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Die Welt · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1300 DIE3SKELT: Nr. 42 befinden, diskutieren die Frage des Weltverbandes nach zwei Richtungen hin: a) Ist eine Weltorganisation prinzipiell nötig? b) Stellungnahme zum Kongreß; c) Minimalprogramm, Mittel und Verwirklichungswege und spätestens bis Anfang März werden die Beschlüsse ausführlich dem Vorbereitungskomitee eingeschickt. 4. Für Ende August 1913 wird nach Wien ein allgemeiner zionistischer (und wenn möglich: poale-zionistischer) Studentenkongreß einberufen. 5. Aus der Mitte des Vorbereitungskomitees erstatten zwei Kollegen auf Grund des gesammelten Materials auf dem Kongresse ein Referat und Korreferat über die Grundlagen eines Verbandes. 6. Am Kongresse kann ein jeder zionistische Student, Delegierter oder nicht, teilnehmen. 7. Der Kongreß setzt die Grundlagen eines Weitverbandes fest und wählt das erste Zentralkomitee. 8. Die Unkosten der Vorbereitungen bestreiten provisorisch die Wiener Verbindungen. 9. Die „Welt" wird ersucht, den Publikationen des Vorbereitungskomitees ihre Spalten zu gewähren. Das Gelingen der Sache liegt an den Vorkämpfern: sie mögen ihren Eifer in Tat umsetzen, nicht vor der Apathie der Masse zurückschrecken und sich an die Verwirklichung der Verbandsidee heranwagen. * (Anmerkung der Redaktion: Ob die an sich äußerst sympathische Idee eines studentischen Weltverbandes schon in nächster Zukunft realisierbar ist, bedarf noch genauerer Prüfung. Der nächste Kongreß in Wien gibt jedenfalls eine gute Gelegenheit, die zionistische Studentenschaft organisatorisch zusammenzufassen. Wie wäre es mit einem von allen Vereinen und Verbindungen beschickten öffentlichen Festkonvent?) (Von unserem Berichterstatter.) Der Gouverneur von Jerusalem bleibt auf seinem Posten Der neue Gouverneur von Jerusalem, Muhaddi Bey, hat bekanntlich bald nach seinem Amtsantritt die größeren jüdischen Ackerbaukolonien in Judäa besucht und sich sehr anerkennend über die Leistungen der jüdischen Kolonisten ausgesprochen, indem er ihnen gleichzeitig den Schutz der Regierung versprach und ihnen Ratschläge zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit in den Kolonien erteilte. Diese judenfreundlichen Aeußerungen des Gouverneurs paßten den antisemitischen Kreisen, an denen leider auch in der Türkei kein Mangel ist, natürlich nicht in den Kram. In Konstantinopel machten sich dunkle Bestrebungen geltend, den neuen Gouverneur von Jerusalem bei der Zentralregierung und in der Presse anzuschwärzen, um ihn womöglich gleich bei Beginn seiner ersprießlichen Tätigkeit von seinem Posten zu entfernen. Diese gehässigen Quertreibereien sind glücklicherweise fehlgeschlagen. Der Pascha erhielt dieser Tage vom Minister des Innern, Danisch Bey, ein Telegramm, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, daß er seine nützliche Tätigkeit in Jerusalem mit Erfolg fortsetzen werde. Rabbi Chaim Berlin 'Rabbi Chaim Berlin, der inoffizielle Oberrabbiner Jerusalems, ist am 13. Tischri plötzlich verschieden. Er hat noch am Jörn Kippur vorgebetet und fühlte sich überhaupt in den letzten Tagen gesundheitlich nicht schlecht. Noch am Abend des 13. Tischri unterhielt er sich in seinem Privatlehrhaus über talmudische Probleme, als er plötzlich einen Schwächeanfall empfand. Die sofort herbeigeholten Aerzte Dr. M a s i e und Dr. Wallach konnten nur noch den Eintritt des Todes konstatieren. Rabbi Chaim Berlin, der ein Alter von zirka 80 Jahren erreicht hat, war eine rabbinische Persönlichkeit, wie sie leider immer seltener wird. In W o 1 o s h i n, der Stadt der berühmtesten Jeschibah Rußlands, als Sohn des Gaon Nafthali Zewi Jehudah Berlin (abgekürzt 2^2 genannt) geboren, erlebte er in seiner Jugend noch die Glanzzeit des Thorastudiums. Er wollte seiner Neigung gemäß ein Privatgelehrter bleiben. Gleichwohl mußte er vorübergehend als Rabbiner in den Gemeinden Moskau, Jala, Elisabethgrad u. a. amtieren, die ihm dann Gefühle der Verehrung und treuen Angedenkens bewahrten. Vor einigen Jahren siedelte er nach Jerusalem über, und nach dem Ableben des Rabbi Samuel S a 1 a n t wollte man ihn einstimmig zum Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems wählen. Rabbi Chaim Berlin beharrte jedoch bei seinem Entschluß, das Rabbineramt nicht anzunehmen. Die Folge war, daß man 'keinen anderen Oberrabbiner wählte und er doch inoffiziell als das religiöse Oberhaupt Jerusalems galt. In allen wichtigen Fragen war sein Wort immer das entscheid dende. Besonders leistete er dem alten Jischub große Dienste, als es vor zwei Jahren in Jerusalem unaufhörlich kriselte •und mehrere Institutionen nahe vor dem Ruin standen. In dieser schweren Zeit griff der Verblichene ein, half mit bei der Reorganisation mancher Anstalten sowie bei der Schaffung einer gewissen Kontrolle durch den neuorganisierten Waad- H a y i r. Seine Name diente der orthodoxen Judenheit draußen als Garantie dafür, daß man sich im alten Jischub bemühe, Besserung zu schaffen. Rabbi Chaim Berlin hatte auch ein gewisses Verständnis für die Bedeutung unseres Kolonisationswerkes, wenn auch ihm nahestehende gewisse Kreise Jerusalems bestrebt waren, ihn auf Abwege zu leiten. Seine Beerdigung fand unter großer Beteiligung statt. In seinem Testamente hat er verboten, Trauerreden an seiner Bahre zu halten. Sein Wunsch wurde respektiert. Ehre seinem Andenken! Die Wahlen zum Parlament Obwohl die Wahlen zum Parlament schon nächste Woche beginnen sollen, ist von Vorbereitungen zu den Wahlen sehr wenig zu merken. Zum Teil hängt das mit der allgemeinen Lage, die noch sehr wenig geklärt ist, zusamimen. Auch der Umstand, daß all diejenigen, die irgendwie als Beamte des Staates anzusehen sind, also nicht bloß die Verwaltungsbeamten, sich jeder aktiven Beteiligung an der Wahlkampagne zu enthalten haben, wirkt vorderhand recht lähmend, da auf diese Weise zumeist jene Leute abseits zu stehen haben, die politisches Verständnis und Erfahrung in der Technik der Wahlen besitzen. So konnte beispielsweise David Je Hin in Jerusalem nicht in das Jerusalemer Wahlkomitee gewählt werden, weil er ein Mitglied der Belladie (Gemeinderat) ist.

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