Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 21 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21 DIE3&ELT 629 pflogen werden mögen, daß die Konferenz zu einer wahren Geschäftssitzung werde. Man solle das Augenmerk nicht mehr nur darauf richten, die „Luft" in der Judengasse zu erobern, sondern die reale, unscheinbare, aber doch wichtigste Kleinarbeit zu leisten. Prof. Kellner erstattete als Obmann den Rechenschaftsbericht über die abgelaufene zweijährige Periode: Der Schekel, der deutlichste Ausdruck des zionistischen Lebens, wies in der Berichtsperiode eine ansehnliche Steigerung auf; denn für den X. Kongreß konnte unsere Organisation sechs Delegierte entsenden, während es früher nur höchstens 4 Delegierte waren. Die Nationalfondssammlungen seien absolut erheblich gestiegen und übertreffen relativ sogar die von Galizien. Ferner fanden in zahlreichen Orten des Landes zionistische Veranstaltungen statt: HerzI- und Makkabäerfeiern, die zahlreichen Besuch aufwiesen. Hervorzuheben sind: Das zionistische Seminar des akademischen Vereins „Emunah" (Czernowitz), die Vortragszyklen der akademischen Verbindung „Zephirah" (Czernowitz), „Tikwah" (Suczawa). Der zionistische Geist wurde wach erhalten und gefördert durch die Verbreitung von Propagandabroschüren. Vor einem Jahre fiel die Anregung zur Gründung einer Bukowinaer Kolonie in Palästina. Der Gründungsfonds zeigt die relativ stattliche Summe von 2000 K. Diese Ergebnisse können, zwar nicht ganz befriedigen, da sie aber eine steigende Entwicklung bedeuten, sei zu erwarten, daß die Bukowinaer zionistische Organisation sich in Kürze in den großen Rahmen der Weltorganisation als ein würdiges Glied einpassen werde. An den Rechenschaftsbericht schlössen sich die Berichte des Kassierers, des Schekelkommissärs und des Nationalfondskommissärs. Die Sammlung des Nationalfonds betrug über 12 000 K., und zwar entfällt für das Jahr 1910 auf jeden Juden der Bukowina ca. 8 H., für das Jahr 1911 — 6 H. Im Interesse der Oelbaumspende wurden anläßlich der Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls in der ganzen Bukowina Plakate öffentlich affichiert, ebenso wurde die Ablösung der üblichen Neujahrsgratiilationen durch Spenden für den Nationalfonds betrieben, die eine Summe von über 450 K. ergaben. An der über den Rechenschaftsbericht eröffneten Debatte beteiligten sich eine Reihe von Delegierten, die auf gewisse Mängel in der Organisation hinwiesen. Dem abtretenden Landeskomitee wurde unter Votierung des Dankes und Vertrauens Decharge erteilt. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: Organisation ergriff als erster Sekretär Dr. Korngrün das Wort und entwickelte in klarer, überzeugender Weise einen Organisationsplan. Er wies auf die Fehler in der bisherigen Organisation hin und schlug Verbesserungsmaßregeln vor: Die Anlegung eines Katasters sämtlicher Zionisten zwecks sicherer Evidenzhaltung unserer Kräfte. Um das Verantwortungsgefühl der einzelnen Mitglieder des Landeskomitees zu erhöhen, sollen die Funktionäre direkt von der Landeskonferenz für bestimmte Ressorts gewählt werden. Ferner sollen in den größeren Ortschaften Arbeitskomitees mit bestimmten Referenten und persönlicher Verantwortung gebildet werden. Eine der wichtigsten Fragen ist jedoch die Anstellung eines besoldeten Sekretärs, dem die Aufgabe zufalle, das ganze Landagitie-rendund organisierend zu bereisen und mit den einzelnen Zionisten sowie Vertrauensmännern einen direkten Kontakt zu schaffen. Nur eine starke, in sich geschlossene Organisation und ein regelmäßig funktionierendes besoldetes Bureau bieten die Gewähr für die Erfüllung aller Pflichten unserer Bewegung gegenüber, besonders aber in bezug auf Schekel und Zentralfonds, auf deren eifrige Sammlung der Referent vorzüglich Nachdruck legte. Irn Zusammenhange damit müsse man einen Organisationsfonds begründen. Diese Vorschläge fanden ungeteilte Anerkennung seitens fast sämtlicher