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Die Welt · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Österreich Wien. Das große Touristenunglück am Schneeberg, das zahlreiche Menschenopfer forderte, hat auch einen braven, hoffnungsvollen Gesinnungsgenossen hinweggerafft. Das Andenken Fritz Diamants, um welchen viele Freunde trauern, sei an dieser Stelle geehrt. Arbeit und Kampf in Böhmen (Von unserem Berichterstatter.) Prag. Als der Zionismus kurz nach Herzls Weckruf in Böhmen seine ersten Anhänger warb, fand er seine Förderer und den kräftigsten Widerhall zunächst im tschechischen Sprachgebiete. Denn hier waren die Juden, die bisher als Deutsche betrachtet worden waren, besonders rasch zu der richtigen Erkenntnis ihrer jüdischen Eigenart zu bringen. In kleinen und mittleren tschechischen Provinzorten wurden die ersten Volksvereine gegründet, und unter den ersten zionistischen Studenten Prags waren schon Akademiker aus tschechischen Gegenden. Später erst setzten die erfolgreichen Werbeversuche in den deutschen Städten ein. Im Wesen gab — und gibt es — natürlich keinen Unterschied zwischen dem deutschen und dem tschechischen Zionismus. Während aber der „deutsche" Zionismus von Jahr zu Jahr stärker geworden ist, trat im „tschechischen" Zionismus nach einiger Zeit ein Stillstand, ja ein Rückschritt ein, der in den nationalen und sozialen Verhältnissen begründet war. Vor ungefähr fünf Jahren wurde in K o 1 i n ein tschechischer Zionistentag abgehalten, der die Art der Propaganda bessern sollte. Was damals gesäet wurde, beginnt nun zu reifen. Am Sonntag, den 14. April, fand in Kol in der zweite Tag der Zionisten des tschechischen Sprachgebietes statt — ein Arbeitstag im besten Sinne des Wortes, voll kräftiger Hoffnungen und Aussichten für die nächste Zukunft, voll Anregungen und Anläufen zu erneutem Aufschwung. Der Arbeitstag war von ungefähr 40 Delegierten beschickt — aus Kolin, Pisek, Pribram," Kuttenberg, Pilsen, Trautenau, Dobris, Pardubitz, Aussig, Humpoletz und Prag, woher das Distriktskomitee, der „Spolek Zidovskych akademiku Theodor Herzl", Bar Kochba, Verein jüdischer Beamten, die {Vager Poale-Zion-Gruppe je mehrere Vertreter entsendet hatten. Die Tagung wurde um 10 Uhr vorm. vom Obmann des Distriktskomitees Dr. Ludwig Singer-Prag mit einer Ansprache eröffnet, die die Geschichte des „tschechischen" Zionismus entwarf und die Gesichtspunkte entwickelte, aus denen die jetzige Distriktsleitung die neue intensive Arbeit in Angriff genommen hat. J. U. C. A n g e 1 o G o 1 d s t e i n hielt das Referat über Örganisationsf ra g e n. Der Referent legte die Gründe dar. warum es dem ,,tschechischen'4 Zionismus solange nicht zum besten gegangen ist und inwiefern nunmehr ein Umschwung zum besseren konstatiert werden muß. Hierauf erstattete J. U. C. Jos c h ua S u s c h i t z k y (Poale 2ion) das Referat über die Z i o n i s t i s c h e Pr e s s c in Böhmen. Die Poale- Zion in Prag haben aus eigener Kraft eine Monatsschrift (Z i d ovsk y 1 i d o v y 1 i s t j geschaffen. M. U. C. Asche r in a n n referierte über die „S e 1 b s t - wehr*4, die als das der zionistischen Organisation zur Verfügung stehende nationale Wochenblatt Böhmens von besonderem, allgemein anerkanntem Wert ist. J. U. Dr. S i n g e r sprach über die „Welt" und „Palästina" und vor allem über die tschechischgeschriebene B r o s c h ü r e n 1 i t e r a t u r. M. U. C. Asch ermann erstattete hierauf das Referat über die inne r e V e r c i n s a r b e i t, auf die neben den großen Versammlungen des Hauptgewicht gelegt wird. Im Anschluß an dieses Referat erstatteten alle anwesenden Delegierten Berichte über ihre Vereine, neue Aktionen wurden vorberaten, die Zusammenarbeit aller Gruppen unter Führung des Distriktskomitees organisiert. Damit war der Zweck der Tagung erfüllt und sie wurde in später Nachmittagsstunde von Dr. Singer geschlossen. Am Abend der Koliner Tagung wurde in Pardubitz eine öffentliche Versammlung von der zionistischen Organisation veranstaltet, über die schon in voriger Nummer berichtet wurde. Noch nie hatte hier