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Die Welt · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 D!E3^E LT 597 o □ □ □ □ □ d" WELTCHRONIK □ □□□□□ O O o Sombart in Frankfurt a. M. (Von unserem Berichterstatter.) Frankfurt a. M. Nun hat auch Frankfurt a. M. endlich seinen Sombartvortrag gehabt, und wie Sombart erklärt hat, wird es voraussichtlich die letzte Etappe seines Auftretens auf dem Gebiet der Judenfrage bilden. Man hat es seinen bitteren Worten angemerkt, daß er die mit allen erdenklichen Mitteln von jüdischer Seite gegen ihn geführte Hetze satt hat. Ueber den Inhalt des Vortrages braucht an dieser Stelle nichts mehr berichtet zu werden. Bemerkenswert war am Schlüsse seiner Rede seine Abrechnung mit seinen Gegnern, vor allem mit der jüdisch-liberalen Tagespresse und besonders mit der „Frankfurter Zeitung". In bitteren Worten schärfster Ironie wies er die ganze Haltlosigkeit der gegen seine Person gerichteten Angriffe nach und deckte ihre Niedrigkeit auf. Es werde gegen ihn — sagte er — seitens der Assimilation wie gegen den Zionismus gekämpft: mit den unmoralischen Mitteln einer Desperadopolitik, die durch Totschweigen und Entwertung der Persönlichkeit das zu erreichen suche, was ihr durch schlechte Argumente zu erzielen unmöglich sei. An den Vortrag, der mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde, und in seiner vornehmen Sachlichkeit den besten Eindruck machte, schloß sich eine Diskussion an. Ja, vom Beginn an sah man der Diskussion fast mit ebensolchem Interesse entgegen wie dem Vortrag selbst. Denn nach der vorangegangenen stillen aber energischen Agitation gegen Sombart, die auch die Börse nicht verschont hat, nach der stillen Boykotterklärung durch die liberalen Kreise, nach den zwei Artikeln der Frankfurter Zeitung", und dem in seinem Zynismus geradezu anekelnden Leitartikel von Dr. J. Breuer im „Israelit" mußte man auf eine äußerst interessante und rege Diskussion rechnen. Doch da trat leider der bedauerliche Umstand dazwischen, daß Sombart selbst, wegen des Todesfalls eines Bruders sofort nach dem Vortrag Frankfurt verlassen mußte. Doch entwickelte sich auch ohne ihn eine äußerst erregte Debatte. Als erster auf den Plan trat ein Vertreter der extremsten Assimilation, Justizrat Dr. Auerbach, der mit höchstem Pathos Sombart das Recht absprach, über jüdische Dinge zu sprechen, da er, wenn er vielleicht auch nicht Antisemit sei, so doch den Antisemitismus in höchstem Maße fördere. Ihm folgte ein Vertreter der extremsten Orthodoxie, Dr. J. Breue r, der in provozierendem Tone die Zionisten zu einer Erklärung aufforderte, wie sie sich zu Sombarts Ansichten stellten und Sombart den größten Beschimpfer der jüdischen Religion nannte. Ihnen entgegnete L. Perlmutter und Nahum Goldmann, der unter lautem Beifall alle Argumente, durch die man Sombart zum Antisemiten stempeln wrollte, widerlegte und die ganze Kampagne gegen ihn als aus denselben Motiven entspringend erklärte, wie seinerzeit die gegen Theodor Herzl. Nachdem sodann ein enragierter Liberaler und Kosmopolit sein Glaubensbekenntnis zur Humanität abgelegt hatte, sprach die bekannte Frauenrechtlerin Frau Henriette Fürth, die sich gegen die Ausführungen M. Goldmanns wandte. „Wir deutschen Juden brauchen uns nicht mehr zu assimilieren, weil wir schon assimiliert sind." Nachdem sie noch den berühmten Witz aus den ersten Jahren des Zionismus wiederholt hatte, warum denn Herr Goldmann seine Rede nicht hebräisch halte, empfahl sie allen denen, die sich in Deutschland nicht wohl fühlten, die Uebersiedlung nach Palästina. Ihr erwiderte in treffender Weise Herr Fritz Sond heimer, der wirkungsvoll den Standpunkt des Zionismus darlegte und Herr Dr. G o 1t1 i e b , der sachlich auf die gegenwärtige Lage der deutschen Juden mit ihrer Tendenz zum Untergang einging und daraus die Richtlinien für die Zukunft zog. Es kam sodann wieder Herr Justizrat Dr. Ancrbac h zu Wort, und nach ihm M. L e v i - gard, der die Assimilanten scharf angriff. Darin erhielt M. Goldmann das Schlußwort, in dem er nochmals auf verschiedene Argumente gegen Sombart einging. Nach einem wirkungsvollen Appel! zur Beschäftigung mit den Problemen des Zionismus schloß die Versammlung in sehr später Stunde. ßezalel-Ausstellung in London (Von unserem Berichterstatter.) London. Die Portman Roonis in London waren von einer wogenden Menschenmasse erfüllt, als Frau Charles Rothschild (eine Schwiegertochter Lord Rothschilds) die Palästina-Ausstellung eröffnete. Der erste Zionist, dem ich bei meinem Eintritt begegnete, hieß mich mit dem „Schehechionu^-Segensspruch willkommen. In der Tat war es eine sehr bedeutende Leistung, all die Elemente, die sich sonst so fern von uns halten, für eine Palästina-Ausstellung zu gewinnen. Es würde zu weit führen, die vielen Namen von Klang aufzuführen, die sich an dieser Ausstellung aktiv beteiligen, denn alle, die jüdisch fühlen, waren da oder kommen noch. Morgen (Dienstag) eröffnet die Ausstellung Lady Samuel, die Gattin des früheren Lord-Major Sir Marcus Samuel. Es ging flott her, und die schönen Verkäuferinnen, die meisten in orientalischer Kleidung, machten gute Geschälte. Prof. Schatz war hocherfreut über den Anklang, den die Erzeugnisse des Bezalel gefunden haben. Schon werden Vorbereitungen getroffen, die Ausstellung auch in anderen bedeutenden jüdischen Zentren Englands zu veranstalten. Die ausländischen Proteste gegen die Kiewer Rituaimordbeschuldigung und ihre Wirkung in Rußland L o Ii d o n. Der hiesige russische Generalkonsul Baron A. Hey k i n g hat an die Redaktion der „Times" eine Zuschrift gerichtet, in der er sagt, der Protest der englischen Intellektuellen gegen die Kiewer Rituaimordbeschuldigung stelle einen Versuch dar, die englische öffentliche M e i n u n g g e g e n R u ß- 1 a n d aufzuhetz e n. Die Beschuldigung des rituellen Mordes — führt er weiter aus — richte sich nicht gegen das Judentum oder das jüdische Volk in seiner Gesamtheit, sondern gegen eine geheime jüdische Sekte, der der Angeklagte Beilis vermutlich angehört, und die „die talmudische Lehre zu dem Extrem des Rituahnordes fortgebildet hat". (!) Der Mörder des Knaben Justschinsky könne nicht straflos bleiben, selbst wenn er Jude sei, und die Motive des Verbrechens müßten untersucht werden, selbst wen n das Ergebnis zur Feststellung eines Ritualmordes führen sollte. Die Engländer und englischen Juden sollten es vermeiden, einem russischen Prozeßverfahren durch eine derartige Einmischung vorzugreifen. — Charakteristisch ist an dieser sonderbaren russischen Kundgebung das offene Bekenntnis, daß man in maßgebenden

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