Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Reiches, wohl aber die Bildung eines jüdischen. Milieus, eines Zentrums jüdischer Kultur, eines jüdischen Gemeinwesens in der Provinz des Türkischen Reiches, die damit in Zukunft das wieder werden soll, was sie in Vergangenheit war: das Judenland. So orientiert die Broschüre den Leser über die palästinensischen Grundlagen der zionistischen Politik und erscheint uns überaus geeignet, besonders alle die, der zionistischen Idee näherzubringen, die keine Dialektik mögen, sich aber durcli die Dinge der Wirklichkeit, durch reale Tatsachen belehren lassen. Breslau. Hugo Schachtel. Zionistisches Merkbuch von Hugo Schachtel. 1912 — 5672/3. Dritte starke vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 20 Pfennig. Herausgegeben vom Actions-Comite der Zionistischen Organisation. In Kommission beim Jüdischen Verlag. Diese auch von der nichtzionistischen jüdischen Presse lebhaft begrüßte und als ausgezeichnete Informationsquelle allgemein anerkannte Schrift unseres Freundes Schachtel bedarf keiner besonderen Empfehlung. Auf kaum 80 Seiten kleinsten Formats ist hier das gesamte Tatsachenmaterial über die zionistische Organisation und deren Institutionen, über die zionistische und pliilozionistische Literatur und Presse, über die Geschichte der zionistischen Bewegung, namentlich aber über das jüdische Palästina der Gegenwart zusammengedrängt. Die Fülle des Stoffes, die Vollständigkeit und absolute Zuverlässigkeit der Angaben, die Prägnanz der Darstellung und die übersichtliche Anordnung rechtfertigen die große Beliebtheit des Merkbuches und machen diese bereits in dritter Auflage erscheinende Publikation zu einem nie versagenden Hilfsbüchlein, zu dem man immer wieder gern greifen wird. Die neueste Ausgabe ist gemäß dem Stande von Anfang 1912 völlig umgearbeitet und wesentlich vermehrt worden. Von der Reichhaltigkeit des Abschnittes über P a 1 ä s t i n a mag die Anführung einiger Ueberschriften eine ungefähre Vorstellung ^bieten: A. Das Land: Städte in Palästina. Kolonien. Einwanderung aus Rußland. Landpreise. Maße. Münzen. Postwesen. Eisenbahnen. Temperatur. Sterbeziffer. Handel Jaffas. — B. In Palästina arbeitende Organisationen: Die zionistische Organisation in Palästina. Chaluka. Odessaer Komitee. Alliance. Anglo-Jewish Association. Hilfsverein der deutschen Juden usw. — C. Land- und Pflanzungsgesellschaften: Geulah. Agudath Netaim. Tiberia Land- und Plantagengesellschaft. Immobiliengesellschaft Palästina. Pflanzungsverein Palästina. Hoachooza usw. — D. Genossenschaften: Jüdische Kreditgenossenschaften. Weinbauerngenoss'enschaft. Pardess. Genossenschaft LJmdjuni. Erez Israel-Siedlungsgesellschaft. Karmel (Rußland, Amerika, Türkei und Aegypten, Deutschland, England, Frankreich). Häuserbaugenossenschaften usw. — E. Schulwerk: (Dieser Teil enthält eine besonders wertvolle Zusammenstellung alles Wissenswerten über die von den verschiedenen jüdischen Organisationen unterhaltenen Schulanstalten Palästinas). F. Palästina-Wissenschaft: Gesellschaft für Palästinaforschung. Jüdische landwirtschaftliche Versuchsstation. G. Bibliotheken und Volksbildung: Jüdische Nationalbibliothek. Bibliothek Schaar Zion in Jaffa. Jeschibah-Bibliotheken. Kleinere Bibliotheken. Beth-Am in Jerusalem usw. — H. Waisenhäuser. — I. Hospitäler und Kliniken. -- K. Altersheime. — L. Volksküchen. Das Merkbuch enthält ferner einen Abschnitt „Jüdischer Nationalis mu s", der über die hebräische Presse, die hebräischen Verlagsgesellschaften, die Organisation für hebräische Sprache und Kultur, die jüdische Turnerschaft und die nationalen Studentenorganisationen in allen Ländern eingehend orientiert. Ein Adressenverzeichnis der zionistischen Landes- und Sonderverbände und eine kurze Liste des Propagandamaterials beschließen das äußerst lehrreiche Heftchen, das auch denjenigen Gesinnungsgenossen manches Neue bieten dürfte, die die Parteipresse und die Wandlungen innerhalb der Organisation andauernd aufmerksam verfolgen. Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis erleichtert die Benutzung des Merkbuchs. Der Jüdische Verlag hat auch eine Sonderausgabe für Oesterreich-Ungarn veranstaltet, die die dortigen gesinnungsgenössischen Organisationen besonders berücksichtigt. Lamms Bibliotheca Judaica (Sammlung von Neudrucken aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur). Diese verdienstvolle Sammlung des Berliner Verlags Louis Lamm wurde mit Rabbi Hirsch Kalischers „Drischath £k>n" eröffnet. Sie umfaßt neben Neudrucken von Werken, die ihres inneren Wertes wegen immer wieder begehrt werden, wie David Kassels Kusari-Edition, auch Neudrucke, die mehr für den bibliophilen Feinschmecker bestimmt erscheinen, wie das seltene Büchlein ,,Der Erzbetrüger Sabbatai Sewi" oder „Probe rabbinischer Philosophie", von Salomon Maimon (Separatabdruck aus der Berliner Monatsschrift 1789). Im folgenden seien die beiden letzten Erscheinungen der Bibliotheca Judaica besprochen. Als Nr. 10 der Neudrucke erschien die „Neue Frankfurter jüdische Kleiderordnung von Johann Jacob Schudt" (Preis 4 M.). Diese Kleiderordnung, die von Schudt 1716 zum erstenmal mit Uebersetzung und Anmerkungen herausgegeben wurde, ist eine im jüdischdeutschen Originale ziemlich kurze Verordnung der Frankfurter Vorsteher und Rabbiner gegen jegliche Art von Luxus in der Kleidung sowohl wie in der Begehung der Feste und Festmahlzeiten. Den Anstoß zu dieser Verordnung gab wohl das durch den großen Brand von 1711 im Frankfurter Ghetto eingerissene Elend. Auch in anderen großen Gemeinden, wie z. B. Fürth und Prag, haben Gemeindevorstand und Rabbinat öfters Anlaß genommen, übermäßigen Luxus durch ähnliche Tekanoth zu verhüten. Schudt, der übrigens viel bekannter ist als Verfasser der nicht gerade sehr judenfreundlichen „Jüdischen Denkwürdigkeiten", betont in der Vorrede, er habe bei Publikation der Kleiderordnung, die er ,,auf vornehmer obrigkeitl. Personen Veranlassung ins Teutsche übersetzet", hauptsächlich den Zweck, den christlichen Mitbürgern Einzelheiten aus dem jüdischen Leben zur „curieusen und vergnüglichen Nachricht" zu bieten. Die am 17. Tammus 5475 (28. September 1715) publizierte Kleiderordnung schreibt auch die Zahl der Gerichte bei den einzelnen Familienfesten, die Zahl der Gäste usw. mit einer uns wunderlich anmutenden Genauigkeit vor. Schudts Anmerkungen sind sehr lehrreich, denn sind auch seine sprachlichen Erklärungen damals allgemein üblicher Ausdrücke wie Spinnholz, Mannes mahl, Schenkwein, J ü d i s c h k e r z nicht immer stichhaltig, so beschreibt er uns doch als Augenzeuge die Zeremonien dieser einzelnen Familienfeste sehr genau. Hat die jüdische Kleiderordnung mehr kulturhistorisches und antiquarisches Interesse, so ist Nr. 11 der Neudruck eines Werkes, das vom rein historischen Standpunkte hoch zu bewerten ist. Es sind die 1790 zum ersten Male erschienenen „Annalen der Juden in den deutschen Staaten, besonders in der Mark Brandenburg" von Johann Balthasar König, ein Buch, das durch den Neudruck wieder zu verhältnismäßig geringem Preise (12 M.) erhältlich wird. Die Annalen sind von den Historikern der brandenburgischen Juden eingehend benutzt worden, denn sie galten mit Recht als objektives Buch, wenn auch der Verfasser weit von allzu großer Judenfreundlichkeit entfernt ist. Man lese nur, was er über den Prozeß und die Hinrichtung des unglücklichen Münzmeisters Lippold sagt: ,,lch zweifle, daß man die Geschichte ohne Abscheu lesen wird; sie ist ein fürchterliches Denkmal einer Zeit, wo die Vernunft unter der schweren Bürde des Aberglaubens und der Sittenlosigkeit gefangen lag. Der Haß wider diese Nation (die Juden) hatte sich mit den Glaubenslehren ins Herz eingeschlichen und tief darin eingewurzelt . . Solche im Jahre 1790 geschriebenen Worte verdienen wohl auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Auffrischung. Der Bibliotheca Judaica wären recht viele Käufer zu wünschen, damit sie immer mehr von den großen Werken unserer Literatur der großen Oeffentlichkeit zugänglich mache, denn gar viel ist auf diesem Gebiete noch zu leisten. Sind doch z. B. heute einzelne von Zunz' Schriften, sind doch die guten Uebersetzungen des M 6 r e h und der I k k a r i m für die meisten ihrer Seltenheit wegen einfach unerschwinglich. Prag. S. H. Lieben. * Die religionsgeschichtliche Bedeutung Rabbi Akibas ist der Titel eines vom Rabbiner Prof. Dr. J. Hirsch im Afike- Jehudavereine in Prag gehaltenen Vortrages, der gemeinsam mit einem Vortrage des Prager Rabbiners Prof. Dr. Deutsch als Publikation des genannten Vereins im Druck erschien. Prof. Dr. Hirsch konstruiert an der Hand zahlreicher Zitate aus Talmud und Midrasch ein anziehendes Bild von dem Leben und dem Entwicklungsgänge des berühmten