Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316514-3316530--55895-3349754
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 16 DIE3&ELT \f wird viele jüdische Studenten hierher bringen und damit dem hiesigen jüdischen Leben neue Kraft und Energie zuführen. Speziell der Zionismus, dem es an Arbeitskräften hier mangelt, wird durch die zahlreichen zionistischen Studenten, die gewiß hierher kommen werden, an Stoßkraft und Leistungsfähigkeit gewinnen. Jüdische Statistik in Holland (Von unserem Berichterstatter.) Haag. In sachverständigen Kreisen hält man die offizielle Statistik der Bevölkerung nach1 den Religionsgemeinschaften in den Niederlanden für eine der allerbesten. Mit Recht schreibt denn auch über diese Statistik die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" (8. Jahrg. Nr. 12): Es gibt in den Niederlanden nur vier Gemeinden mit niemals 100 000 Einwohnern: Amsterdam, Rotterdam, Haag und Utrecht. Amsterdam hat jetzt die größte jüdische Gemeinde mit gut 60 000 Juden. In Holland sind also die Juden stark konzentriert. Die Propaganda sollte sich daher hauptsächlich auf Amsterdam richten, und es zeigte sich bisher, daß gerade diese Stadt das am schwierigsten zu bearbeitende Gebiet ist. Wie dies kommt, gedenke ich später noch einmal auseinanderzusetzen. Aus den Zahlen ergibt sich übrigens, daß die Sefardim sich im Verhältnis zu der ganzen Bevölkerung zu behaupten wußten und sogar — verglichen mit 1879 — stiegen, während die Aschkenasim absolut zunahmen, allein relativ bedeutend abnahmen (1.95—1.70). Bonger, der bekannte Verfasser von „Criminalite et Conditions economiques" stellt denn auch den Juden keine günstige Prognose. Durch einige scharfsinnige Kombinationen zeigt er, daß die Anzahl derjenigen, welche zu keiner Religionsgemeinschaft gehören, stetig wächst. Während die Aelteren noch unter dem Einflüsse der Glaubenstradition erzogen wurden, wachsen die Jüngeren unter der Tradition des Unglaubens heran, und aus diesem Grunde beurteilt man die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft sehr ungünstig. Die Stiftungen des Herrn Nathan Strauss In Ergänzung unserer vorwöchentlichen Meldung teilt uns •uiser Jaffaer Korrespondent noch folgende Einzelheiten mit: Jaffa, 7. April. Der amerikanische Millionär Nathan Strauß war mit ierrn Dr. Magnes jetzt in Palästina und hat hier lebhaftes Interesse für unsere Bestrebungen gewonnen. Leider sonnte Herr Strauß weniger von Palästina sehen, als er irsprünglich beabsichtigt hatte, weil er in Jerusalem erkrankte md nach seiner Genesung sofort von Jerusalem abreisen nußte. Was er aber sehen konnte, hat ihn sehr befriedigt, md er hat versprochen, unserer Arbeit in Palästina sein cbhaftestes Interesse zu bewahren. Herr Strauß hat folgende Beträge gespendet: 1. Für die Errichtung eines Gesundheitsamtes (office of health), das in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation arbeiten soll, Frcs. 81000 (Frcs. 6000 für die Einrichtung und je Frcs. 25 000 jährlich für die Unterhaltung in den ersten drei Jahren). 2. Für eine in Jerusalem einzurichtende große und moderne Volksküche je Frcs. 50 000 jährlich auf drei J ahre. 3. Für die Kunstgewerbeschule Bezalel Frcs. 50 000. Die Einrichtung des Office of health ist Herrn Dr. Wilhelm rünn (bisheriger Koloniearzt in Chedera) übertragen wor- 475 „Es gibt unseres Wissens kein Land, welches ein so reich gegliedertes Zahlenmaterial, besonders für die Gruppierung nach Stadt und Land, für die einzelnen Konfessionen enthält, als die Niederlande/' Lind mehr als irgendwo sonst ist es für die Niederlande von Bedeutung, eine kurze