Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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546 DIESqKLT Nr. 18 fest, daß es jetzt an der eigentlich allein zuständigen Stelle erscheint, im „Jüdischen Verlag", und mit Vergnügen seilen wir das Buch rein äußerlich nicht so dick und unhandlich wie die zweite Auflage, was jedoch nicht etwa durch eine Verminderung des Inhalts erreicht ist, sondern durch die reuige Rückkehr zum schönen dünnen Papier der ersten Ausgabe. Der Inhalt ist sogar wieder gegenüber der vorigen Auflage beträchtlich erweitert. Sämtliche früheren Kapitel zeigen eine neue Durcharbeitung und Ergänzung bis auf die jüngste Vergangenheit. Eine Fülle neuer Tatsachen, kleine interessante Einzelheiten aus der letzten Entwicklung Palästinas — und wer diese verfolgt, -weiß, weiche großen Fortschritte und Neuerungen gerade die letzten 2 Jahre dem Lande gebracht haben, — Anregungen und Hinweise auf neue Möglichkeiten sind in allen Teilen des Buches neu zu finden, — ein Beweis der Liebe und Sorgfalt, mit der der Verfasser sein Buch immer zu verbessern und neu zu gestalten bestrebt ist. Und wo nur ein Land mit gleichen klimatischen oder sonstigen Vorbedingungen etwas Neues aufweist, Trietsch sucht es der Entwicklung Palästinas nutzbar zu machen. So ist das Kapitel „Baumzucht, Gartenbau und andere Spezialkulturen" um 12 Seiten voller wertvoller Anregungen und Hinweise vermehrt. Gleichfalls erweitert sind die Kapitel über die Eisenbahnen des Landes, über Maße und Gewichte, über die Reiseapotheken, über die Konsulate, die jetzt in einer recht übersichtlichen Tafel neu dargestellt sind. Neu sind die Kapitel über den Militärdienst (N.B.: Gibt es nichts unserm „Einjährigen'' Entsprechendes in der Türkei?), über den jüdischen Wachtdienst und über die Entwicklung des genossenschaftlichen Lebens unter den Juden Palästinas, die unser besonderes Interesse erregen. Völlig neu ist auch das sehr interessant geschriebene umfangreiche Kapitel über die Städte Palästinas. Hier nimmt Trietsch Gelegenheit, auf die zentrale Bedeutung Palästinas und speziell Jerusalems für einen überaus großen Teil der Juden, auch westlicher Juden, hinzuweisen und zu zeigen, wie die modernen Palästina-Bestrebungen durchaus nicht etwa „die Domäne einer kleinen und sonderbaren Minderheit" sind. Besonders charakteristisch erscheint ihm dafür neben der Tätigkeit der bekannten großen Hilfsorganisationen die Chalukah, die er als „jüdischen Tribut, der von überallher an die alte Hauptstadt entrichtet wird", ansieht. Bei Jaffa ist natürlich eingehend die Entwicklung der neuen jüdischen Stadtteile geschildert. Ueberaus interessant ist der Abschluß dieser Städteschilderung mit der Darstellung der jüngsten Entwicklung des uralten Berseba, das man jetzt die modernste Stadl Palästinas nennen kann. Auch die Tabellen der Kolonien, die Handelszahlen, der Anteil der einzelnen Länder am palästinensischen Handel, und die Zahlen für die Entwicklung der jüdischen Bank sind bis zur Gegenwart ergänzt. Bezalel, Spitzenindustrie und landwirtschaftliche Versuchsstation sind neu dargestellt. Die Zahlen der Chalukah sind durch die Eisenstadtschen Tabellen erweitert. Das gleiche gilt von den bekannt vorbildlichen Karten. Bedauerlicherweise ist aiber die der zweiten Auflage beigegebene Kartenskizze des Mittelländischen Meeres aus des Autors großein Levante - Handbuch diesmal fortgeblieben. Auch das Kapitel „Reisen in Palästina" ist neu bearbeitet und vielfach ergänzt — Schon die Aufzählung des in der neuen Auflage Verbesserten und Vermehrten läßt erkennen, welche Fülle von Material aus den verschiedensten Gebieteiii des Wissens vom Lande Palästina in dem Handbuch geboten wird. Wir zählen in dem Inhaltsverzeichnis zudem nicht weniger als 120 Kapitel-Üeberschriften! So ist das Buch, das von dem emsigen Fleiß des Verfassers und seiner großen