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Die Welt · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Sombart und die Juden Randbemerkungen zu s Von Franz „Dies ist sicher: ein Schauspieler oder ein wahrer Mensch,!er Schönheit fähig und doch häßlich, lüstern und asketisch, in Scharlatan oder ein Würfelspieler, ein Fanatiker oder ein eiger Sklave, alles das ist der Jude." Vielleicht ist mit diesen \Vorten Jakob Wassermanns, des Dichters, intuitiv das innerste OCesen des Judentums tiefer und richtiger erfaßt als in Somwts, des Wissenschaftlers, scharfsinniger, aber von außen \ommender Untersuchung, die auf nahezu 500 Druckseiten beweist und immer wieder beweisen will, daß die jüdische °syche restlos aus der intellektual-rationalistisch-mechanisti- >chen Veranlagung des Volkes zu erklären ist. Der dualistische Irundzug, das ungeheuer Widerspruchsvolle, die starren, unvermittelten Gegensätze, das Hohe und das Niedrige, die ^weiseelenheit, nirgendwo findet man sie so ausgeprägt vor vie im Juden, im Judentum. Nirgends so scharf diese äußeren volaren Gegensätze. „Der letzte Opferwille neben der gierig- -ten Selbstsucht, die mutigste Wahrhaftigkeit neben der Verlogenheit des innersten Lebensgrundes. Kein anderes Volk hat so niederträchtige Spieler und Verräter, kein anderes Volk <o erhabene Propheten und Erlöser hervorgebracht. Und es sind oft dieselben Menschen, in denen und um die das Ja mit dem Nein ringi^ die durch seltsame Erschütterungen,. Krisen, Entscheidungen den einen oder den anderen Pol erreichen. Keiner hat solche Fülle der Anlage und solche Fülle der Hemmung wie der Jude/' (Martin Buber, Drei Reden.) Man wird bei Sombart, der die Juden so durchaus studiert lat mit heißem Bemühen, vergeblich auch nur die Andeutung lieses entscheidenden Charakterzuges suchen. Er läßt beim Juden alles gelten, nur eines nicht: Die innere Heiligkeit, die persönliche Hingabe, die Natürlichkeit und Instinktivität. Reiner Rationalismus, keine empfindungs- und gefühlsmäßige Reziehung zur Welt, nackte Zweckmäßigkeit, das allein und ausschließlich ist nach Sombart der Kern jüdischer Wesensart. ,,Die Fragen, die ihm das größte Interesse abgewinnen, sind: Warum, wozu? Was nützfs, was trägt's? Sein lebendigstes Interesse ist das Erfolginteresse. Unjüdisch ist, eine Tätigkeit — welche auch immer — als Selbstzweck zu betrachten, uniüdisch, sich der Natur harmlos zu erfreuen/* Zu dieser Zweckbedachtheit und Zielstrebigkeit kommen als weitere Hauptcharakteristika des Juden die Beweglichkeit, die Rastlosigkeit, die fabelhafte Anpassungsfähigkeit und vor allem der überragende Intellektualismus, das ist das Vorwalten geistiger Interessen und Fähigkeiten. Aller Intellektualismus aber, sagt Sombart, ist letzten Endes Flachwurzler: er dringt nirgends in die Tiefen der Sachen, nirgends in die Tiefen der Seelen, nirgends in die Tiefen der Welt. „Eine Anschauung ist nicht aus seinem (des Juden) innersten Wesen heraus gewachsen, sondern vom Kopfe aus gemacht. Er ist nicht organisch original, sondern mechanisch rational/' Es fehlt jeder schwärmerische idealistische Zug, alles nüchtern und verstandesmäßig. Verstand gegen Instinkt, Begriff gegen Anschauung, Abstraktion gegen Sinnlichkeit. Man sieht: Sombart hat scharf beobachtet. Denn ohne Zweifel besticht diese Charakteristik jüdischer Art auf den ersten Bück jeden Unbefangenen, jeder kennt persönlich sozusagen Juden, die geradezu restlos den Typ Jude darstellen, den Som hart so scharf umrissen gezeichnet, definiert, bewiesen, erklärt hat. Nur daß man doch eines klipp und klar konstatieren *) Sombart, Die Juden und das Wirtschaftsieben. Verlag von Duncker & Humblot, Leipzig. einem „Judenbuch"*) Steiner und betonen muß, was Sombart selbst von vornherein von seinem Buche zugegeben hat: daß es einseitig ist. „Es will einseitig sein, weil es, um in den Köpfen seine umwälzende Wirkung ausüben zu können, einseitig sein muß." Was war der Grundgedanke, der Sombart dazu führte, sein grandioses Werk über die Juden zu schreiben? Ganz offensichtlich und zugestanden: daß die Juden die Begründer des Kapitalismus sind, daß der Kapitalismus die Inkarnation, die Emanation jüdischer Wesensart ist. Es tut nichts zur Sache, daß ein Soziologe von Rang, Franz Oppenheimer, die Richtigkeit dieses Hauptsatzes des Sombartschen Werkes in einer kritischen Besprechung glatt leugnet und davon überzeugt ist, daß die gesellschaftliche Entwicklung nicht im mindesten anders verlaufen wäre, wenn niemals Juden in Europa gewohnt hätten, daß also der Kapitalismus der jüdischen Rasse nicht bedurft hat. Aber auch wenn alles, was Sombart behauptet und zu beweisen sucht, als richtig angenommen wird — und er hat sich mit bewundernswerter Gründlichkeit, Klarheit und Ehrlichkeit bemüht, alles, was er behauptet, mit reichem Material zu belegen und zu erweisen —, die Einseitigkeit ist für den, der in die Tiefen der Seelen zu dringen sucht, was allerdings nach Sombart der Jude nicht vermag, eben „einseitig" und darum nur die halbe oder Dreiviertelwahrheit über das Judentum. Allzusehr beherrscht ihn die Idee, die Parallelität zwischen jüdischer Eigenart und Kapitalismus möglichst vollkommen erscheinen zu lassen. Jüdische Psyche und kapitalistische Wirtschaftsordnung, das sind bei Sombart förmlich identische Begriffe, der Kapitalismus ist der Niederschlag der jüdischen Eigenart. Im Geld und Warenhaus verkörpern sich Sinn und Seele des Judentums. Sein einziger Gott ist der Mammon, sein einziger Zweck: Profit zu machen. Nüchternheit, Beweglichkeit, Rastlosigkeit, Zweckbedachtheit, Kombinationsgabe, Klugheit sind gleichmäßig Grundzüge des kapitalistischen Unternehmers wie des Juden. Und soweit kommt Sombart in der Aufdeckung der Aehnlichkeit, der Gleichheit zwischen Judaismus und Kapitalismus, daß er sich nicht damit begnügt, dies aus dem Ghettoschicksal des Judentums zu erklären, sondern aus dem Urgrund jüdischen Wesens von Anfang her. Bis auf die Wüstenwanderung geht er zurück und stellt den orientalisch-jüdischen Nomadismus dem nordischen Agrikulturismus, den Saharismus dem Silvanismus gegenüber. Und wenn Max Weber den innigen Zusammenhang zwischen Puritanismus und Kapitalismus aufdeckt, so geht Sombart weiter und wagt zu beweisen, bis ins Detail zu beweisen, daß zwischen der jüdischen Religion und dem Kapitalismus die innigste Verwandtschaft bestehe, daß die jüdische Religion ein mechanisch kunstvolles Verstandesprodukt ohne Mysterium sei, daß Guttat und Sünde mit Hilfe einer verwickelten Buchführung aufgerechnet werden, daß unter Heiligkeit nichts anderes zu verstehen sei als Rationalisierung des Lebens, d. h. Entnatürlichung. Die Juden brauchten nur die Lebensregeln, die ihnen ihre Religion gab, auf das Wirtschaftsleben anzuwenden, damit der Kapitalismus sich entfalten konnte. Ist dem wirklich so? Ist wirklich das Judentum von Anfang her abstrakt rationalistisch-mechanistisch-intellektuell? Gibt es, gab es keine großen Persönlichkeiten im jüdischen Volke? Fehlt den Juden ganz und gar das Gefühlte, das Träumerische, das Prophetische, das Seherische, das Mystische? Muß man wirklich Jesaias, Jesus, Spinoza, Marx zitieren, um zu beweisen, daß die Wahrheit Sombarts nur die eine Seite der Wahrheit über das Judentum ist? Denn in wem anders als

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