Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 20 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 20 dieäelt 2. Die Prophetie, von Dr. Max Wiener, Düsseldorf. 3. Pharisäer und Sadduzäer, von Dr. Rudolf Lcszynsky, Berlin. 4. Moses, von Dr. Eugen Levin-Dorsch, Marburg. 5. Das Judentum und die christlichen Religionen, von Dr. Leo B a e c k, Düsseldorf. 6. Die jüdische Religion und die Philanthropie, von Dr. Paul Goodman, London. 7. Jüdisches im Christentum, von Dr. Ludwig Venetianer, Neupest. Generalversammlung der Ito. Die Generalversammlung der Jewish Territorial Organisation findet am 13., 14. und 15. Juni d. j. in Zürich 609 oder in Wien statt. Der Ort steht, was bei der Ito nicht wundernehmen kann, noch .nicht endgültig fest. Mr. Israel Z a n g w i 11 wird über die Tätigkeit des Londoner Ito-Rates Bericht erstatten. Ferner werden Dr. Jochelmann und J. Leschzinski über „Das Programm der Ito", David Goodman, Oskar Plaut und M." Spielmann über die Finanzinstitute, W. T e r 1 o (Lissabon) über die portugiesischen Kolonien und ihre Bedeutung für die jüdische Kolonisation, A. Meierowitz (Berlin), W. Groß mann (Petersburg) und M. Schmidt (Wien) über den Plan eines alljüdischen Kongresses, endlich J. Zangwill über verschiedene territorialistische Kolonisationsprojekte referieren. "Unri/ Pädagogische Zeitschrift für Lehrer und Eltern. Herausgegeben vom Verband der Lehrer in Palästina, redigiert von Dr. N. Turow. II. Jahrgang 5671/72 (Hebräisch)*). Der 2. Jahrgang des an dieser Stelle wiederholt besprochenen Organes der palästinensischen Lehrer hat nun seinen Abschluß gefunden und zeugt, gleich dem 1. Jahrgang, von einem anerkennenswerten Bestreben, seine doppelte Aufgabe zu erfüllen. . Den Fachgenossen bietet er das Beste und Erlesenste aus der pädagogischen Literatur in Bearbeitungen und Uebersetzungen nebst einer Reihe selbständiger Originalarbeiten auf dem Gebiete der Pädagogik und der mit ihr zusammenhängenden Psychologie. Aber auch den Eltern und allen denjenigen, die für nationale Volks- und Jugenderziehung Interesse haben, wird viel Wissenswertes und Anregendes geboten. Es ist erfreulich, daß auch die Frage der religiösen Erziehung, die im ersten Jahrgang auffallenderweise unbeachtet geblieben ist, nunmehr in diesem Jahrgange von mehreren Seiten behandelt wird, wenn auch nicht mit gleichem Erfolg. Diese Frage gehört bekanntlich zu den schwierigsten und verwickeltsten Problemen des jüdischen Erziehungswesens und erfordert eine ganz andere Betrachtungsweise als die Theorien über katholischen und evangelischen „Religionsunterricht" in den heutigen Schulen. Unsere Religion bildet eben vermöge ihres völkischen und nationalen Grundwesens kein vollgültiges Analogon zu jenen Religionsanschauungen. Die Tatsache ist ja zur Genüge bekannt: Die wahrhaft religiösen Juden haben ihre Erziehung in jenem „Cheder" gewonnen, dem die Begriffe: „Religionsunterricht^, „Katechismus" usw. vollständig fremd waren. Dagegen hat das Schwinden jüdischen Lebens, Fühlens und Denkens gerade zu der Zeit begonnen, da man auch bei uns begonnen hatte, die christliche Welt nachzuahmen und ^systematischen Religionsunterricht" zu erteilen! Das scheint der sonst als erfahrener Jugendbildner bekannte A. S. R a b b i n o w i t z nicht ganz beachtet zu haben. £r schickt (S. 89—93) „zur Frage des Glaubens und der Religion in der Erziehung" einige einleitende Bemerkungen voraus, die allzusehr in der Analogie mit der christlich-religiösen Erziehung befangen sind, wenn er auch zugibt, daß bei uns las Religiöse sich nur schwer vom Gesamtleben des Volkes rennen lasse. Es ist jedoch abzuwarten, welches die von ihm mpfohlenen „Wege der religiösen Erziehung" sind, die er für in andermal ankündigt; hoffentlich wird er nicht einem „systematischen Religionsunterricht" auf Grund der in, Europa übichen „Katechismen" als gesonderter Disziplin das Wort eden. Vorläufig können wir ihm nur in der prinzipiellen ,rorderung beipflichten, daß der jüdische Jugenderzieher, wenn iY auch nicht gerade Religionsunterricht erteilt, keinesfalls las religiöse Gefühl