Uebersicht der Statistik zu geben, um deutlich begreifen zu können, welche Propagandamöglichkeiten es einstweilen hier zu Lande gibt, und um zu verstehen, auf welche Weise die Organisation diese Propaganda zu führen gezwungen ist. Es ist also nur ausnahimsweise, daß ich mich genötigt sehe, Ihre Leser (mit diesen zwar langweiligen, aber lehrreichen Zahlen zu belästigen. Ich will hier aus den offiziellen Zahlen und aus den von Sachverständigen bearbeiteten Angaben die wichtigsten zusammenfassen: 1889 1899 1909 4 511 415 5 104 137 5 858 175 92 254 98 343 99 785 5 070 5 645 6 624 2,04 1,93 1,70 0,11 0,11 0,11 _ _ 73 102 — — 5 268 den, der sich bereits nach Europa begeben hat, um dort einige [Assistenten zu gewinnen und die notwendige Einrichtung zu beschaffen. Das Gesundheitsamt soll seinen Sitz in der Kolonie Chedera haben und sich besonders mit der Frage der Bekämpfung der Malaria, der häufigsten palästinensischen Krankheit, beschäftigen. * In diesen Tagen ist der hochherzige Stifter von einem! schweren Schicksalsschlage betroffen worden: Sein Bruder Isidor Strauß und dessen Gemahlin sind bei der furchtbaren Katastrophe des Dampfers „Titanic" ums Leben gekommen. Generalversammlung des Hilfsvereins |der Deutschen Juden Berlin. Im großen Saal des Logenhauses zu Berlin fand am 14. d. M. die Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden statt. Der Präsident des Hilfsvereins, Dr. James Simon, eröffnete die Generalversammlung mit dem Hinweis, daß der Hilfsverein auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken könne. Dann erstattete Dr. Simon Bericht über die Tätigkeit des Hilfsvereins im Jahre 1911. Der Hilfsverein zählt heute über 25 000 Mitglieder und hat mehr als 160 000 Mark Jahresbeiträge. Die Gesamteinnahmen für 1911 belaufen sich auf 335 000 M. Der Vortragende gab einen Ueberblick über das Hilfswerk für die notleidenden Juden im Osten, namentlich in Rußland, wo im Berichtsjahre massenhafte Judenausweisungen stattfanden und wo sich die Bureaukratie in der Erfindung immer neuer drückender Maßregeln gegen die Juden nicht genug tun kann. Das Hilfswerk für Rußland und die russische Auswanderung erforderten im Jahre 1911 264 000 M. Die gesamte jüdische Auswanderung, die zu 70 o/o aus Rußland kommt, betrug im Jahre 1911 mehr als 100 000 Personen. 41 000 Auswanderer haben ihren Weg durch Deutschland genommen. Die Kosten, die die gesamte Fürsorge für die Auswanderer verursacht hat, betrugen 210 000 M. Die Versammlung nahm den Bericht des Präsidenten über die Vereinstätigkeit im Jahre 1911 mit großem Beifall auf. Hierauf skizzierte Dr. Paul Nathan die Tätigkeit des Vereins in den ersten zehn Jahren seines Bestehens und besprach dann eingehend die russische Judenfrage und die Wege, auf denen sie gelöst werden könne. Der Redner führte folgendes aus: „Bei einer Unterredung mit dem Grafen Witte und dem Ministerpräsidenten Stolypin fragte ich diese Herren, was von der Regierung zum Schutze der bedrückten russischen Juden geschehen wäre. Beide Herren antworteten: ,,Lassen Sie uns nur Zeit; die russische Judenfrage wird auch einmal gelöst werden . . Wir meinen, daß die russischen Juden nicht soviel Zeit haben wie die russische Bureaukratie. Deshalb bleibt ihnen nichts 1879 Bevölkerung der Niederlande................. 4 012 693 Aschkenasische Juden.................. 78075 Sefardische Juden................... 3 618 Aschkenasische Juden auf 100 Einwohner.......... 1,95 Sefardische „ „ „ „ .......... 0,09 Aschkenasische Juden in Städten von mehr als 100 000 Einwohnern — Sefardische „ „ „ „ „ „ „ —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.