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Die Welt · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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D1EÄELT Nr. 19 574 den Bericht ist er niemals im Gebrauch gewesen, jedoch haben die Verlader seinetwegen immer eine Gebühr entrichten müssen. \ i Teil der Häuserreihen Benjamin Rothschild Man spricht von einem Bahnprojekt Aegypten—Gaza mit Verlängerungen nach Jaffa und Jerusalem (via Berseba). xMan erwartet für Gaza von der Durchführung einer solchen Bahnlinie sehr viel. Ein im vorigen Jahr eingeführter Dampf pflüg hat sich nicht bewährt, doch lag es nicht an der Maschine, sondern an der sehr nachlässigen Behandlung. Schließlich wurde in diesem Jahre zum ersten Male ein nennenswertes Quantum Orangen aus den neuen Pflanzungen von Gaza versandt. 6000 Kisten gingen nach England und Hamburg und brachten 16 000 M., also 2-':{ M. pro Kiste. Die Orangen von Jaffa bringen neuerdings 5,— M. pro Kiste, wovon ungefähr 1,— M. auf die Emballage entfällt. Der Bericht erwähnt auch eine Petition der Jaffaer Landwirte an die Regierung betreffs Aenderung der Besteuerung von Orangengärten. Es wird darin proponiert, statt des „Zehnten", der in Wirklichkeit Vs der Ernte beträgt, eine feste Abgabe von 30 Piaster (5,— M.) pro Dunam zu zahlen. Die Annahme dieses Gesuches würde der Regierung wie der Bevölkerung Nutzen bringen. Tausende von Hektar leichten Bodens in der Nähe von Jaffa, die für den Anbau von Getreide und Sesam sich nicht eignen, ließen sich für den Anbau von Orangen, Oliven, Feigen, Mandeln, Aprikosen und Weintrauben herrichten, für deren Kultur die Bodenverhältnisse sehr günstig sind. Davis T r i e t s c h Der Grundzug der „Renaissance" Von Hugo Herrinann, Prag. I. Wir wollen ein neues Judentum, und glauben das nicht herbeiführen zu können durch einen Abbruch alles Alten. Da man in Prag die alte Judenstadt demolierte und neue, breite Straßer; und neue, prunkvolle Häuser an die Stelle der alten Gäßchen und Baracken setzte, entstand wiederum eine Judenstadt: aber diese neue Judenstadt ist nicht schön. Und so wollen wir unser neues Judentum erschaffen, indem wir an das alte Große und Schöne anknüpfen, das unsere Gemeinschaft hervorgebracht hat. Und das größte, älteste und schönste, was das jüdische Volk geschaffen hat, ist die Bibel, der Inbegriff dessen, was man sich schon gewöhnt, als jüdische Antike zu bezeichnen. Man hat diese neue Strömung schon sehr bald die jüdische Renaissance genannt, zunächst nach dem Wortsinn: Renaissance, Rinascimento, Wiedergeburt; das Judentum, das tot schien, sollte eben wieder zum Leben erweckt werden. Dann auch bald in dem mehr historischen Sinne, als Vergleich mit der großen Renaissance Europas. Damals knüpften die mündig gewordenen Völker dieses Erdteils an die europäische Antike an, an das griechische und römische Altertum, ebenso wie wir jetzt an unsere Antike anknüpfen wollen. Solchen Vergleichen soll man ins Gesicht leuchten. Nur zu oft zeigt es sich, daß solch ein Schlagwort eben nur ein Wort ist, wertlos und leer für den Denkenden, der vorsichtig ist und weiß, daß der größte Sinn sich im kleinsten Worte am wohlsten fühlt. Nun, erfreulicherweise hat der Vergleich mit der Renaissance einen guten Sinn. Unsere Anknüpfung an unsere Antike hat die gleiche Ursache, die gleiche Vorgeschichte wie die der europäischen Völker am Ausgange des sogenannten Mittelalters. Das Mittelalter war eine Zeit langer, ununterbrochener, einheitlicher' Kulturtätigkeit. Eine ganze Welt hatte sich erbaut, die wir in den Schlagwörtern Feudalismus, Rittertum, Frauendienst, spiritualistisches Christentum, scholastische Philosophie und anderen benennen. Werk auf Werk wurde errichtet, die Gedankenzüge wurden ausgebaut, vertieft, verfestigt; das ganze Leben wurde in die mehr oder weniger engen Maschen eines Kultursystems eingefaßt. So bildete sich, mit einem anderen Vergleich, um das lebendige bewegliche Leben eine tote, starre Kruste von Konventionen. Jede Aeußeruing des Herzens, jede Regung des Verstandes, jede Bemühung um die Schönheit wurde verpflichtet, einem sorgsam beobachteten Zeremoniell, einer geheiligten Uebereinkunft zu entsprechen. Ich weiß kein bezeichnenderes Bild als die gotische Kunst. In den engen, notwendigerweise engen Städten entstanden, drängte die Baukunst zu hohen, schmalen, steilen Formen, und dieses Hohe, Schmale, Steile wurde zur Norm, zur Konvention, zum Stil. Jeder gotische Brunnen, jeder Altar, jeder Schrein ist schmal, hoch, steil und ganz überzogen von einer reichen Kruste mannigfaltigen, aber streng stilgemäßen Schmuckes. Das ganze Leben hat gotischen Stil. Und nun kam in diese stilvolle Zeit eine ganz neue Strömung. Hie und da einer, dann mehrere umd endlich viele verspürten die verpönte Lust, einmal zu leben, wie ihnen das Leben gewachsen war, einmal stillos zu leben, einmal überhaupt zu leben. Daß sie dabei an eine junge Zeit anknüpften, die nicht an Konventionen erstarrt war, war weniger innere Nötigung als praktische Notwendigkeit. Das wichtigste in den Renaissance-Leuten ist ja gar nicht, daß sie an viel unverstandenes Griechisches und Römisches anknüpfen, sondern daß sie unbesorgt und unbekümmert alles, Griechisches, Römisches, Arabisches, Jüdisches, Christliches, Gotisches, mischen, weil es ihnen nicht auf das Zeremoniell, micht auf den Stil ankam, sondern auf das Leben. Und so lebten sie verschiedenen Idealen nach; der eine wollte einen antiken Freistaat oder eine antike Tyrannis errichten, der andere eine antike Philosophie erneuern, der dritte eine hellenische Kunst schaffen, der vierte das Christentum in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherstellen. In ihren Bestrebungen gingen sie oft gegeneinander; ein immer denkwürdiger Schulfall ist der große Scheiterhaufen in Florenz, wo der prachtvolle Renaissance-

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