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Die Welt · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mr. 18 DIE3&ELT 545 ^eine Finger ziehen zu lassen, bis er mit blutiger Hand Knfang oder Ende dieser Zauberkette ergriffen hätte . .. „Jeschimon" S. 23.) Er sitzt auf dem Schiffe, daß ihn lach Palästina führt, und ein arabischer Bettler nähert ich ihm. ,,In Mekka und Medina will ich für Euch >eten, erbarmt Euch, Brüder, mein Tag ist schwer". Jnd der junge Dichter antwortet dem alten Bettler: ,Hier Bruder, deine Gabe. Aber für mich sollst du nicht )eten. Mir hilft kein Zauber, kein Prophet, für mich ist tlles Flehen vergeblich. Ich habe keine Heimat, nach deich mich sehne, keinen Seher, zu dem ich emporschaute, nein Gebet starb längst dahin. Düster und dunkel ist nein Weg und meine einsame Fahrt kennt keinen Hafen." Doch es ist Zeit, von Schimonowitz, dem Dichter!cr Natur zu sprechen, damit ich nicht den Anschein rwecke, als sei sein Werk eine in Reime gebrachte metaphysische Grübelei. Davon ist er weit entfernt. Er Kit uns in seinem ersten Buche eine Schilderung des leeres - seiner Fahrt nach Palästina — gegeben, die lan mit der berühmten Meeresode Jehuda Halevys zuunmenstellen darf. Die Sonnenuntergänge, die Nächte er Wüste, das Fallen des Schuiees, wie weiß er all as zu besingen! Doch geht es ihm nirgends darum — bwohl er es ausgezeichnet versteht ----- die Natur zu uden. Er findet überall in ihr sich selbst. Er schafft ie Natur aus sich selbst neu. „Aus jedem glitzernden autropfen baue ich mir blendende Sonnen, aus dem olkenzuge schaffe ich leuchtende Welten. Mir winkt unter dem Stein ein heimlicher Kristallpalast, ich kenne der lere Sprache im Gebüsch des Tals. Ich sammle aus der sehe der Ruinen heilig glimmende Funken, jeder Laut id jede Regung birgt mir Schätze ohne Zahl/' (v,Hachti bedarki".) So wird ihm die Natur überall lebendig, vielfältiger Kräfte voll. Darum versteht er Therach, den Polytheisten und Pluralisten, besser als den Monotheisten Abraham. (Man vergleiche die entzückende Theraclizsene, die der „Haschiloah" eben veröffentlicht hat.) Im Frühling geht ein lichter Engel durch die Flur und zieht allen Dingen neue Kleider an. Selbst die schwarzen alten Zäune bekommen bunte Farben zum Gewand. Im Sommer lassen sich die kaum geborenen ersten Strahlen mit unserm Dichter ins Gespräch ein. Dem sterbenden Sommer widmet er eines seiner schönsten Lieder. (Hakajiz hagossess.) Den Altweibersommer, die Spinnfäden, die der beginnende Herbst verweht, weiß er als das Leichentuch des großen Toten zu deuten. Alle Provinzen spinnen daran. Und was bedeutet das Stöhnen des Windes im Herbste? Ist es nicht der große Kaddisch, den der Wind sagt für die Seelen der Heimgegangenen Blumen? Es ist nicht zu verwundern, daß dieser Dichter der Natur auch die Liebe zu gestalten weiß. Das zarte Liebesgedicht aus Rechoboth, das die zweite Sammlung enthält („Lebath haamakim") möchte ich zu den besten Liebesgedichten unserer Literatur zählen. Und das will viel sagen in einer Literaturgattung, an deren Spitze das Schir Haschirim steht! Doch genug.. Aller literarischen Kritik und zumal einer solchen, die in einer dem Dichter fremden Sprache geschrieben wird und daher ihre Darstellung nicht einmal mit Beispielen stützen kann, sind allzuenge Grenzen gezogen. Und alle Worte, die man über die Gedichte macht, können nur den Wert haben, auf sie selbst hinzuweisen. So möchte ich den Liedern von David Schimonowitz viele Freunde wünschen! Zionistische Palästina-Literatur Es gibt nicht sehr viele Druckschriften, die man unter ü Begriff „Zionistische Palästina-Literatur'4 rubrizieren in. Besonders nicht in deutscher Sprache, obwohl diese uns Häufig das Surrogat für unsere offizielle, für unsere nationale reiche ist. Mußten doch auch erst 10 Jahre politischer Ziomus verstreichen, ehe die -erste zionistische und wissentliche Palästina-iSchrift erschien, wenn wir von den feuille- ■ istischen Reisebildern, die uns Friedemann und Struck gaben, -ehen. Und auch von der ersten Palästina-Sondernummer r „Welt", die zwar im Februar 1902 hergestellt, aber nicht -gegeben, sondern eingesargt wurde und wohlverpackt in i-nd einer Dachkammer in Wien verblieb, ohne daß die -isten Zionisten überhaupt nur eine Ahnung von ihrer istenz hatten, bis sie dann in Köln erst wieder eine Aufhebung feierte, immerhin, als 1907 Davis Trietsch's ■istina-Handbuch in erster Auflage erschien, entsprach es u Bedürfnis einer großen Zahl zionistischer und auch .istiger Palästina-Freunde. Denn wenn auch damals die iastina-Reisen noch nicht so in Aufnahme gekommen ■ren, wie jetzt, daß man sich gradezu schämt, wenn man 1 ersehnten Boden noch nicht betreten und das schöne ■ id noch nicht mit eigenen Augen sehen konnte, so hatte •"i doch schon unangenehm den Mangel empfunden, den bekannten Reise-Handbücher von Palästina, insbesondere meistbenutzte Baedeker aufwiesen, daß sie nämlich alles Palästina zu erzählen wußten und auf alles, was den Reisenden interessieren könnte, hinwiesen, nur nichts von dem enthielten, worauf es uns als Zionisten ankam: vom, jüdischen Palästina, vom modernen Palästina, von den Keimen der zionistischen Saat, von den Erfolgen jüdischer Arbeit. Und daß dies alles fehlte, hatte recht bedauerliche Folgen; vor allem die, daß Juden aus Palästina zurückkehrten mit einem ganz falschen Urteil vom Lande, ohme Kenntnis seiner neuen jüdischen Entwicklung, ja eine solche geradezu leugneten, weil sie sie nicht gesehen hatten. Diesem Mangel wollte Trietsch mit seinem Palästina-Handbuch abhelfen, es sollte in erster Reihe eine jüdische Ergänzung der üblichen Reiseführer sein. Aber nicht bloß dem, der das Land bereist, sollte es dienen, sondern es sollte „den Juden, die ein irgendwie geartetes lebendiges Interesse an Palästina nehmen, eine Informationsgrundlage bieten". Das damals noch dünne Büchlein fand eine äußerst beifällige Aufnahme in überaus weiten jüdischen Kreisen. Allerdings konnte zunächst des Autors Absicht, sein Handbuch jährlich mit den inzwischen nötig gewordenen Aenderungen und Ergänzungen neu herauszubringen, nicht verwirklicht werden. Erst 1910 erschien die sehr erweiterte zweite Auflage, die eine völlige Neubearbeitung darstellte. Jetzt nach noch nicht 2 Jahren ist die dritte Auflage erschienen*). Zwei Dinge konstatieren wir zunächst an dem neuen Handbuch: Mit einem Gefühl der Befriedigung stellen wir *) Davis Trietsch: Palästina-Handbuch. Dritte Auflage. 1912. Jüdischer Verlag. In flexiblem Leinen. M. 3,-—

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