgemeine Versammlung der hiesigen Kolonisten statt, in der über die erforderlichen Maßnahmen zur Seßhaftmachung der nach der Kolonie zugezogenen jemenitischen Landarbeiter und über die Besserung ihrer Lage eingehend beraten wurde. Eine jüdische Kolonisationsgesellschaft in Europa hat die Gewährung einer Beihilfe von 20 000 Francs zum Bau von Wohnhäusern in Pethach-Tikwah für die jemenitischen Juden in Aussicht gestellt. Die Versammlung der Kolonisten beschloß nun, ihrerseits 1500 Francs zum Ankauf eines geeigneten Grundstücks zur Verfügung zu stellen. Im Laufe des letzten Jahres haben sich etwa 50 neue aschkenasische und 70 jemenitische Familien in unserer Kolonie angesiedelt. Dies hat u. a. zur Folge gehabt, daß 12 neue jüdische Geschäftsläden eröffnet worden sind, um die gesteigerten Bedürfnisse der Bewohnerschaft zu befriedigen. Vom jüdischen Turnverein in Jerusalem Die hiesige Ortsgruppe des Turnverbandes „Makkabi" macht sehr erfreuliche Fortschritte. Ende April fand im großen Saale der Nationalbibliothek die erste Generalversammlung des Turnvereins statt. In der Eröffnungsrede wies der Vorsitzende, Herr Serubabel, auf die besondere Mission hin, die ein jüdischer Turnverein gerade in Jerusalem zu erfüllen