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Die Welt · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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isj^Maua^W 474 DIEÄELT: Nr. 16 „Das wird der Größe des Namens Moses nicht schaden", fügt der fromme Mann malitiös hinzu, „und wenn einer die Fähigkeit nicht in sich fühlt, ein Moses zu sein, so braucht er doch auch nicht so zu heißen. Das Rabbinat handelt gewiß recht und billig, wenn es dieser Selbsterkenntnis und der Karriere eines jungen Mannes auf erwähnte Art zu Hilfe kommt" ..... Nur nicht schämen, meine Lieben! Die Marannenmoral des Herrn Dr. Güdemann fällt auf ihn und das „Organ für die gesamten Interessen des Judentums" zurück, das diesem empörenden Artikel Raum gab. Im Gegenteil. Wir freuen uns, daß dieser Aufsatz erschienen ist. Er erleichtert die reinliche Scheidung zwischen den Erben Herzls, die den jüdischen Namen wieder zu Ehren bringen wollen, und uinseren geifernden Feinden, die hin und wieder verraten, daß sie ihn sachte ganz verschwinden lassen möchten. Nur eines verdenken wir Dr. Güdemann: An seinen Nachfolgern im Amte handelt er entschieden unschön. Hätten seine Vorfahren so gedacht und geschrieben wie er, dann säße er wahrlich nicht in einer so wohligen und einträglichen Pfründe, denn dann gäbe es — keine Juden mehr. Generalversammlung des jüdischen Nationalvereins für Österreich (Von unserem Berichterstatter.) Wien. Donnerstag, den 4. April, fand unter starker Beteiligung die Generalversammlung dieser nationaljüdischen politischen Organisation statt. Nach einer Begrüßungsansprache des Vereinsobmannes Dr. Jakob Ehrlich referierte Dr. Hermann K a d i s c h über die Vorarbeiten zu der am Brünner Zionistentage beschlossenen politischen Konferenz und über die erfreuliche Uebereinstimmung aller Distrikte in den wichtigsten Fragen. Er besprach ferner eingehend die politische Lage und im Zusammenhange damit die Bedeutung der bevorstehenden Konferenz für die jüdische Politik in Oesterreich. Die interessanten Ausführungen wurden lebhaft akklamiert. Hierauf erstattete der erste Schriftführer Gg. Leopold Sitzmann den Rechenschaftsbericht, der ein überaus erfreuliches Bild der regen Vereinstätigkeit bot. Einen schönen Achtungserfolg erzielte der Verein während der Reichsratswahlen in der Leopoldstadt. Der Kandidat der Jüdischnationalen, Ob.-Ing. Stricker, erhielt doppelt soviel Stimmen wie der Kandidat der deutschliberalen Assimilanten. Außerdem wurde in Göding Lucian B r u n n e r gegen den Täufling Dr. Redlich kandidiert, und der Vereinspräsident Dr. Ehrlich als Zählkandidat aufgestellt, um die Gesinnungsgenossen aller Bezirke davor zu bewahren, gegen ihre Ueberzeugung stimmen zu müssen. Ein Niederschlag der Wahlkampagne — in der Leopoldstadt allein fanden 36 Versammlungen statt — war die Gründung des Jüdischen Volks Vereins für d ie Leopoldstadt, der heute 400 Mitglieder zählt, sowie die Gründung des jüdischen Volksheims. Anläßlich des Blutbades von Drohob y c z fand eine Massendemonstration statt. Die vom Verein für die Hinterbliebenen der Opfer eingeleitete Sammlung ergab eine Summe von 17 790 K., die durch Dr. Pachtmann (Drohobycz) ihrer Bestimmung zugeführt wurde. Die Frage des Verhältnisses der innerpolitischen Betätigung zum Zionismus ist durch den Brünner Zionistentag glücklich gelöst worden. Im Berichtsjahre wurde durch Initiative des Vereins der „Verband ehemaliger zionistischer Akademiker" ins Leben gerufen und die Gründung einer jüdischen Volksvorschußkasse in die Wege geleitet. In alien seinen Aktionen hat sich der Verein stets als die innerpolitische Stelle der zionistischen Partei betrachtet. Dem Vorstande wurde der Dank der Generalversammlung ausgesprochen. In den neuen Ausschuß wurden gewählt: Dr. Ehrlich (Obmann), Dr. Kadisch (Obm.