Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316514-3316530--55905-3349764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIESqEELT 485 Nr 16 Stand setzen soll, im Winter in den Allfängerkursus einzutretein. Alle diese Kurse finden jeden Dienstag* i/29—10 Uhr abends statt. Auch in der Lehrstätte „Zentrum", in der Lehrerbildungsanstalt der Jüdischen Gemeinde, Große Hamburger Str. 27, findet Mittwoch abend (y29—10 Uhr) ein Kursus für Fortgeschrittenere statt, der schon am kommenden Mittwoch abgehalten wird. I i j Der Preis für die Teilnahme am Kurs beträgt für den Sommer 5 M. Die Anmeldung erfolgt in den Unterrichtsräumen vor Beginn der Lektion. SPRECHSAlT^gl Das Komitee zur Herausgabe des „Talmud Jeruschalmi" in Jerusalem sendet uns folgenden Aufruf: Jerusalem, April 1912. \n die Freunde des heil. Landes und seiner Literatur. Im kommenden Sommer werden es 30 Jahre, seitdem Herr A. M. Luncz seine fruchtbare Arbeit auf dem Gebiete der Palästinaliteratur begonnen hat. Herr Luncz gehört zu den wenigen unter unseren Glaubensgenossen, welche sich mit der Erforschung Palästinas, seiner Geschichte und Literatur erfolgreich befassen. Seinem unvergleichlichen Fleiß und seinen umfangreichen Kenntnissen verdanken wir 10 Bände des Jahrbuches „Jeruschalajim", 17 Hefte des ,Palästina- Alma nach s" und die Neuausgabe von 4 Bänden älterer hebräischer Palästina-Literatur. Ihre Krone sollte diese reiche literarische Arbeit erhalten durch eine Neuausgabe des „Talmud Jeruschalmi" auf Grund von Handschriften in L o nd o n und Rom und allen Drucken mit Anmerkungen und Kommentaren. Drei Bände dieser für die taimudische Wissenschaft so wertvollen Ausgabe sind bereits erschienen und haben den Beifall aller Fachgelehrten gefunden. Leider aber mußte das Erscheinen der weiteren Bände eine Unterbrechung erfahren, weil dem Verfasser die nötigen Geldmittel fehlen. In Würdigung der 30 jährigen literarischen Arbeit des verdienten Gelehrten möchte das unterfertigte Komitee an alle Freunde der Palästinaliteratur die Bitte richten, durch die Schaffung eines Fonds die weitere Herausgabe des „Talmud Jeruschalmi" zu ermöglichen. Indem die Unterzeichneten die Verwaltung eines solchen Fonds und die Ueberwachuing der Drucklegung übernehmen, sprechen sie die Hoffnung aus, daß insbesondere durch reichliche Subskriptionen dem würdigen Verfasser die Möglichkeit gegeben wird, das begonnene Werk zu vollenden. Das Komitee für die Ausgabe des „Ta I m u d Jeruschalmi": Ephraim Cohn, Marcus Kahan (Mordechai ben Hilei Hakohen), David V e 11 i n , Dr. M a s i e , Dr. Isaac L e v y. Adresse: Dr. I. Levy, Direktor der Anglo-Palestine Company, Jerusalem. * Das Komitee zur Herausgabe der gesammelten Werke von Ben-Ammi ersucht uns um Abdruck folgender Zeilen: Bekanntlich hat das Komitee, welches die Jubiläumsfeier zu Ehren des Schriftstellers Ben-Ammi veranstaltete, die Aufgabe übernommen, die Werke dieses volkstümlichen Schriftstellers in hebräischer Uebersetzung herauszugeben. Ben-Ammis Schriften eignen sich insbesondere auch zur Lektüre für unsere Jugend. Die neue Ausgabe stellt also auch eine Bereicherung der hebräischen Jugendschriften-Literatur dar. Einstweilen sollen vier Bände zu je 18—20 Bogen erscheinen. Der Preis ist für Subskribenten der ganzen Ausgabe auf 10 Frcs. gleich 4 Rbl. festgesetzt worden. Es werden auch Abonnements auf die ersten zwei Bände zum Preise von 5 Frcs. gleich 2 Rbl. entgegengenommen. Nach dem Erscheinen der Schriften wird deren Preis beträchtlich höher sein. Das Komitee wendet sich nun an alle Freunde unserer Literatur, besonders an die hebräischen Sprach vereine, an die Gesellschaften zur Verbreitung hebräischer Schriften usw. mit der Bitte, das Komitee durch Gewinnung von Subskribenten und durch Entfaltung einer regen Propaganda für die hebräischen Schriften Ben-Ammis nach Kräften zu unterstützen. Die Subskriptionsbeiträge sind möglichst bald einzusenden und die Namen der Subskribenten recht deutlich anzugeben. In Rußland nimmt Herr Hilel Z 1 a t o p o l s k i - Kiew Abonnementsbeiträge entgegen. Außerhalb Rußlands wolle man sich gefl. direkt an das Jubiläums-Komitee, per Adr. Dr. Israel J e l s k i, Genf, Charmilles, 3 Rue des Penates, wenden. Tnyn („l^ie Zukunft")- Hebräische Zeitschrift für Literatur und Wissenschaft des Judentums. Verlag „Sinai", Band I—III, Berlin 1906—11. (S. Hurwitz, Berlin W., Kurfürstendamm 51. — M. 3.