Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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■i ^gSSiir^ 548 DIEÄBLT Nr. 18 Tannaiten und zeigt uns R. Akiba als echten Sohn seiner Zeit, der auch den Praxen des politischen Lehens nicht untätig gegenübersteht. In religiöser Beziehung ist R. Akiba der schärfste Gegner des Apostels Paulus, dessen Lehrmeinungen er bei zahlreichen Gelegenheiten entschieden gegenübertritt. Wie so mancher Lehrsatz K. Akibas erst aus diesem Gegensatze heraus voll verständlich wird, zeigt Hirsch an einzelnen hochinteressanter. Beispielen. Die zweite Publikation, der Vortrag von Prof. Dr. Deutsch, besitzt jetzt, wo gerade Preußens Juden den Jahrhunderttag ihrer Emanzipation feierten, besondere Aktualität. Deutsch behandelt die Geschichte des Emanzipationskampfes im Rahmen der jüdischen Diaspora innerhalb des alten römischen Reiches und der später aus Rom hervorgegangenen Machtsphäre der katholischen Kirche. Den Ausgang nimmt die Untersuchung von den Aeußerungen römischer Autoren über Juden und Judentum ihrer Zeit, bespricht dann die Veränderungen, welche die beginnende Herrschaft des Christentums mit sich brachte, und führt uns durch das Mittelalter bis zur Zeit Simon L u z z a t i s , der durch seine „Abhandlung über den Stand der Juden" vom Jahre 1638 zum ersten Vorkämpfer der Judenemanzipation wird. M e n a s s e b e n Israel, Montesquieu und Kriegsrat Doli m leiten zu Moses M e n d e 1 s s o h n hinüber, dessen Verdienste in dem Kampfe eingehend gewürdigt werden, und zu Graf Mirabeau, der unter dem Einflüsse Mendelssohnscher Ideen in der Nationalversammlung von 1791 den Juden die Rechte von Vollbürgern erkämpft. Den Abschluß bilden die Ausführungen über die Gestaltung der Judenrechte in den weiteren Ländern Europas und eine Würdigung der heutigen Verhältnisse. * Aselm Hillmann, Doktor der Staats Wissenschaften: jüdisches Genossenschaftswesen in Rußland. Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin C., An der Spandauer Brücke 15. 1912. M. 2.—. Die besonderen Wirtschaftsverhältnisse, unter denen die kleinstädtischen jüdischen Massen in Rußland leben, haben schon vor Jahrzehnten zur Schaffung verschiedener Organisationen geführt, die sich die Wahrung der spezifisch jüdischwirtschaftlichen Interessen zum Ziele setzten. Die Entwicklung des modernen Genossenschaftswesens hat nun einerseits bewirkt, daß diese älteren wirtschaftlichen Organisationen, dem Zuge der Zeit folgend, eine durchgreifende Wandlung erfuhren und allmählich genossenschaftliche Formen annahmen, andererseits hat sie auch die Entstehung zahlreicher neuer Genossenschaften begünstigt, die sich immer mehr ausbreiten. In erster Linie sind hier die jüdischen Leih - und Spargenossenschaften zu nennen, deren Zahl sich Anfang 1910 bereits auf 459 belief. Die Mitglieder derselben bestehen im Durchschnitt zu 41 o.0 aus Handwerkern und Kleingewerbetreibenden, zu 36 "o aus Händlern, zu 8 °n aus Landwirten, und 15 °o gehören den sonstigen Berufen an. JDie durchschnittliche Mitgliederzahl der Genossenschaften beträgt etwa 500. Charakteristisch für das jüdische Genossenschaftswesen ist der kleine Geschäftsanteil '- in der Regel 10 Rubel; daher ist die Mitgliedschaft auch dem kleinen Mann zugänglich, der seine geringen Ersparnisse der Genossenschaftskasse anvertraut. Die jüdischen Genossenschaften verstehen es sogar, das Vertrauen der russischen Beamten und Landwirte der Umgebung zu gewinnen, die der Genossenschaft Gelder anvertrauen, da die schlechten Verkehrsmittel sie hindern, die größeren Bankplätze aufzusuchen. Der jährliche Reingewinn kommt selten zur Verteilung. Er wird in der Regel zur Bildung und Verstärkung verschiedener Fonds bestimmt. Vorstand und Aufsichtsrat üben ihre Funktionen meist ehrenamtlich aus. Jüdische K o n s u in v e r eine gibt es in Rußland gar nicht. Die jüdischen Arbeiter sind von den großen Industrie- Unternehmungen ausgeschlossen; sie können daher nicht massenweise organisiert werden, um einen Stamm von Konsumenten zu bilden. Außerdem lebt ein ganz bedeutender Teil der Juden gerade vom Handel mit gebrauchsfertigen Produkten, so daß die Konsumvereine viele jüdische Familien brotlos machen würden. Versuche zur Bildung von Produktionsgenossenschaften sind mehrfach gemacht worden, jedoch ohne großen Erfolg, weil der Individualität der einzelnen Genossen zu wenig Rechnung getragen wurde. Von besonderem Interesse ist der erste Abschnitt des Buches „Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in Rußland", welcher auf grund neuen Materials eine wertvolle Ergänzung zu der vom Bureau für Statistik der Juden herausgegebenen Schrift „Die soziale Lage der Juden in Rußland" bildet. Schluß des redaktionellen Teiles NEUE BÜCHER GEORG HERMANN. Die Nacht des Dr. Herzfeld. 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