Liebe zu unserm Lande Zeugnis ablegt, in der Tat nicht nur ein Handbuch für den, der Palästina vorübergehend besucht, sondern ebenso auch für den, der für immer dahin gehen und sich theoretisch darauf vorbereiten will, und schließlich sogar für den, der schon in Palästina lebt und schafft. Und das Handbuch wird dazu beitragen, daß solcher auch aus dem „Westen" immer mehr werden. Wenn sie erst erkennen, „daß Palästina reich ist an Gelegenheiten zu wirtschaftlicher Tätigkeit auf allen möglichen Gebieten — versäumte Gelegenheiten bisher". Mit Trietsch erhoffen wir au? dieser Erkenntnis, daß „Privatinitiative und privates Kapital sich nicht länger durch unberechtigte Bedenken von der Betätigung im Lande zurückhalten lassen werden." Daß aber diese Hoffnung sich „bald — in unseren Tagen'" verwirkliche, mit welchem Wunsche das Buch schließt, dazu können wir (so scheint uns) beitragen, wenn wir dieses gui jüdische und gut zionistische Buch nach Möglichkeit zu ver breiten trachten. Es wäre schön, wenn sich daraus in der Tai nach des Autors Wunsch ein „zionistisches Palästina-Jahrbuch" entwickelte. Der Preis könnte kein Hinderungsgrund sein: 3.— M., weniger als ein Drittel des Preises für den Baedeker bei nicht viel weniger Umfang, dafür aber eben gut jüdisch. . . . Noch eine zweite zionistische Palästinaschrift präsentier uns der „Jüdische Verlag": eine Broschüre, „herausgegebei, vom Actions-Comite der Zionistischen Organisation", unr schon dadurch von besonderer Bedeutung. Und sie wird nocl bedeutungsvoller durch die Tatsache, daß es jetzt, nach fünfzehn jähriger Entwicklung, die erste offizielle zionistische Pa lästina-Broschüre überhaupt ist. „Palästina als Judenland"* ist ihr Titel, der ein Programm darstellt, und sie hat zun Autor Dr. Elias Auerbach aus Haifa. Auch des Autor Name bedeutet uns ein Programm. Ist er doch einer von der noch Vielzu wen igen, besonders aus Westeuropa, die für ihr Person die letzte Konsequenz des Zionismus gezogen haben Hat er sich doch in Palästina eine Wirkungsstätte geschaffen, dort seine Zelte aufgeschlagen und dort sein Heim begründe: Elias Auerbach ist auch sicherlich zurzeit der berufenste und geeignetste Autor einer solchen Schrift, zumal wir ihn ja scher von lange auch als einen kennen, der gut und überzeugen': die Feder zu führen versteht. Die Lektüre erfüllt unser Erwartungen. In glänzender Diktion und in klarem logischen Aufbau führt uns der Verfasser von den Kämpfen, die wi Juden um unsere geistige und leibliche Fortexistenz als Jude zu führen genötigt sind, zu den Anfängen unserer Rettung in alten Stammlande, wo schon eine zweiundeinhalbmal so groß Zahl wie einst unter Esra und Nehemia uns er n. Fortbestand sichert. Er zeigt die Hoffnungen, die wir daran knüpfen und lädt schließlich ein, an ihrer Verwirklichung, die ei; Werk aller Juden sein sollte, mit ganzer Kraft mitzuarbeiten Die städtische und die ländliche Bevölkerung, jüdische um nichtjüdische, die jüdischen Institutionen, die palästinensisch Sprachenfrage, die rasche Entwicklung des Hebräischen zt zentralen, zur nationalen Sprache, anerkannt und gefördei auch von durchaus nicht nationaler Seite, das Schulum Erziehungswesen, seine noch vorhandenen Mängel, die b< deutungsvollen Anfänge zur Besserung, die Ergebnisse de Kolonisation, wirtschaftliche, kulturelle und soziale, die Foi gerungen aus diesen Ergebnissen, das Verhältnis der Juden untereinander, zu den Arabern, zur Landesregierung — die alles wird uns nacheinander vorgeführt, alles in knappe« fesselnder und überzeugender Entwicklung und schließt ab rmi der Darstellung der Ziele der gesamten jüdischen Arbeit in Lande, die sich als notwendige Konsequenz aus der voran gegangenen Schilderung ergibt: nicht die Schaffung eine.* *) Dr. Elias Auerbach: Palästina als Judenland Jüdischer Verlag. 1912. Brosen. M. —,30 (Ausgabe aui besserem Papier M. 1,—).