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Die Welt · 1912-10-18 · 42 (18.10.1912) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
42 (18.10.1912)
Date
1912-10-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1298 D1EÄELT: Nr. 42 dem er in der Einleitung den Standpunkt des Christentums dem Gesetze gegenüber scharf und geschickt zurückgewiesen hat, in dem uns vorliegenden ersten Hauptteil auseinandersetzen, wie das Wesen des Gesetzes nach dem Wortlaut des Pentateuches selbst ist, er weist nach, daß die Thora selbst die Gesetze nicht in Gruppen einteilt, er stellt die Begründungen der Gesetze, die sich im Pentateuch finden, zusammen und folgert daraus, was der Zweck, das Ziel und der Charakter der Gesetzgebung war. Manche werden die geschichtliche Voraussetzung des Autors bestreiten. Wäre damit dann die ganze Arbeit wertlos? Ich möchte das aufs entschiedenste verneinen. Die Frage ist nur zeitlich zurückgeschoben. In einem solchen Lichte, wie es hier dargestellt wird, mußte dann, nicht mehr zur Zeit Moses, sondern später dem Volke die Thora erscheinen, wenn es sie las. Der Autor selbst wird mir zwar hierin nicht recht geben. Wie seine eigene Ansicht lautet, werden wir ja in den folgenden Teilen der interessanten Abhandlung erfahren. Liest man nach all diesen religionsgeschichtlichen Abhandlungen den Vortrag von Dr. E. Täub ler, der in dem letzten Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums erschienen ist, dann wird man förmlich in eine andere Welt versetzt: ,,Die weltpolitische Stellung des jüdischen Staates in der hellenistisch-römischen Zeit.4' Hier umfaßt ein Historiker mit weitem Blick die ganze alte Welt und zeigt uns, wie alles so kommen mußte, wie es kam, wie die Bedingungen für das Werden des makkabäischen Staates in den geographischen und politischen Verhältnissen Vorderasiens gegeben waren, wie er bestehen konnte und untergehen muHte. Die Annahme allerdings, daß Judäa in hellenistischer Zeit van auswärts wohnenden Juden besiedelt wurde, ist unerweisbar und unnötig, aber wahr ist, daß Antiochus Epiphanes nicht ein wütender Tyrann war, der es auf die Religion der Juden abgesehen hatte, sondern daß er reinpolitische Zwecke verfolgte; wahr ist, daß der Aufstand der Makkabäer, deren Heldentaten wir ja so sehr preisen, niemals zu einem glücklichen Ende gekommen wäre, wenn Rom nicht direkt und indirekt den Juden geholfen hätte; wahr ist, daß Rom mit der Vernichtung des jüdischen Staates nur das wieder nahm, was es selbst zuvor gegeben hatte. Vielleicht ist es ganz gut und dient dazu, unsern Stolz herabzumindern, wenn uns ein Historiker wieder einmal sagt, daß wir doch im Weltgetriebe, wo die eiserne Notwendigkeit regiert, herzlich wenig zu bedeuten hatten ein Tropfen am Eimer! Wenigstens auf politischem Gebiete. Ich freilich tadle die Juden nicht dafür, daß sie römerfeindlich waren und rechne es ihnen nicht als Schuld an, mag es auch unklug gewesen sein. Weltpolitik konnte der alte jüdische Staat nicht machen, und versuchte er es, dann machte er sie schlecht und mußte unterliegen. Das „unfähige, erbärmliche'* jüdische Volk blieb trotzdem bestehen und hat gesiegt Es gibt etwas, das mehr wert ist als alle Politik, und das ist die Kultur -- jüdische Kultur. Zur Frage eines Weltverbandes zionistischer Studenten Von Ign. Schwarzbart, Krakau Seit dem ersten Aufrufe von Prof. Dr. Ornstein ist ein volles Jahr verstrichen, ohne daß die Idee eines Weltverbandes zionistischer Studenten auch nur die mindesten Regungen tinter der