der Kinder in die Richtung der Negation enken oder gar religionsfeindlich lehren dürfe. Näher dem realen Ziele kommen die Ausführungen R a b 7' a i r? s über „Die religiöse Erziehung in der Schule" S. 184—193). Schon in den einleitenden Sätzen wird jede .nalogie mit dem Religionsunterrichte der christlichen Konessionen abgelehnt, da ja bei diesen die Religionslehre als *) Vonvielen Seiten kamen an den Referenten schriftche Anfragen über Preis und Bezugsquelle der Zeitschrift, s diene daher zur Kenntnis: Redaktion „Hachinuch" affa, Palästina; Abonnement nur ganzjährig für Österreich und Deutschland 9 Frcs. solche mit dem übrigen Lehrstoff, besonders mit Sprache, Literatur und Geschichte nichts zu tun hat. Der Lehrstoff dagegen, den wir unserer Jugend vermitteln müssen, ist schon an und für sich ein religiöser; sei es, daß wir Geschichte des Judentums, hebräische Sprache oder nationale Literatur lehren — wir sind immer auf Bibel, Talmud und die mittelalterliche Literatur angewiesen, in denen das Religiöse mit dem Nationalen unlösbar vereint, ja in gewissem Sinne identisch ist. Wir können daher nicht die religiöse Erziehung geistlichen Lehrpersonen überlassen, während die weltlichen Lehrer in entgegengesetzter Richtung wirken. Wenn wir die Geschichte zu Rate ziehen, sind uns Religions- und Glaubenslehre ganz fremde Dinge. Finden im Hause, in, der Familie religiöse Bräuche und jüdisches Leben keine Beachtung, dann hilft der Unterricht im Beten und dergleichen gar nicht, ja er bewirkt oft das Gegenteil von dem, was der Religionslehrer anstrebt. Nicht minder erfolglos findet der Verfasser die vielfachen Methoden, die auf „Glaubenslehre" in katechistischer Weise gerichtet sind, da die Seele der Kinder für abstrakt-philosophische Lehrsätze nicht empfänglich sei. Freilich hätte er mit noch mehr Berechtigung hinzufügen können: weil unsere vom Hause aus weniger dogmatische Religionslehre die katechistische Methode überhaupt nicht verträgt. Als bestes Mittel zur Erziehung religiöser Juden empfiehlt der Verfasser mit Recht die gründliche Unterweisung in unserer gesamten Originalliteratur. Der Lehrinhalt der Thorah muß aus ihr selbst, aus ihren natürlichen Originalquellen erschlossen, die prophetischen Lehren aus ihren eigenen Worten, in ihrer eigenen Sprache vermittelt werden. Dasselbe gelte auch von der nachbiblischen Literatur, die sich nicht allein auf den agadistischen Teil zu beschränken hätte, sondern auch das Gebiet der Halacha berücksichtigen müßte, und zwar in vollständiger Unmittelbarkeit, in möglichst genauer Anlehnung an Sprache, Stil und Lehrweise jedes einzelnen Vertreters dieses fruchtbaren Schrifttums. Gegen eine eigentliche „Glaubenslehre" nimmt ein alter Lehrer (S. 319—325) entschieden Stellung, indem er sich auf seine ununterbrochene mehr als 25 jährige Lehrertätigkeit beruft und durch krasse Beispiele die Unfruchtbarkeit einer dogmatischen Glaubenslehre illustriert, während er in der intensiven Beteiligung der Jugend am jüdischen Leben, an Sitten und Bräuchen des historischen, religiösen wie nationalen Judentums die alleinige Möglichkeit sieht, starke, treue Juden zu erziehen. Nicht der abstrakte Gedanke, noch der Glaube an Wunder und Uebernatürliches sollten die Grundlage der jüdischen Erziehung bilden, sondern durch die lebendige Betätigung und Wahrung alles dessen, was zu dem heiligsten Besitzstande unseres Volkes gehört, soll die Jugend Vertrautheit mit dem Judentum und unerschütterliche Liebe zu ihrem Volke sich aneignen. Dadurch würde sie davor bewahrt werden, durch spätere sogenannte Aufklärung und nach der Einbuße des naiven kindlichen Glaubens, die ja in der modernen Zeit unvermeidlich ist, den festen Halt innerhalb des Judentums zu verlieren. Es liegen in den Ausführungen dieses „alten Lehrers" viele beherzigenswerte, weil aufrichtig gemeinte Betrachtungen, die bei der Diskussion über die Frage der religiösen Erziehung von unseren modernen Pädagogen ernst erwogen zu werden verdienen. Weniger akademisch und mit mehr Aussicht auf praktischen Erfolg behandelt J. Ch. Ravvnitzky die Frage der