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Die Welt · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Fortschritte in Palästina Der soeben erschienene englische Konsiliarbericht über den Jerusalemer Distrikt (also die südliche Hälfte des Westjordanlandes) enthält eine Menge interessanten Materials, wovon einiges hier wiedergegeben sei: Zunächst ist wiederum eine beträchtliche Handelszunahme zu verzeichnen. Der Hafenverkehr von Jaffa, der seit zehn Jahren eine rapide und völlig gradlinige Aufwärtsbewegung zeigte, hat diesmal gar den außerordentlichen Handelszuwachs von fünf Millionen Mark aufzuweisen. Wenn man bedenkt, daß vor 25 Jahren der gesamte Handelsumfang nur etwa 7 Millionen betrug, so läßt sich hieraus erkennen, wie sehr dieses langverriachlässigte Gebiet im Aufblühen begriffen ist. Besonders macht dieser Aufschwung sich seit dem Jahre 1905, in dem die neue jüdische Einwanderung ihren Anfang nahm, bemerkbar: seit 1905 hat der Handel um mehr als 125-% zugenommen und die Einfuhr sogar um 150%. Für die Förderung des englischen Handels bringt der Konsulatsbericht folgende „Winke": Es sollten mehr Geschäftsreisende das Land besuchen. Die Korrespondenz sollte in französischer oder in deutscher Sprache geführt werden. Die üblichen englischen Kreditgewährungen reichen nicht hin, jedoch sei Vorsicht am Platze. -3— " " ' ~*-i*r.- "»^A Ansicht von der Höhe des Wasserturms Der Markt des Landes verlangt billige Artikel, die sich aber gut repräsentieren müssen. Exportpreise sollten soweit als möglich „cif Jaffa" angegeben werden. Auf starke Verpackung ist Wert zu legen. Von diesen „Winken" ist der betreffs der Sprachen von besonderem Interesse. Sonst pflegen die Engländer nicht so nachgiebig zu sein, aber in Palästina ist die Vorherrschaft der beiden anderen Weltsprachen zu unverkennbar. In dem Maße, in dem die fast ausschließlich von Ost-Europa kommende jüdische Einwanderung steigt, wird auch das Französische mehr und mehr von der deutschen Sprache verdrängt. Die englischen Untertanen im Lande (im ganzen etwa 350 Seelen) sind meist Missionäre, die mit den verschiedenen religiösen und Wohltätigkeitsanstalten zu tun haben, oder Juden. Der Bericht erwähnt auch die seit langem die Oeffentiichkeit beschäftigende Frage der Quellwasserleitung für Jerusalem und der elektrischen Trambahn und Lichtanlage. Nach den besten an Ort und Stelle erhältlichen Informationen soll ein Herr Fouquiau aus Konstantinopel — als einziger Bewerber! — die Konzessionen erhalten haben. Oer Bericht zweifelt aber, ob jene Arbeiten wirklich definitiv vergeben seien und konstatiert auf alle Fälle, daß einstweilen noch mit keiner dieser Arbeiten begonnen worden sei. Der Bericht erwähnt auch die Verhandlungen wegen eines Hafenbaues in Jaffa und verweist auf die LJnzuläng- Nachalath Benjamin lichkeit des Jaffaer Zollamts, die leider nicht behoben werden könne, bevor die Hafenfrage entschieden sei. Von dem Bau der Zweiglinie Afuleh—Jerusalem befürchtet der Bericht eine Ablenkung des Handels von Nablus, der bisher hauptsächlich über Jaffa ging, nach Haifa. Hinsichtlich der Landstraßen wird der gute Zustand der kürzlich reparierten Strecken Jerusalem—Hebron und Jerusalem —Nablus hervorgehoben. Hingegen sei die Landstraße Jaffa- Jerusalem in schlimmerem Zustand als je; zum großen Vorteil der Eisenbahn, die die Konkurrenz der Landstraße unter diesen Umständen nicht zu fürchten braucht. Der Touristenverkehr, der im Jahre 1910 einen Höchststand von 7200 Touristen der besseren Klasse erreicht hatte, ist im Jahre 1911 auf 5760 zurückgegangen. Von diesen waren 1626 Amerikaner, 057 Engländer und 895 Deutsche. Die Zahl der „Pilger" ist sich ziemlich gleich geblieben und betrug 1911 (die bisher höchste Ziffer) 33 500. Die Bahn beförderte 1911 10 700 Passagiere I. Klasse und 158 000 Passagiere II. Klasse. Außerdem beförderte die Bahn an Frachten von Jaffa nach Jerusalem 40 000 Tons, von Jerusalem nach Jaffa 6400 Tons. Von besonderem Interesse ist auch der Spezialbericht über Gaza, dessen englischer Konsular-Agent der einzige konsularische Vertreter am Platze ist. Vor allem weist der Bericht darauf hin, daß der längst in Aussicht gestellte Verkauf von Kronländereien an der Meeresküste noch nicht stattgefunden habe. Bei der wachsenden Bedeutung von Gaza, das 314 km von der See entfernt liegt, sind diese Ländereien ernsten Interesses wert. Der vor einigen Jahren von einer deutschen Maschinenfabrik in Jaffa errichtete Landungssteg an der Küste bei Gaza ist inzwischen vollständig zerstört. Nach dem vorliegen- Haschacharstraße

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