-Stellv.), Sitzmann (Schriftführer), Kram er (Kassierer), ferner die Heren Dr. Abeles, Geller, Hammer, Dr. L ö w y und Waltuch. Hauptversammlung des Wiener jüdischen Handelsangestelltenverbandes Die diesjährige Hauptversammlung des Wiener jüdischen Handlungsgehilferiverbandes legte Zeugnis für das Gedeihen dieser wichtigen Organisation ab. Es ist in diesem engen Rahmen nicht möglich, auf die interessanten Referate und die anregende Diskussion der Delegierten näher einzugehen,, die sich insbesondere an die Ausführungen des Herrn Keßler über die Stellung zu anderen Organisationen knüpfte. Dem Rechenschaftsbericht des Herrn Grünhut war zu entnehmen, daß die Zahl der Mitglieder in der Berichtsperiode fast um das Doppelte gewachsen ist. An der Teuerungsaktion und am: Kampf um die Gehaltsfrage hat sich der Verband energisch beteiligt und dem Sozialversicherungsausschusse des Abgeordnetenhauses ein Memorandum überreicht, in dem die Ausschließung der Handlungsgehilfen aus der Versicherung gefordert wurde. Der Verband, der ein Fachblatt „Der jüdische Handlungsgehilfe", herausgibt, hat mit besonderem Nachdruck den Boykott der jüdischen Handlungsgehilfen bekämpft und durch seine Stellenvermittlung, die im letzten Jahre 70 °/o der angemeldeten Stellen besetzen konnte, sowie durch den Konditionslosenfonds der Not der jüdischen Gehilfen entgegengearbeitet. Sehr ersprießlich war die kulturelle Tätigkeit und die eifrige Arbeit der Frauensektion. Namens des gaiizischen poale-zionistischen Handlmngsgehilfenverbandes begrüßte die Tagung Herr Klingenberger und sprach den Wunsch aus, es mögen engere Beziehungen zu der gaiizischen Organisation geschaffen werden. Dies führte zu einer längeren, mitunter erregten Debatte über die bisherigen beiderseitigen Bemühungen, eine einheitliche Reichsorganisation zu ermöglichen. Die Hauptversammlung beauftragte schließlich die neue Leitung, dahin zu wirken, daß die so notwendige Einheitlichkeit hergestellt werde, wobei jedoch die anläßlich einer früheren" Beratung in Krakau festgelegten Grundsätze als Minimalforderung zu gelten hätten. An die Tagung schloß sich ein animierter UnterhaltungSrabend. Die Frankfurter Universität und die Juden (Von unserem Berichterstatter.) Frankfurt a. M. Als vor etwa zwei Jahren das Projekt der Frankfurter Universität öffentlich bekannt wurde, nahmen es weite jüdische Kreise mit großer Freude auf. Die Universität sollte ja finanziell von der Regierung unabhängig sein, und so hoffte man, hier endlich eine Universität zu erhalten, die bei der Besetzung der Professuren volle Gleichberechtigung würde walten lassen, zumal ja die notwendigen Mittel in erster Linie von Juden aufgebracht werden sollten. Man vernahm auch, daß sowohl Jakob Schiff wie auch die Baronin Rothschild jede Spende verweigert hätten, so lange nicht die volle Gleichberechtigung garantiert wäre. Inzwischen ist das Projekt herangereift, hat feste Gestalt angenommen, und hier gilt es so gut wie sicher, daß wir Ostern 1914 eine Universität haben werden. Und wie ist's mit den jüdischen Hoffnungen? Jetzt erkennt man nur allzu deutlich, daß sie ein Ausfluß des unverwüstlichen jüdischen Optimismus waren. Heute zweifelt kein Eingeweihter mehr daran, daß die Frankfurter Universität sich in punkto jüdische Professoren nicht im geringsten von anderen preußischen Universitäten unterscheiden wird. Dies geht nicht nur aus den Erklärungen des pretößischen Kultusministers im Abgeordnetenhause hervor, dies beweisen noch deutlicher die betreffenden Bestimmungen des Statuts. Danach hat wohl das Kuratorium das Recht, drei Kandidaten für jede ledige Professur vorzuschlagen, aber das letzte Bestimmungsrecht liegt beim Minister. Und das jüdische Geld! Nun, Adickes hat es verstanden, durch allerhand Versprechungen und Aussichten das Portemonnaie unserer hiesigen jüdischen Millionäre zu öffnen, und es wäre auch bei der Psychologie derselben seltsam gewesen, wenn sie trotz aller Aussichten auf Orden und Titel unbeugsam auf ihren Forderungen beharren wollten. Die Frau Baronin hat bereits eine Million gespendet, und nachdem sie den Reigen eröffnet hat, werden die anderen schon nachfolgen. Allerdings — zur Ehre der Frankfurter Judenheit sei es gesagt — gilt dieser schwächliche Rückzug nur für die engen Kreise der Plutokratie. Die intellektuell führenden Kreise der Frankfurter Judenheit hingegen befinden sich in ausgesprochener Opposition zu dem Projekt. Nur indirekt kann und wird die Universität voraussichtlich eine greifbare günstige Wirkung nach sich ziehen, die besonrders dem Zionismus in Frankfurt zugute kommen wird: sie

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