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Die Welt · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Lilienblumstraße Tel-Awiw umfaßt jetzt eine Fläche von ca. 202 000 Quadratellen, ca. 116 023 Quadratmeter ca. 8287 Quadratruten. Die Zahl der Häuser beträgt gegenwärtig 94 (darunter 13 zweistöckige). Die Bevölkerung zählt 790 Seelen (363 männliche, 427 weibliche). Das jährliche Budget für Wasserleitung, Beleuchtung, Wächter, sanitäre Aufsicht usw. usw. beträgt 12 180 Frcs,, welche durdi die entsprechenden Einnahmen gedeckt werden. Tel-Awiw bildet jetzt die Krone der städtischen Ansiedlung und ist, dank der Aktivität des Vorstandes der Kolonie, zu einem blühenden Stadtviertel geworden. Das einstige Schimpfwort, „jüdisches Ghetto", ist jetzt mit der Schaffung Tel- Awiws zu einem Ehrennamen geworden. Hier pulsiert jüdisches Leben, hier ist das hebräische Gymnasium, die Gesang- und Musikschule sowie das jüdische Theater, hier klingen die lieblichen Töne der alt-neuen Sprache — wahrlich, diese Kolonie ist eine Stätte jüdischer Kultur geworden. In Haifa ist leider die Sache nicht ganz gelungen, erstens, weil es dort an den rührigen Leuten fehlte, die sich dafür energisch einsetzen, und zweitens, weil der für Haifa bestimmte Betrag von 50 000 Frcs. zu klein war, um etwas Aehnliches damit schaffen zu können; so ist nur ein kleiner Häuserkomplex (von 7 Häusern) entstanden. In der letzten Zeit aber hat die jüdische Bevölkerung dort stark zugenommen und auch der in Angriff genommene Bau des Technikums wird viele jüdische Ansiedler herbeiziehen. Die Immobilien-Gesellschaft hat grö- Gegenüber dem hebräischen Gymnasium ßere Landkomplexe am Fuße des Carmel gekauft, und es ist jetzt an der Zeit, den Häuserbau auch hier auszudehnen. Die A. P. C. hat sich auch bemüht, Wege zu finden, für die jüdischen Arbeiter in den Kolonien Häuser zu bauen, und so ist es ihr auch gelungen, den Verein „Esra" in Berlin zu bewegen, der A. R C. ein größeres Depot auf 20 Jahre zum Zwecke der Errichtung von Arbeiterhäusern in Kafr-Saba und in Chedera zu übergeben. Auch die Mittel der David- und Fanny-Wolffsohn-Stiftung sind zum Bau von Arbeiterhäusern in Rischon, Rechoboth, Pethach-Tikwa verwendet worden. Es ist jedoch in dieser Richtung noch nicht genug getan worden. Bei allen jüdischen Kolonien sollten Häuser mit kleinen Gärten errichtet werden. Der Arbeiter würde als Tagelöhner in der Kolonie Beschäftigung finden und in der freien Zeit seine Wirtschaft pflegen können. Da die Kolonisten, die größere Wirtschaften besitzen, sich mit den kleineren landwirtschaftlichen Arbeiten nicht beschäftigen, würde der Arbeiter von der Gemüse- und Geflügelzucht großen Nutzen ziehen können. Lilienblumstraße Die Erfahrungen, die die A. P. C. auf diesem Gebiete bis nun gemacht hat, ergeben, daß durch langfristige Darlehen für Häuserbau an bemittelte Leute viele Kapitalien ins Land gezogen werden und der jüdische Besitz dadurch an Ausdehnung gewinnt. Die A. P. C. hat in Tel-Awiw nur ca. 250 000 Frcs. vorgeschossen, und die Leute haben etwa IV2 Millionen Francs darin investiert. Durch der; Bau der Arbeiterhäuser wiederum vergrößert sich die Zahl der jüdischen Arbeitskräfte im Lande, die das notwendigste Element für die jüdische Kolonisation bilden. Die Zahlungen gehen pünktlich ein; nicht nur die Bemittelten, sondern auch die Arbeiter leisten gerne ihre Ratenzahlungen, wovon wir uns bei den Darlehen an die Arbeiterkolonien Ein-Ganim und Bir-Jacob, denen die A. P. C. zur Anlegung einer Wasserleitung und Ausdehnung der Pflanzungen einen langfristigen Kredit gewährt hat, überzeugt haben. Bei Ausdehnung dieses Systems ist für die Erstarkung der jüdischen Kolonisation sehr vieles zu erwarten. Jaffa, Nissan 5672. D. Levontin.

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