zionistischen Jugend hervorgerufen hätte. Kürzlich *) hat Herr Dr. M. Sackheini die Frage wieder auf die Tagesordnung zu stellen versucht. Es wäre zu wünschen, daß der erneute Ruf Dr. Sackheims nicht erfolg- und spurlos verhalle. Denn die Frage eines Weltverbandes ist tatsächlich für die künftige Stoßkraft der zionistischen Organisation von eminenter Bedeutung. Herr Dr. Sackheim hat die Hauptumrisse eines - maximalen, glaube ich — Programmen dem künftigen Verbände vorgezeichnet. Allein — seine praktischen, auf die unmittelbare Zukunft gerichteten Vorschläge hat er auf den Wunsch, ,,die zionistischen Studentenvereine mögen sich im kommenden Sernester mit dieser Frage eingehender beschäftigen und zu ihr Stellung nehmen", beschränkt. Das genügt nicht. Nicht die Diskussion, sondern ihr p r a k t i s c h e s Resultat ist die Hauptsache. Zurzeit ist aber unsere Vorstellung von einem Weltverbande trübe und nebelhaft und deshalb nicht imstande, auf Richtung und Tempo der Diskussion den nötigen Druck auszuüben. Dazu ist ein konkretes, unmittelbar bevorstehendes Geschehnis nötig. Nur ein solches vermag die Geister im Banne zu halten. Ich denke an einen Kongreß zionistischer (und wenn möglich poale-zionistischer) Studentenvereine und nichtorganisierter Studenten. Aber noch ein Zweites. Die Beschlüsse der auf dem ganzen Erdball zertreuten Studentenvereine müssen sofort gesammelt, gesichtet, statistisch bearbeitet und dem Kongresse unterbreitet werden. Ich denke an ein Vorbereit u ngs k o m i t e e. Wird die Notwendigkeit eines Weltverbandes zionistischer Studenten unter der zionistischen Jugend allgemein empfunden *) S. „Die Welt" Nr. 39. und anerkannt? - Nein. Die Gleichgültigkeit, mit welcher der Aufruf Prof. Ornsteins aufgenommen wurde, nicht zuletzt der Umstand, daß beide Stimmen in dieser Angelegenheit (Prof. Dr. Ornstein und Dr. Sackheim) von Nichtstudenten kamen, ist recht symptomatisch. Wie steht denn die Sache? Die einen, wohl nicht stark an Zahl, sind prinzipielle Gegner einer Organisation. Sie wissen für ihren Standpunkt keine besseren Gründe ins Treffen zu führen, als daß ein Weltverband lästige überflüssige Administration zur Folge haben muß, die nur dazu taugt, die Vereine zu überbürden, praktische Arbeit zu hemmen. Und dann glauben sie feststellen zu müssen — lassen sich die Verfechter der Verbandsidee ein wenig von Würdenhascherei tragen, die nicht genährt, sondern unterdrückt werden soll. Die anderen erhitzen sich nicht für die Verbandsidee, geben aber zu, daß ein Verband nötig, momentan aber verfrüht sei. Organisation muß ein dynamischer Niederschlag eines stark vertieften Einheitsbewußtseins sein, sonst ist sie ein künstliches Gebilde und trägt von Anfang an den Keim des Verderbens in sich. Ihnen folgen die Gleichgültigen und Apathischen. Ihr Gesichtskreis kommt nicht über das Vereinslokal oder die „Bude44 hinaus. Dort haben sie den Zionismus eingekerkert, dort fühlen sie sich wohl. Die Idee eines zentralen, die ganze zionistisch-akademische Jugend umfassenden Verbandes kümmert sie überhaupt nicht. Und zuletzt die Wenigen: sie haben den Gedanken an einen kraft- und machtvollen Verband mit Liebe in sich aufgenommen und verfechten ihn mit Eifer. Die mannigfaltigsten Richtungen, von den Besonnenen bis zu den sogen. Hitzköpfen hinauf, haben hier ihre Vertreter. Die ersten, die Besonnenen, messen dem Verbände eine große propagandistische Bedeutung bei und statten ihn mit einem knappen, aber den

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