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Die Welt · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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religiösen Erziehung in seinen „Briefen an eine jüdische Mutter'* (hebr. „l'bath Israel'), die er schon im ersten Jahrgang begonnen hat, und in denen er in gleich anziehender wie kundiger Weise die Pflicht der Eltern, am Erziehungswerke der Schule mitzuwirken, beleuchtet. Im 6. Briefe (S. 176 bis 179) spricht er über die religiöse und im 7. Briefe (S. 180—183) über die nationale Erziehung. Wir sagten, daß diese Behandlung mehr Aussicht auf praktischen Erfolg habe: weil sie sich an die, nach unserer Ansicht richtigere Adresse wendet — an die Eltern; diesen deckt der Verfasser alle die kostbaren Schätze auf, welche die Religion für die sittliche Charakterbildung des Menschen in sich birgt und den inneren Reichtum, mit welchem sie ihn für das harte und rasche Leben ausrüstet. Die jüdische Mutter, die ihren Sohn zum sittlichen Menschen, aber auch zu einem ganzen Juden erziehen will, muß eine jüdische Atmosphäre in ihrem Hause erhalten, jüdischen Geist darin walten lassen, und zwar so frühzeitig als nur möglich und als es notwendig ist, daß das empfängliche üemüt des Kindes mit allem, was jüdisches Leben ausmacht, organisch zusammenwachse. In mittelbarer Beziehung zur Frage der religiös-nationalen Erziehung steht der lehrreiche Aufsatz von Dr. S. J. S c h a c h ü r über „R a s c h i in unserer Volksschule4' (S. 219—235). In zahlreichen Beispielen, nach den verschiedensten Gesichtspunkten geordnet, wird hier die Bedeutung dieses verdienstvollsten Bibelerklärers dargetan, der seit 800 Jahren neben der Bibel der wichtigste Faktor war bei der Erziehung des ganzen Volkes im jüdischen Geiste und der leider, zum größten Schaden für die nationale Erziehung, immer mehr und mehr ausgeschaltet zu werden beginnt. Die oben mitgeteilte Forderung R a b Z ' a i r ' s nach Unterweisung der Jugend in der Originalliteratur aller Zeiten, der man auch in ihrer Allgemeinheit zustimmen muß, findet in der klaren Uebersicht aller Einzelheiten, die sich aus dieser Studie ergeben, ihre helle Beleuchtung. Wir sehen, wie Raschi gerade den Jüngsten und Unmündigsten in schlichter, leichtfaßlicher Weise das Höchste an allgemeiner Sittenlehre, zugleich aber auch das Tiefste an nationaler Empfindung vermittelt, und wir bedauern mit dem Verfasser die Tatsache, daß der segensreiche Einfluß Raschis auf die Bildungs- und Gefühlsrichtung der Jugend auch in nationalen Kreisen dem Untergange geweiht ist. Es wäre an der Zeit, daß die national gesinnten Erzieher auf die Erhaltung dieses originalsten, urjüdischesten Lernmittels, das durch keine noch so gute der Außenwelt entlehnte Lehrmethode ersetzt werden kann, mehr Gewicht legen, als es in den letzten Jahren nationaler Erziehungsarbeit zu geschehen pflegte. Die übrigen, für jeden Pädagogen interessanten Arbeiten, die in diesem Jahrgang des „Hachinuch" enthalten sind, verdienten wohl ebenfalls eine eingehendere Besprechung, bei der Beschränktheit des Raumes mußten wir uns aber mit dem Referat über die so wichtige Frage der religiösen und nationalen Erziehung begnügen und hoffen damit die Aufmerksamkeit gleichgesinnter Berufsgenossen des Westens auf die vorzügliche Zeitschrift gelenkt zu haben, in der sie so viel Anregung für ihre schwere, mühevolle Arbeit finden können. Bielitz. Dr. M. Berkowicz. * Auf großer Fahrt. Das Reisebuch eines Schiffsoffiziers. Von Albert L e v y. Mit 53 Abbildungen. Berlin, Ernst Siegfried Mittler & Sohn. 1911. Der Verfasser gibt in zehn Kapiteln Ausschnitte von dem, was er als Offizier großer deutscher Passagier- und Frachtdampfer in allen Zonen der Erde gesehen und erlebt hat. Seine Schilderungen gehen nicht allzu tief, sind aber trotz der feuilletonistischen Anlage des Buches wohltuend schlicht gehalten. Die beigegebenen Abbildungen sind zweckmäßig ausgewählt und gut reproduziert. Ein spezielles Interesse in jüdischer Hinsicht hat das Buch freilich nicht, abgesehen von dem Namen des Verfassers, und es mögen sich die entsprechenden Zeitschriften an der Tatsache berauschen, daß ein Mann des Namens Levy deutscher Schiffsoffizier — wenn auch nicht bei der Kriegsmarine — ist. Wir aber, die wir gewohnt sind, von einem jüdischen Menschen zu verlangen, daß er die Dinge in sich und der Welt eben auch als Jude betrachten und wiedergeben kann, wir müssen beim Lesen dieses Buches enttäuscht und verstimmt sein. Bei der Aufzählung der die Stadt Aden bewohnenden Völkerschaften eine kühle Erwähnung der „Hebräer" und beim Anblick des Sinaigebirges eine Erinnerung an den „alten jüdischen Bismarck, Moses" (übrigens ein Vergleich, über dessen Geschmack sich streiten läßt, obwohl der in Paris lebende, gut deutsch gesinnte Verfasser mit dem „e" im Namen damit sicherlich beide Teile zu ehren gedenkt), das ist alles, was ein Seemann, jüdischen Stammes an jüdischen Dingen aus seinem langjährigen Weltwanderleben zu verzeichnen hat. Und noch eins muß gesagt werden: In dem interessanten Kapitel „Erinnerungen an den russisch-japanischen Krieg" schildert der Verfasser zwar durchaus sachgemäß die unwürdigen Zustände, die im russischen Heere herrschten, tut dies aber mit jener „Objektivität" des Tones, die einen jüdischen Mann nun einmal bei der Besprechung mancher Dinge nicht gut kleidet. Ein Sohn des Volkes, das in Rußland in Blut und Tränen erstickt wird, sollte beim Verlassen eines russischen Kriegslazarettes im fernen Osten, das er „ohne Schwierigkeiten" besuchen durfte, „nachdem er sich als deutscher Schiffsoffizier legitimiert hatte", außer von einem allgemeinen Mitleid mit den armen Verwundeten wirklich von keinen anderen Empfindungen und Gedanken zu sagen haben, als daß er sich „gepackt" fühlte „von der großen Tragödie, die ein Volk, das so mächtig war wie Rußland, durch die Unmoral seiner Offiziere erleiden mußte?" . . . Ich habe das Buch nicht ohne eine gewisse Bitterkeit aus der Hand legen können. Berlin. C. Kaiser Büchereinlauf Börnes Werke. Historisch-kritische Ausgabe in zwölf Bänden. Herausgegeben von Ludwig Geiger in Verbindung mit Julius Dresch, Rudolf Fürst, Erwin Kalischer, Alfred Stern und Leon Zeitlin. Band 1—3. Berlin-Leipzig-Wien-Stuttgart, Deutsches Verlagshaus Bong & Co. 1912. Im Tale Saron. Gedichte jüdisch-religiösen Inhalts, sowie hebräische Gebete, Lieder, Sprüche und Bibelstücke in freier poetischer Uebertragung von Max Herschel. II. Teil. Berlin 1912. Verlag von M. Popelauer. Heimkehr. Essays jüdischer Denker. Herausgegeben vom jüd.-nat. akad. Verein „Emunah", Czernowitz. Mit einem Vorwort von Universitatsprofessor Dr. Leon Kellner. Czernowitz 1912. Verlag Louis Lamm, Berlin. SammlungGöschen: Talmudproben. Von Dr. S. F u n k in Boskowitz. Leipzig, G. J. Göschen'sche Verlagshandlung. 1912. Jüdische Skizzen. Von Felix Perl es. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1912. Von den Juden — für die Juden. I. und II. Teil. Von W. L. Horowitz. Braila 1912. Selbstverlag des Verfassers. Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums, begründet von Z. Frankel. Herausgegeben von Dr. M. B r a n n. November—Dezember 1911 und Januar—Februar 1912. Breslau, Koebner'sche Verlagsbuchhandlung (Barasch & Riesenfeld). Publikationen des Vereins zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums „Afike Jehuda" in Prag: I. Die religionsgeschichtliche Bedeutung Rabbi Akibas. Vortrag, gehalten von Rabb. Prof. Dr. J. Hirsch. II. Der Kampf um die Emanzipation der Juden. Vortrag, gehalten von Prof. Dr. A. Deutsch. Prag 1912. Selbstverlag des Vereins. Die Rechtsstellung der israelitischen Kultusgemeinde im rechtsrheinischen Bayern. Von Dr. Fritz W a h 1 h a u s. 1912. München und Berlin, J. Schweitzer Verlag (Arthur Sellier). The Zionist Movement. Its Aims and Achievements. By Jsrael Cohen, Editor of „Zionist Work in Palestine". Published on behalf of the Zionist Central Office, Berlin by Speaight & Sons, Fetter Lane, London 1912 (Englisch). The Jewish Agricultural and Industrial Aid Society. Annual Report for the Year 1911. New-York 1912 (Englisch) Les Cahiers Documentaires. I. Ouvriers Juifs de Paris. Les Casquettiers. Par Maurice Lauzel. Paris, Edouard Cornely & Cie, Editeurs. 1912 (Französisch). Bibliotheka G'dolah, herausgegeben vom Verlag „Tuschijah'4. Warschau. — Nr. 67/69: Aus der Tiefe des Lebens. Verschiedene Erzählungen von M. J. Berdyczewski Warschau 5672 (Hebräisch).

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