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Die Welt · 1912-03-29 · 13-14 (29.3.1912) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
13-14 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Junge Palmen. Nach einer Radierungvon E. M. Lilien. und eine Kunst schafft, die ganz u n d gar j ü d i s c h e Kunst ist. Lilien stieg zur vollen Höhe hinauf, indem er bewußt zu den Quellen sich begab, aus denen jüdisches Wesen strömt, zur Bibel und zum Lande Israel. Ob er uns unter Palmen wandeln läßt, oder uns in die Gassen zu den im polnischen Ghetto heimischen Juden führt, ob er Bilder aus alter ägyptischer, hebräischer, assyrischer Zeit unserm sChönheitstrunkenen Auge entrollt, oder unseren Blick weit über die ewigen Berge der hebräischen Heimat schweifen läßt, immer und immer erkennen wir, daß dieser Radierer Lilien, ebenso wie der Zeichner, den wir schon lange kannten, seine Kraft aus den Wurzeln holt, denen die jüdische Volkskraft entstammt, aus der hebräisch en Bibel und dem Lande der Hebräer. Sie beide sind mit der hebräischen S p r a c h e zu ewiger Einheit eng verschlungen, die u n ze rs tö r b aren Wurzeln unserer K r a f t. Heinrich L o c w c. Das Land der Juden Aus einer Rede (1910) Die Erneuerung des Judentums, die im Gallith anheben muß, wird sich im Gallith nicht vollenden können. Aber auch die Wiedergewinnung des Zusammenhangs mit dem Boden, mit dem natürlichen, vom Rhythmus der Jahreszeiten geregelten Leben wird diese Vollendung nicht bewirken können. Sie kann nur von einem ganz bestimmten Boden ausgehen: von dem Boden der Heimat. Er hat unsere besondere Art, unsere eigentümlichen Energien, unsere Personalität erzeugt; er allein wird sie erneuern, wird sie neuzeugen können. Die schöpferische Größe unserer Urzeit ist einst aus diesem Boden erwacht; seine Säfte haben sie genährt, sie wuchs im Schatten seiner Berge, und wenn sie ermattete, legte sie sich an sein Herz und wurde wieder stark. Es war nicht „der" Boden; es war dieser bestimmte Boden mit seinen Höhen und Niederungen, mit seinen stehenden und fließenden Gewässern, mit den Lagerungen der Salze in seinem Innern, mit seinem Tau und Regen, mit seinem Pflanztum und seinem Getier, mit seinem ihm eigentümlichen Wolken- und Sternenhimmel. Diese Kräfte unseres Landes waren es, die diese Kräfte unserer Seele schufen; zu wem sonst auf Erden könnten wir gehen, um unsere Seele zu verjüngen? Ein Kind, das ein Schrecken geängstigt hat, kann nur von der Mutter wahrhaft beruhigt werden; uns haben tausendmal tausend Schrecken das innerste Leben verstört. Eine Statue, die zerbrach, können unzählige Pfuscher z u r echtma c h e n; sie wieder ganz machen kann nur einer: der Künstler, der sie schuf. Wir sind eine Statue, die zerbrach. Wir sind siech geworden, aber unser Land ist gesund geblieben; wir sind lahm geworden, aber unser Land ist mächtig geblieben; wir irren umher, unser Land aber breitet sich dort drüben und wartet, wartet noch immer: auf uns. Als die Italiener der frühen Renaissance ihr Volkstum erneuern wollten, knüpften sie an die große Urzeit ihrer Rasse an: an die Kultur dieser Urzeit, an ihre Werke und Werte, an ihre Denk- und Lebensformen; daraus kam ihnen die Wiedergeburt ihres Volkstums und ihres Menschentums. Auch wir müssen an die große LJrzeit unserer Rasse anknüpfen; auch wir müssen über die Jahrhunderte, über die Jahrtausende hinweg die Hände der Urväter ergreifen. Aber uns liegt Schwereres, Tieferes ob als jenen. Sie wollten ihr Leben größer, reicher, schöner machen; wir wollen wieder zu einem Leben kommen. Sie wollten stärker werden; wir wollen von unseren Wunden genesen. Sie wollten freier werden; wir wollen uns aus dem Bann der Fremde befreien. Darum

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