eine zionistische Veranstaltung stattgefunden. Der Versammlungssaal war überfüllt, die Intelligenz der Stadt war fast vollzählig erschienen — Juden und Nichtjuden, der Landtagsabgeordnete der Stadt, Avokaten, Aerzte, Kaufleute und Angestellte, Herren und Damen. Das Präsidium übernahmen die Führer der assimilatorischen Partei. Aus den Reden der Gegner sei nur die Erklärung der Judentumsauffassung wiedergegeben, auf die der führende Publizist der Assimilanten Dr. T e y t z festgenagelt wurde: „Mein Judentum ist etwas rein Negatives. Es besteht darin, daß ich mich gegen jene wende, die Juden um ihres Judentums willen zurücksetzen. Das Ziel dieses unseres Judentums ist — die Vernichtung der antijüdischen Vorurteile/' Dieses Bekenntnis wirkte für sich selbst, und den Ausführungen der zionistischen Redner folgten immer stärkere Beifallsstürme. Bukowina (Von unserem Berichterstatter.) Czerno witz. Es ist dem Interesse der jüdisch - nationalen Studentenschaft in Czernowitz zu verdanken, daß am 26. März „Das neue Ghetto" von Theodor Herzl im deutschen Stadttheater vor voll besetztem Hause aufgeführt wurde. In der Pause intonierte das Theaterorchester die „Hatikwah". Die zweite Wintersaison der von der akademischen Verbindung „Hebroniah" gegründeten jüdischen Toynbee halle in Czernowitz wurde am 16. März mit dem Vortrag unseres Gg. Prof. Kellner „Das jüdische Mädchen einst und jetzt" geschlossen. Dem Rechenschaftsbericht zufolge wurden in der abgelaufenen Saison 19 Vortragsabende, 1 Kinder-Chan Li kafeier und eine Volks-Makkabäerfeier veranstaltet. Unter den Einnahmen hebt sich die rnunifizente Spende des Herrn Handelskammerrats Markus K i ß 1 i n g e r von 500 K. hervor. Diesem Manne und seiner Gattin wird es auch zu verdanken^ sein, daß die Toynbeehalle hoffentlich schon für die nächste Saison ein eigenes Heim bekommt, an dessen Bau auf Kosten des Herrn Kißlinger in allernächster Zeit geschritten wird. Der akademische Verein E in u n a h in C z e r n o w i t z ist bemüht, die P. L. D. G. nach Kräften zu fördern. Der genannte Verein hat seit der Gründung der P. L. D. C. sowohl eine relativ beträchtliche Anzahl von Aktien (14 Stück) erworben, als auch in letzter Zeit einen Share-Kiub aus Vereinsmitgliedern gebildet, welcher der Wiener Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds untersteht und der erste in der Bukowina ist. Der Verein ,,Eniunah44 beabsichtigt, in Kürze in den größeren Ortschaften des Landes die Gründung von weiteren1 Share-Klubs zu betreiben. Bosnien Sarajevo. Der „Jüdische Nationalverein für Bosnien und Herzegowina4' arrangierte am 2 3. März eine mehrtägige Reise nach Ragusa-Cattaro. Am 13. April veranstaltete er einen gemütlichen Theater- und Musikabend, der sehr gut besucht war. Für Juli ist eine große Herzlfeier geplant. England „The Zionist" und die englisch-jüdische Publizistik (Von unserem Berichterstatter.) L o n d o n. „The Zionist", das Organ der englischen Zionisten. hat mit der März-Nummer seinen zweiten Jahrgang vollendet. Seine Redakteure. Harry S a e h e r und Leon Simon, haben diese Monatsschrift, die früher in Man ehe stur unier dem Titel „The Zionist Banner" erschien, auf ein hohes literarisches Niveau gebracht. Zweifellos hat ,,The Zionist". als einzige zionistische Zeitschrift in England, nicht nur ihre Berechtigung, sondern auch Anspruch auf allgemeine Unterstützung seitens der Zionisten. Wenn das aber nicht in genügendem Maße geschehen ist, so hat es teilweise seinen Grund darin, daß die allgemeine englisch-jüdische Presse dem Zionismus einen ziemlich breiten Raum einräumt, somit den Mangel eines besonderen zionistischen Organs nicht so fühlbar macht. Sogar der „Jewish World", dessen innere Gemeindepolitik durchaus nicht zionistischen Ansichten entspricht, wird in äußeren Angelegenheiten von einem Zionisten, „judaeus" (Paul Goodman), in seinem wöchentlichen „Foreign Letter'4 geleitet. Es ist das ein vornehmer Zug in der englisch-jüdischen Presse, den wir wahrlich auch in den allgemeinen jüdischen Wochenschritten

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