Redner, insbesondere seitens der Herren Krämer, Löbl, Taubes, Dr. Kimmelmann, Lupu, Glaser. Sämtliche Anträge wurden zum Beschluß erhoben. Im Anschluß an die Organisationsdebatte wurde auch die Resolution einstimmig angenommen, „daß jeder in der Bukowina ansässige Zionist der Landesorganisation angehöre und allen Beschlüssen des Parteitages Folge leisten müsse". Sehr lebhaft gestaltete sich die Debatte über die Kulturarbeit, speziell über die Gründung von hebräischen Schulen und Kindergärten. Das Referat hierüber erstattete Delegierter B i c k 1. Nach einer eingehenden Darlegung der Notwendigkeit der Gründung von hebräischen Schulen und Kursen wies der Referent auf die Fehler hin, die bisher in der Einrichtung und Unterrichtsmethode derselben begangen wurden und verlangte besonders die Unterstützung seitens der Kultusgemeinden. Dr. Korn grün erklärte in ausführlicher Weise das Problem der hebräischen Schule in Galizien und der Bukowina, verlangte die Erhaltung und Ausbildung der bereits in der Bukowina bestehenden und empfahl die Unterstützung und Förderung der „Histadruth Bute Sefer", von der mit Sicherheit zu erwarten ist, daß sie in Kürze ihre Tätigkeit auch auf die Bukowina ausdehnen werde. Ueber die zu gründende Bukowinaer Kolonie in Palästina erstattete Deleg. Krämer ein ausführliches Referat. Es gelangte eine von demselben beantragte Resolution zur Annahme, in welcher die Idee der Begründung einer Bukowinaer Kolonie in Palästina begrüßt und die Bildung eines Kolonisations Vereines beschlossen wurde. Dieser soll Anteile ä 12 K., zahlbar in Monatsraten, zur Ausgabe bringen. Gemäß der hierauf vorgenommenen Wahl setzt sich das neue Landeskomitee folgendermaßen zusammen: Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner, Obmann; Adv. Dr. Meyer Ebner, Obmannstellvertreter; für Organisation: Adv.-Kandidat Theodor W e i ß e 1 b e r g e r; für Propaganda: Prof. Dr. K i m m e I - mann und Adv.iKandidat Marcus Krämer; für Nationalfonds: Dr. Eckstein und Buchhalter F 1 o h r; für Palästinaarbeit: Dr. Schauer; für hebräische Schulen und Kindergärten (Kulturarbeit): Buchhalter Großberg; für Schekel, Zentralfonds und Sekretariat (bis zur Einrichtung des besoldeten): R.-A. Leon Krämer; Bahnkommissär Julius Kormann, Kassierer. Ohne Funktion die Herren Hornstein und Gottesmann. Ferner wurde die Wahl von zwei Damen ins Landeskomitee beschlossen. Der Eindruck, den die ernsten Verhandlungen der Landeskonferenz boten, berechtigt zu der Erwartung, daß die Tagung nicht ohne nachhaltige Wirkung und Erfolg bleiben wird. Am Montag trat der Sekretär des E. A. C. Dr. Ph. Korngrün eine Tournee durch die Bukowina an mit der Absicht, alle Städte des Landes zu besuchen, um an Ort und Stelle die Verhältnisse der Organisation in Augenschein zu nehmen. Der Anfang wurde mit der Stadt Sadagora gemacht. Näheres darüber folgt. Die hebräischen Kurse in Berlin Von Gotthold Weil Wenn irgendein französischer Elementarschullehrer aus einem abgelegenen Provinzstädtchen Frankreichs eines Tages nach Berlin käme, eine einzige Stunde in der Sexta einer hiesigen Realschule dem französischen Unterrichte beiwohnte, sich dann hinsetzte und ein Feuilleton schriebe, und sich darin über den Lehrer mokierte, weil er seinen Schülern nicht die feine Pariser Aussprache bei der Konjugation von avoir und etre beigebracht habe, und ferner der Staatsregierung darüber Vorwürfe machte, daß sie, statt der Strömungen in der modernen französischen Literatur, nur die Elemente der Grammatik in den Leseplan der untersten Klasse aufgenommen hätte, — dann würden, glaube ich, die Presse, das Publikum und die Schulmänner solch einen Journalisten auslachen und keiner Antwort für wert halten. Diese Taktik hat die Organisation für hebräische Sprache und Kultur mit Recht gegenüber dem Feuilletonisten in Nr. 62 des Ha-zeman eingeschlagen, denn die schwere Anschuldigung, die uns der Schreiber macht, daß wir den hebräischen A-B-C-