— pro Band.) Der Herausgeber dieser wertvollen Sammelbücher, der bekannte hebräische Schriftsteller und Kritiker S. H u r w i t z, hätte ihnen den Untertitel „Sammelbücher zur Förderung des kritischen Bewußtseins" geben sollen. Denn die drei Bände sind in Wahrheit drei laute Rufe zur loffenen „Rebellion", zum Kampf auf Tod und Leben gegen den — Spiritualismus und unwirklichen Rationalismus im Judentum. Die Vertreter dieser Oeistesrichtung haben sich freilich durch den unschuldigen Titel nicht irre machen lassen, vielmehr verschiedentlich Herrn Hurwitz mit Fluch und Bannstrahl traktiert und eine regelrechte literarische Gegenrevolution in Szene gesetzt. Ich muß gestehen: noch selten ist der Vertreter einer literarisch-philosophischen Richtung im Judentum so grundlos als „Abtrünniger" verschrieen worden, wie der Herausgeber des „Heathid". Der Blick des Herrn Hurwitz ist nicht literarisch" getrübt. Er kommt nicht aus der staubigen Studierstube, sondern aus der großen Welt der Wirklichkeit. Der Eindruck, den die Judenheit von heute auf ihn — der sich von sentimentalen Leitartikeln israelitischer Familienwochenblätter nicht blenden läßt — ausgeübt hat, zittert noch in jeder Zeile seiner gediegenen Aufsätze in „Heathid" nach. ... Im Osten bricht die Mauer des Ghetto langsam zusammen, ohne daß seine Insassen befreit werden. Das alte, ehrwürdige, orthodoxe Judentum schwindet rapid und ein neues Judentum entsteht nicht. Die Taufepidemie greift überall — im Osten wie im Westen — in erschreckendem Maße um sich, der Zionismus ist noch immer auf einen relativ kleinen Kreis beschränkt und andere schöpferische und erhaltende Kräfte sind noch nicht entstanden und werden — nach der Meinung des Herrn Hurwitz — unter diesen Umständen auch nicht entstehen. Wer ist schuld an diesem Niedergang des Judentums, an seiner Hilflosigkeit? Hurwitz sagt: Der jüdische Spiritualismus, der unwirkliche Rationalismus, der unschöpferische Theologismus . . . kurzum die „Geisteskultur" in ihrer jetzigen Gestalt, die keine Basis im Leben hat. Hurwitz ist aber auch ein Kämpfer. Und aus dieser Kampfstimmung ist der „Heathid" hervorgegangen. Alles, was in der modernen hebräischen Literatur kritisch, jungjüdisch und unabhängig denkt, ist im „Heathid" vertreten. Neben dem Herausgeber sind hier bis jetzt zu Worte gekommen: Bernfeld, Bar-To bia (Dr. Fränkel), Berditschewsky, Brainin, Coralnik, Horodezky Klein mann, Neumark, Mieses, Dubnow, Eisenstadt, Schiller, Thon, Krauß und Klausner. Alle diese Arbeiten sind bis auf vereinzelte Ausnahmen positive Bereicherungen des hebräischen Schrifttums. Selbst die rein philosophischen oder historisch-wissenschaftlichen Arbeiten sind ein gelungener Beweis für die Möglichkeit einer 1 e b e n d i g n Wissenschaft des Judentums. So zum Beispiel die Arbeit von Prof. Krauß über „Großstadt, Stadt und Dorf im Talmud" oder Neumarks gediegene Abhandlung über „Crescas und Spinoza". Die neuhebräische Literatur ist arm an wissenschaftlichen Schriften. Die neuere deutsche Wissenschaft des Judentums steht mit Recht bei den Juden des Ostens in Mißkredit, denn ihr Ausgangspunkt ist: Es gibt kein jüdisches Volk. Hurwitz hat sich unzweifelhaft Verdienste um die hebräische Literatur erworben, als er dem, wissenschaftlichen hebräischen Genius Gelegenheit gab, sich nach allen Richtungen hin auszudehnen. Daß der Herausgeber es versteht die verschiedenen gedanklichen Strömungen des jungen Judentums